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Top Ten

Die besten Clubhäuser

26.09.2017 | Von Jan Langenbein

Hier werden Turniersiege gefeiert, Doppelbogeys schöngetrunken und Freundschaften fürs Leben besiegelt: Ein gutes Clubhaus ist weit mehr als nur Umkleidekabine und Pro-Shop. Das sind unserer Meinung nach die zehn besten des Planeten.

10: ROYAL BIRKDALE GOLF CLUB – Southport, England
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ROYAL BIRKDALE GOLF CLUB

Southport, England

Zugegeben, weder die Farbe des Meeres noch ein Blick auf die Wettervorhersage bieten eine realistische Möglichkeit, die Coastal Road von Birkdale mit dem Ocean Drive in Miami Beach zu verwechseln. Doch wendet man den Blick vom oft grauen Meer dem Landesinneren zu, dann versprüht das 1953 vom Liverpooler Architekten George Tonge entworfene Clubhaus von Royal Birkdale tatsächlich einen dezenten Miami Vibe. Unter den anderen Clubhäusern der Open-Championship-Schauplätze, die mit ihren rot geklinkerten und efeubewachsenen Fassaden typisch für viktorianischenglische Architektur stehen, fällt das schneeweiße Artdéco-Clubhaus in Birkdale so sehr aus der Reihe wie ein Glas guter Rotwein in einem englischen Pub. Zehn Legenden des Golfsports haben vor diesem Gebäude bereits den Claret Jug überreicht bekommen, allesamt Hochkaräter.

09: BUDERSAND – Sylt, Deutschland
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BUDERSAND

Sylt, Deutschland

Leider muss man architektonisch gelungene Clubhäuser hierzulande suchen wie die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen. Das Clubhaus in Budersand auf Sylt ist dabei die angenehme Ausnahme von der Regel und das ist keine Selbstverständlichkeit, denn vor 20 Jahren, als das Gelände der Pidder-Lüng-Kasernen am Rand von Hörnum noch der Schandfleck der Insel war, hätte sich kaum jemand vorstellen können, dass hier in wenigen Jahren nicht nur einer der besten Golfplätze der Republik, sondern eben auch eines der schicksten Clubhäuser auf Gäste warten wird. Unternehmerin Claudia Ebert allerdings schon und so wurde im Jahr 2008 nach ausgiebigen Renaturierungs- und Bauarbeiten die Golfanlage eingeweiht. Am höchsten Punkt der Anlage, wo einst die Fernmeldestation stand, wurde ein Clubhaus errichtet, das Meerblick in beide Richtungen bietet.

08: SEYCHELLES GOLF CLUB – Mahé, Seychellen
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SUNNINGDALE GOLF CLUB

Sunningdale, England

Die Heimat des noblen Sunningdale Golf Club kann man getrost als das archetypisch britische Golf-Clubhaus bezeichnen und wohl nirgends kommt man dem erhabenen Gefühl, sich an einem heiligen Ort wie Augusta National zu befinden, so nahe wie hier. Das mag auch damit zusammenhängen, dass sowohl in Sunningdale als auch in Augusta eine uralte Eiche direkt vor der Terrasse untrennbar mit der Optik des Clubhauses verbunden ist. Das Klinkergebäude mit Schindeldach wurde von den Clubgründern Tom und George Roberts bereits errichtet, ehe Harry Colt den berühmten Old Course von Sunningdale designte, und hat bereits eine Menge illustre Gäste gesehen: "Wir hatten hier schon Könige als Mitglieder und Personen vom anderen Ende des Spektrums", wie es Club Captain Charles Harrison mit typisch britischer Zweideutigkeit ausdrückt.

07: SEYCHELLES GOLF CLUB – Mahé, Seychellen
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SEYCHELLES GOLF CLUB

Mahé, Seychellen

Natürlich muss man sich den Vorwurf gefallen lassen, ein verquerer Obskurant zu sein, erlaubt man ein "Clubhaus" wie das des Seychelles Golf Club auf dieser Top-Ten-Liste. Schließlich wird hier weder Luxus noch spektakuläre Architektur geboten. Als Umkleide dient ein Überseecontainer, wacklige Plastikmöbel sind die einzigen Sitzgelegenheiten, und ob hier tatsächlich ein Architekt im klassischen Sinne am Werk war, ist nicht überliefert. Auch der Golfplatz ist weiß Gott nichts Besonderes. Doch wie sagt die alte Maklerweisheit? Lage! Lage! Lage! Und in dieser Hinsicht kann diese Baracke punkten, schließlich befindet sie sich im Paradies auf Erden. Ein überraschend gutes SeyBrew unter Palmen nach einer schweißtreibenden Runde Golf ist nur schwer zu toppen. Höchstens wenn irgendwann im Laufe des Abends aus den Bieren Dark 'n' Stormys werden.

06: THE HILLS – Queenstown, Neuseeland
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THE HILLS

Queenstown, Neuseeland

Als Michael Hill, ein schwer erfolgreicher Juwelier und Golf-Impressario aus Neuseeland, sich mit The Hills den perfekten Golfspielplatz schuf, war klar, dass nur ein Clubhaus von "internationalem Rang" infrage kommen würde. Das war Hills Ansage an den Architekten Andrew Patterson, der sich jedoch nicht nur mit einem extrem anspruchsvollen Bauherrn, sondern mit der schier unglaublichen Umgebung des Südinsel Neuseelands auseinandersetzen musste. "Diese Naturkulisse ist eine Erfahrung, die demütig werden lässt. Man denkt sich: 'Wo kann ich anfangen?', denn es scheint, als wäre jeder Eingriff in diese Perfektion offensichtlich falsch." Seine Antwort war ein postmodernes Meisterwerk, dessen 200 Tonnen schweres begrüntes Betondach sich nahtlos in die Natur eingliedert und erlaubt, dass dieses Dach im Spiel ist.

05

AUGUSTA NATIONAL GOLF CLUB

Augusta, USA

Wahrscheinlich werden lediglich 0,001 Prozent von uns jemals das Glück haben, in diese Ikone von einem Clubhaus Einlass gewährt zu bekommen, trotzdem ist der Anblick dieses Plantagengebäudes von 1854 für jeden Golfer mit ausnahmslos positiven Assoziationen verbunden, schließlich markiert der Zeitpunkt, an dem es über die Flatscreens in unseren Wohnzimmern flimmert, den Startschuss zu einer neuen Golfsaison. Garantiert Eintritt erhalten die für das Turnier qualifizierten Amateure, die im Crow's Nest unter dem Dach des Clubhauses Quartier beziehen. Eine Etage tiefer in der Bibliothek direkt neben dem Champion's Locker Room steht heute noch der Schreibtisch von Dwight D. Eisenhower, der während seiner Zeit als Präsident hier nur unwesentlich weniger Zeit verbrachte als im Weißen Haus.

04: KING KAMEHAMEHA GOLF CLUB – Hawaii, USA
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KING KAMEHAMEHA GOLF CLUB

Hawaii, USA

Bei einem Road Trip quer durch Maui kann "Star Wars"-Fans der Atem stocken, wenn sie den King Kamehameha Golf Club passieren, denn was dort oben auf dem Berg thront, erinnert verdächtig an die Heimatfarm von Luke Skywalker auf Tatooine. Doch hier hat sich kein schwerreicher "Star Wars"-Fan ein Denkmal geschaffen, sondern noch reichere japanische Geschäftsleute ein von Frank Lloyd Wright entworfenes Refugium. Ursprünglich entwarf Amerikas berühmtester Architekt dieses Gebäude 1957 für Marilyn Monroe und Arthur Miller. Doch Wright starb 1959, zwei Jahre später ging auch die Ehe der Stars in die Brüche und die Pläne verschwanden im Archiv. 1988 wurden sie dann von einer japanischen Investorengruppe erworben und als passend für ein Golfplatzprojekt auf Hawaii angesehen. "Geld spielt keine Rolle!", war die Ansage an die Baufirma und wenig später stand das 27 Millionen teure Clubhaus auf der Insel.

03: STOKE PARK – Stoke Poges, England
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STOKE PARK

Stoke Poges, England

Das pompöse Clubhaus von Stoke Park ist nicht nur eine Sehenswürdigkeit für jene, die während eines Anflugs auf London Heathrow einen Fensterplatz reserviert haben, sondern es hat sich längst einen Platz in der Filmgeschichte gesichert. Hierher entschwand Renée Zellweger zusammen mit Hugh Grant in "Bridget Jones's Diary" 2001 zu einem Sexwochenende, das in einem Wasserhindernis des 27-Loch-Golfplatzes sein Ende fand. 2008 schlug Guy Ritchie mit "Rock n Rolla" auf den Tennisplätzen und dem 21. Grün der Anlage härtere Töne an, weltberühmt wurde Stoke Park allerdings dank zweier Besuche von 007. Für "Tomorrow Never Dies" wurde 1997 im Ballsaal von Stoke Park das Set von James Bonds Hotelzimmer in Hamburg aufgebaut, bereits 1964 lieferten sich Bond und Goldfinger an gleicher Stelle allerdings das wohl berühmteste Golf-Match der Filmgeschichte.

02

MEDINAH COUNTRY CLUB

Chicago, USA

Am Vorabend des Ryder Cup 2012 schwelgte Golfjournalistenlegende Dan Jenkins in Erinnerungen: "Das ist mein fünftes Mal in Medinah nach zwei US Open und zwei PGA Championships und das Clubhaus sieht immer noch aus wie das ,Babylon Marriott'" - und traf den Nagel damit auf den Kopf. Es dürfte schwierig sein, irgendwo auf dem Planeten ein imposanteres Clubhaus zu finden als den 9.755 Quadratmeter großen Palast, den Richard G. Schmid 1926 unweit der Innenstadt von Chicago errichtete. Eine 18 Meter hohe Kuppel mit opulenten Deckenverzierungen im byzantinischen Stil erinnert an eine Moschee, was daran liegt, dass der Club 1924 vom Shriners-Orden, einer Freimaurerloge mit Faible für orientalische Symbolik, gegründet wurde. Mehr als 70 Jahre verabschiedete deshalb ein Schild mit der Aufschrift "Im Namen Allahs: Fahre vorsichtig" die Mitglieder am Ausgang, an dem sich niemand störte. Bis zum 11. September 2001, nach dem es nur wenige Tage dauerte, bis das Schild verschwunden war.

01: ROYAL AND ANCIENT GOLF CLUB – St. Andrews, Schottland
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ROYAL AND ANCIENT GOLF CLUB

St. Andrews, Schottland

Über den Platz an der Sonne in diesem Ranking kann es keine zwei Meinungen geben, schließlich ist eine Pilgerfahrt nach St. Andrews für Golfer in etwa so bedeutend wie der Vatikan für Katholiken oder Wembley für Fußballfans. Von diesem 1854 erbauten Clubhaus aus wird nicht nur seit 1873 die Open Championship organisiert, sondern hier werden natürlich auch die Golfregeln für sämtliche Spieler der Erde (mit Ausnahme der USA und Mexiko) zu Papier gebracht. Leider ist der Zugang zu diesem Schrein des Golfsports lediglich den 2.400 über die gesamte Welt verstreuten R&AMitgliedern und deren Gästen vorbehalten, ebenso wie die Sitzbänke hinter dem ersten Abschlag des Old Course. Die Aufschrift in goldenen Lettern ist unmissverständlich: "Members only". Seit 2014 zählen nach langen und kontroversen Debatten auch Frauen zu diesem exklusiven Grüppchen, ein eigener Umkleideraum für Ladies konnte im historischen Gemäuer jedoch noch nicht eingerichtet werden. Dieser befindet sich im gut 100 Meter entfernten Forgan House. Princess Anne, Laura Davies und Annika Sörenstam - die einzigen öffentlich bekannten weiblichen Mitglieder des R&A - werden es verschmerzen können.



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