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Top Ten

Tragende Rolle: Die größten Caddies

04.09.2017 | Von Rüdiger Meyer

Sie tragen die Taschen, kennen jeden Winkel des Platzes auswendig und sind zur Stelle, wenn ihr Boss Gefahr läuft, die Nerven zu verlieren. Das sind unsere Top Ten der größten Caddies aller Zeiten.

10

Bagger Vance

"Sieht aus wie 180 Yards, oder?", fragt Rannulph Junuh (Matt Damon) während seines Matches mit Bobby Jones und Walter Hagen seinen Caddie. "Nein, es sind 181. Spiel den Ball ein wenig vom hinteren Fuß", antwortet Bagger Vance (Will Smith) - und prompt gelingt Junuh an Loch 7 ein Hole-in-one. Keine Frage, der mysteriöse Fremde, der sich mitten in der Nacht als Caddie angeboten hat, schwätzt und philosophiert viel zu viel. Aber vom Golfspiel versteht er etwas. Und nicht nur das: Neben der Position des Caddies ist Bagger Vance auch noch Schwungdoktor, Mentaltrainer und Life-Coach in einer Person. Also irgendwie ein Mix aus Steve Williams, Oliver Heuler, Bob Rotella, Detlef D! Soost und Peter Zwegat. Aus dem Blickwinkel betrachtet, waren die 5 Dollar Bezahlung, auf die sich Vance und Junuh zu Beginn ihrer Liaison verständigen, ein echtes Schnäppchen.

09: Esel –
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Esel

Phil Mickelson auf einem Fahrrad, Tiger Woods beim Schwertkampf, Dustin Johnson und Henrik Stenson in Lederhosen... Peinliche Publicity-Fotos gehören für Profigolfer dazu, wenn sie dank dicker Antrittsgelder Publicity für internationale Turniere machen dürfen. Eines der ersten musste Ernie Els über sich ergehen lassen. Bei der Johnnie Walker Championship 1994 im jamaikanischen Tryall Golf Club bekam Els einen Esel als Caddie zur Seite gestellt. Das Lasttier bekam das Bag auf den Rücken geschnallt und trottete Els hinterher, während der mit sechs Schlägen Vorsprung vor Nick Faldo gewann. Was ein für alle Mal beweisen sollte, dass Dave Musgrove recht hatte, als er sagte, ein Caddie habe nur drei Aufgaben: "Show up, keep up and shut up."

08: Oddjob –
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Mike Cowan

Mit welchem Caddie gewann Tiger Woods das Masters 1997? Mit dieser Frage kann man Golf-Experten von Schein-Experten trennen. Denn bei Woods' erstem Major war Mike "Fluff" Cowan am Bag. Der Mann mit dem prägnanten weißen Schnauzbart trug von 1996 bis 1999 Woods Tasche - gerüchteweise wurde Cowan gefeuert, weil er zu prominent geworden war und in einem Interview seinen Verdienst verriet (1.000 Dollar pro Woche und bis zu zehn Prozent des Preisgelds). Seither ist "Fluff", der seinen Spitznamen der Ähnlichkeit zu Ex-Golfer Steve "Fluff" Melnyk verdankt, zum ständigen Begleiter von Jim Furyk geworden. Das Duo gewann zusammen die US Open 2003 und 13 weitere PGA-Tour-Events.

07: Oddjob –
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Oddjob

Wenn dein Boss ein dicker Betrüger mit hässlicher blonder Frisur ist, hast du es als Caddie nicht leicht. Das weiß nicht nur Daniel Scavino, der Social Media Director von Donald Trump. Auch Oddjob kann davon ein Lied singen. Die rechte Hand von Goldfinger sollte sicherstellen, dass sein Boss um jeden Preis das Match gegen James Bond gewinnt. Als das Match mit All Square auf die 17 geht, schlägt die Stunde des stummen Koreaners. Weil sein Meister einen Ball im Rough zu verlieren droht, lässt er eine Ersatzkugel aus einem Loch in der Hosentasche fallen. Und als 007 doch gewinnt, zeigt Oddjob ihm die Konsequenzen, indem er erst mit seinem Hut eine Statue enthauptet und dann einen Golfball mit der bloßen Hand zerquetscht. Nimm das, Raimund Harmstorf!

06: Carl Jackson –
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Carl Jackson

Carl Jackson verdankt seine Prominenz einer Regel des Augusta National Golf Club, nach der bis 1983 alle Masters-Teilnehmer einen Caddie des Clubs beschäftigen mussten. 1961 hatte Jackson mit gerade mal 14 Jahren seinen ersten Einsatz für Billy Burke, weil Jacksons Mutter nicht länger die Schuluniform bezahlen konnte. Also wechselte er in die weiße Uniform von Augusta National. Die meiste Zeit des Jahres trug er die Tasche für reiche Mitglieder. Für eine Woche im April durfte er dann in den Dienst von Spielern wie Bruce Devlin oder Gary Player treten. 1976 fand Jackson schließlich das Yin zu seinem Yang: Ben Crenshaw. Zweimal gewannen sie gemeinsam das Masters und bis zu Crenshaws Masters-Abschied im Jahr 2015 blieb Jackson an seiner Tasche. Dann nahm auch Carl den Hut - nach 54 Masters-Teilnahmen als Caddie. Ein Rekord für die Ewigkeit.

05

Fanny Sunesson

"This is a man's world" sang James Brown einst. Und der Caddie-Beruf ist Teil dieser Welt: Sieht man mal von Profis wie Steve Stricker oder Patrick Reed ab, die ihre Frau an die Tasche lassen, kann man weibliche Caddies auf den Männertouren an einer Hand abzählen. Die berühmteste von ihnen ist zweifelsohne Fanny Sunesson. Die Schwedin begann ihre Karriere an der Seite von Ryder-Cup-Spieler Howard Clark, bevor Nick Faldo sie seinem Landsmann abwarb. Von 1990 bis 1999 gewannen sie zusammen 13 Turniere, darunter vier Majors. Anschließend schleppte sie kurz für Sergio García und Fred Funk, bevor sich Landsmann Henrik Stenson ihre Dienste für fünf Jahre sicherte. Mittlerweile arbeitet Sunesson als Mental-Coach, unter anderem beriet sie lange Zeit Martin Kaymer.

04

Eddie Lowery

Der Sieg von Francis Ouimet bei den US Open 1913, Vorlage für den Disney-Film "Das größte Spiel seines Lebens" mit Shia La Beouf, war einer der bemerkenswertesten Triumphe im Golfsport. Nicht nur weil Ouimet die Crème de la Crème besiegte, zweitjüngster US-Open-Gewinner aller Zeiten und erster Amateur-Sieger war, sondern auch weil ein kleiner Junge seine Tasche trug: Eddie Lowery. Der Zehnjährige steuerte Ouimet im Country Club von Brookline, Massachusetts, zum Play-off-Sieg über Harry Vardon und Ted Ray und mit diesem Erfolg sorgte das Duo für einen Golfsport-Boom in den USA. Die Fotos der beiden sind unvergessen und Ouimet signierte eines für Lowery mit den Worten "Das ist der kleine Junge, der die US Open gewonnen hat."

03: Waylon Smithers –
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Waylon Smithers

Es ist keine Übertreibung zu behaupten, dass Mr. Smithers seinem Boss C. Montgomery Burns gegenüber mindestens so loyal ist wie Ned Flanders dem Heiland persönlich. Als persönlicher Lakai und Mädchen für alles seines Brötchengebers muss Smithers selbstverständlich auch ran, wann immer Mr. Burns Lust verspürt, im exklusiven Springfield Country Club eine Runde Golf zu spielen. Und Smithers macht seinen Job als Caddie so gut, dass, egal wohin Burns seinen Abschlag auch hookt oder slicet, der Ball doch immer wie durch Geisterhand auf dem Grün landet. Als Homer ihn in flagranti beim Betrügen mit einem Dutzend von Burns' Bällen erwischt, stammelt Smithers zwar etwas von "Reptilieneiern", die Beweislage ist jedoch erdrückend. "Betrügen? Für mich?", amüsiert sich Burns. "Smithers, ist doch völlig unnötig. Ich bin schließlich einer der besten Golfer der Welt. Seit Sie mein Caddie sind, habe ich noch nie daneben... oh!"

02: Jim Mackay –
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Jim Mackay

Katy Perry und Orlando Bloom, Ben Stiller und Christine Taylor, Olivia Munn und Aaron Rodgers... 2017 war reich an Promi-Trennungen. Doch keine schockierte so wie die von Phil Mickelson und Jim Mackay. 25 Jahre lang galten Phil und "Bones" als das Traumpaar des Golfsports. Seit Mickelson 1992 ins Profilager wechselte, hatte er niemals einen anderen Caddie - eine Seltenheit im Golfsport. Die langen, faszinierenden Gespräche des Duos während der Schlagvorbereitungen gehörten zu den Highlights der PGA-Tour-Übertragungen, besonders wenn Mackay eines seiner Vetos einsetzte. Jedes Jahr durfte Mackay seinem Boss bei einem Schlag widersprechen und der musste den Einwand hinnehmen. Allerdings dehnte Mickelson diesen Freibrief gerne mal. Als Mackay bei der Open Championship sein Veto einlegte, behauptete Mickelson, es sei nur in den USA gültig.

01: Steve Williams –
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Steve Williams

Es wird behauptet, dass ein Herrchen seinem Hund immer ähnlicher wird. Steve Williams legt nahe, dass es dieses Phänomen auch zwischen Profigolfern und ihren Caddies gibt. Denn der Neuseeländer ist ähnlich exzentrisch wie seine Ex-Arbeitgeber Greg Norman und Tiger Woods. Zu Woods' besten Zeiten war Williams dank seiner Gewinnbeteiligung der reichste Sportler seines Landes und setzte sich in seiner Freizeit gerne in Rennautos. Auch verbal gibt Williams Gas. 2008 sagte er über Phil Mickelson: "Ich hasse diesen Arsch." Und nachdem Woods ihn gefeuert hatte, nutzte Williams einen Sieg seines neuen Chefs Adam Scott für ein eigenes Statement: "Ich habe jetzt 145 Siege und das hier ist der tollste meiner Karriere." Mit seiner Rechtfertigung kurz darauf machte er es noch schlimmer: "Ich wollte es diesem schwarzen Arschloch hinten reinschieben." Am Ende musste ausgerechnet Woods ihn vom Vorwurf des Rassismus reinwaschen. Erfolgreich? Und wie! Sympathisch? Nope!



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