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Schwinger Club Vol. 25

Sarah Valentina Winkhaus

02.01.2017 | Von Jan Langenbein, Fotos: Mike Meyer

Vor zehn Monaten zog sich Moderatorin Sarah Valentina Winkhaus für den Playboy aus und posierte neben einem Ferrari 458 GT3. Eine beinahe unschlagbare Kombination, sollte man meinen. Wir versuchen, mit einer Playstation zu kontern. Hüstel...

Über München lacht die Sonne, doch ein Schritt vor die Tür macht unmissverständlich klar, dass der Sommer längst vorbei ist. "Viel zu kalt für den Golfplatz!", lautet Sarahs Einschätzung der Großwetterlage. "Ich bin Schönwettergolferin. Wollen wir die Fotos nicht lieber bei mir im Hotelzimmer machen?" - "Nichts lieber als das! Dann lass uns Golf auf der Playstation zocken!" Zur Sicherheit behaupten wir noch, unsere Golfklamotten seien ebenfalls nicht für die plötzlich herrschenden frühwinterlichen Temperaturen geeignet; aber natürlich würden wir eine Gelegenheit, mit Sarah aufs Zimmer zu gehen, auch mit Thermounterwäsche nicht auslassen.

Es ist kein Wunder, dass Sarah Valentina Winkhaus eine noch stärkere Abneigung gegen zu tiefe Temperaturen hat als wir, schließlich fließt italienisches Blut durch ihre Adern. Als Tochter eines Italieners und einer Deutschen wuchs sie in Düsseldorf auf, verbrachte aber beinahe alle Ferien bei den Großeltern in der Toskana. Auch während des Studiums verschlug es sie zwei Jahre nach Bologna, perfektes, akzentfreies Italienisch und Faible für das Dolce Vita ihrer zweiten Heimat verstehen sich daher von selbst.

Unser Versuch, Sarah durch Technikverständnis und locker-nonchalantes Anschließen der PS4 zu beeindrucken, schlägt kolossal fehl und wir müssen die Schande über uns ergehen lassen, den Techniker des Hotels um Hilfe zu bitten, der "Rory McIlroy PGA Tour" dann mit wenigen Handgriffen auf dem 50-Zoll-Flatscreen erscheinen lässt.

Schwinger Club Vol. 25: 'Was wollt ihr denn? Für den virtuellen Old Course ist der Dresscode erfüllt!'Schwinger Club Vol. 25: 'Was wollt ihr denn? Für den virtuellen Old Course ist der Dresscode erfüllt!'
'Was wollt ihr denn? Für den virtuellen Old Course ist der Dresscode erfüllt!'

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NATÜRLICH HAT ES NICHT LANGE GEDAUERT, BIS MAN SICH IN EINEN DER JUNGS AUS DEM CLUB VERKNALLT HAT. WIR HABEN DIE CRACKS DANN OFT AUF DIE RUNDE BEGLEITET UND WAREN HIN UND WEG.
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Unserem Vorschlag, das Match auf dem TPC Sawgrass auszutragen, kann Sarah nichts abgewinnen und macht eine für eine Schönwettergolferin ungewöhnliche Ansage. "Lasst uns auf dem Old Course spielen. St. Andrews hat eine besondere Bedeutung für mich, denn 1991 war ich mit meiner Mutter in Schottland und habe in St. Andrews zum ersten Mal Golf gespielt und meine Platzreife gemacht." Damals ging es auf einem Road Trip für die beiden Winkhaus-Damen drei Wochen lang vorbei an Whiskeybrennereien, Mooren und natürlich auch Golfplätzen quer durch Schottland. "Meine Mutter spielte damals kein Golf, dachte sich aber: 'Das ist sicher ein tolles Hobby für meine Tochter. Und wir können dann auch zusammenspielen." Frag mich nicht, wie sie darauf kam, jedenfalls überraschte sie mich in St. Andrews mit einem Anfänger-Golfkurs." Zurück in der Heimat - die beiden lebten damals in Düsseldorf - überstand erkaltete diese neue Leidenschaft tatsächlich nicht und Sarah trat in den Golfclub Hummelbachaue ein. Gemeinsam mit der besten Freundin ging es jeden Donnerstag zum Jugendtraining, wo das anfängliche Highlight darin bestand, das Ballsammelauto auf der Driving Range abzuschießen.

Wie es sich für pubertierende Mädchen gehört, wandte sich die Aufmerksamkeit bald anderen Dingen zu. "Natürlich hat es nicht lange gedauert, bis man sich in einen der Jungs aus dem Club verknallt hat. Wir haben die Cracks dann oft auf die Runde begleitet und waren hin und weg." Das eigene Training musste hinter dieser jugendlichen Form des Stalkings natürlich zurückstehen und darum hörte Sarah zu dieser Zeit von ihrem Schwung-Coach meist nur ein Wort: "Almost, Sarah! Almost!" "Das war mir beim Training oft peinlich, denn mein Schwung wurde einfach nicht besser", lacht Sarah heute. "Turniere habe ich auch keine gespielt, deshalb blieb mein Handicap ewig bei 36."

Am Anschauungsunterricht kann es nicht gelegen haben, denn Sarah drehte ihre Runden damals im Umfeld eines zukünftigen zweifachen Major-Siegers, der damals allerdings selbst noch nicht wusste, zu welchen Großtaten er 15 Jahre später fähig sein sollte. "Mein damaliger Freund, mit dem ich auch zusammen zur Schule gegangen bin, war ein sehr guter Golfer und er spielte im GC Hubbelrath zusammen mit Martin Kaymer. Er hat mich oft mit nach Hubbelrath auf den Platz genommen und damals habe ich dann auch Martin kennengelernt." Als Sarah Abitur machte und fürs Studium nach Passau zog, wanderte das Golfbag in den Keller und wurde jahrelang nicht angerührt. 2013 kam es dann allerdings auf einer Mercedes-Benz-Veranstaltung zu einem dieser berühmten "Kennen wir uns nicht von irgendwoher?"-Momente, als sich Sarah und Martin nach vielen Jahren zum ersten Mal wieder über den Weg liefen. "Wir schauten uns beide ganz verwundert an und mussten lachen. Seither schreiben wir uns ab und zu Nachrichten über Twitter, um zu sehen, ob wir vielleicht bald mal wieder zufällig auf derselben Veranstaltung rumhängen. Als ich dieses Jahr für Sport1 die BMW International Open in Pulheim moderierte, war Martin ja leider nicht im Starterfeld."

Schwinger Club Vol. 25: Schwinger Club Vol. 25:
Das Turnier vor den Toren Kölns war die erste Berührung mit dem Golfsport auf professioneller Ebene und man kann sich vorstellen, wie groß der Kulturschock ist, reiste man in den vergangenen Jahren beinahe ausschließlich mit dem Formel-1-Zirkus um die Welt. Zwar präsentieren in beiden Welten hoch bezahlte Spitzenkönner ihrer jeweiligen Disziplinen ihre Fähigkeiten, die Unterschiede sind trotzdem immens. "Der krasseste Unterschied zwischen Golf und Formel 1 ist die Geräuschkulisse. Bei allen Motorsport-Events, die ich moderiere, hört man den Sound der Motoren bereits, lange bevor man einen Fuß auf das Areal der Rennstrecke setzt. Die absolute Ruhe beim Golf und auch die Andacht der Fans, wenn ihre Idole sich für einen Schlag bereit machen, ist beim Golf absolut faszinierend. Was die Athleten angeht, gibt es in der Formel 1 wie auch beim Golf extrem unterschiedliche Charaktere, die sich alle durch einen eigenen Stil auszeichnen. Beide Sportarten verlangen ein Höchstmaß an Präzision und Technik. Aus diesem Grund fiel es mir nicht schwer, mich in die Golfwelt hineinzudenken."

Bis 2014 war Sarah für Sky Italia bei den Formel-1- Übertragungen im Einsatz und seit Mai diesen Jahres Teil des Motorsportteams von Sport1. Kaum beginnt sie, davon zu erzählen, wird sofort klar, wofür ihr Herz wirklich schlägt. Allein ihre Aussprache des Teamnamens Ferrari mit einem perfekten italienischen R, das von deutschen Zungen leider viel zu oft massakriert wird, ist pure Poesie und lässt auch Menschen, die kein Benzin im Blut haben, garantiert nicht kalt. Streckenbesichtigungen mit Fernando Alonso und Sebastian Vettel, Trainingsrunden in Monza mit Ferrari-Testfahrer Marc Gené oder gemeinsame Fahrten zur Arbeit mit Nico Rosberg - was sie uns da erzählt, klingt nach einem genialen Leben. Die eigentlich rhetorische Frage nach dem Traumauto, das sie gerne in der Garage hätte, sorgt dann dafür, dass uns vor Erstaunen der Finger vom Controller rutscht und deshalb der Abschlag am 17. Loch in St. Andrews im "Old Course Hotel" einschlägt. "Ich liebe Ferraris und liebe auch die Geschwindigkeit, aber ich sehe mich selbst nicht wirklich in einem solchen Wagen. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich einen 67er-Shelby-Mustang oder ein anderes Muscle Car fahren. Ich stehe total auf den Sound dieser Autos." Beim Essen ist es dann aber glücklicherweise die Pasta und nicht der Burger, der auf den Tisch kommt, wenn Sarah einen Gast wirklich beeindrucken möchte. "Meine Pasta Puttanesca und mein Hühnchen mit gegrillten Oliven sind berühmt. Bei diesen beiden Gerichten macht mir so schnell keiner was vor.

Eines dieser beiden Festessen wäre Sarah uns schuldig gewesen, hätte ihr vollkommen unpatriotisches Traumauto unseren Pixel-Rory-McIlroy auf der vorletzten Spielbahn des Old Course - Sarah hat vor Beginn unserer Runde auf der PS4 natürlich Martin Kaymer gewählt - nicht völlig aus dem Konzept gebracht. So aber verlieren wir das bislang ausgeglichene Match auf diesem Loch und schulden Sarah ein Abendessen, das wir aber aufgrund erwiesener Unfähigkeit nicht mit dem Kochlöffel, sondern mit der Kreditkarte entstehen lassen werden.

Auf der BMW International Open nahm Sarah Valentina Winkhaus nach Jahren der Abstinenz in einem Golfsimulator seit Langem einmal wieder einen Driver in die Hand und ihr Schlag reichte beim Longest Drive Contest auf Anhieb für den zweiten Platz unter allen beinahe 600 teilnehmenden Ladys. Das ist nicht nur mindestens so beeindruckend wie die Fotos, die wir mittlerweile im Kasten haben, sondern sollte doch eigentlich auch Ansporn genug für eine zweite Golfkarriere sein. Daher wollen wir noch wissen, was es denn braucht, damit Sarah endlich wieder ernsthaft mit dem Golfspielen anfängt. "Eigentlich braucht es nicht viel, um mich wieder auf den Platz zu locken. Sonne wäre schon wichtig. Und Martin Kaymer sollte anrufen und mich fragen, ob wir gemeinsam eine Runde spielen wollen. Bekommt ihr das hin?"

Der Wunsch ist notiert. Jetzt geht es erst mal zum Italiener nebenan. Wettschulden müssen schließlich umgehend beglichen werden. Herzlich willkommen im Schwinger Club, Sarah Valentina Winkhaus!




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