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Top Ten

Die kontroversesten Golfclubs

13.04.2017 | Von Rüdiger Meyer, Fotos: Getty Images

Prostituierte, Investmentbetrüger und bloß keine weiblichen Mitglieder: Wer möchte in einem der zehn kontroversesten Golfclubs denn bitte Mitglied werden? Außer Silvio Berlusconi vielleicht...

10: Running Horse Golf Club – Fresno, Kalifornien
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Running Horse Golf Club

Fresno, Kalifornien

Ein Jack-Nicklaus-Platz mit umliegenden Häusern und Aussichten auf ein Profiturnier: Das Paket, mit dem Scott Webb und Tom O'Meara 2004 im kalifornischen Fresno um Investoren warben, klang vielversprechend. Nicklaus stellte eine starke Präsentation zusammen und die PGA Tour versprach öffentlich, die mit 4,5 Millionen Dollar dotierte Running Horse Classic abzuhalten. Allerdings gab es einen Haken: Das Land, auf dem der Platz gebaut werden sollte, gehörte ihnen noch nicht vollständig. Lediglich zwei der 18 Löcher wurden gebaut. Die insgesamt 50 Investoren, denen das Duo rosige Versprechen gemacht hatte, wurden um 16 Millionen Dollar geprellt. Da Webb im September 2008 in einem Motel verstarb, konnte ihm nicht mehr der Prozess gemacht werden. O'Meara hingegen wurde im August 2010 angeklagt und zwei Jahre später zu 78 Monaten Gefängnis verurteilt. Irgendwann tauchte übrigens ein gewisser Donald Trump in Fresno auf und wollte die Konkursmasse kaufen. Doch selbst er nahm Reißaus.

09: Oakland Hills Country Club – Bloomfield Hills, Michigan
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Oakland Hills Country Club

Bloomfield Hills, Michigan

Dass viele amerikanische Golfclubs früher sexistisch und rassistisch waren, dürfte mittlerweile allgemein bekannt sein. Doch wenn man US-Golfclubs eines nicht vorwerfen kann, dann, dass sie einseitig diskriminiert hätten. Denn viele Clubs folgten der (zumeist ungeschriebenen) Regel, dass man auch keine Juden in die Reihe der Mitglieder aufnehmen sollte. Der wohl prominenteste war Oakland Hills. Dem Austragungsort von neun Majors und des Ryder Cup 2004 hängen noch heute seine antisemitischen Tendenzen nach. Der Country Club in Michigan hat zwar längst seine Ressentiments gegen Afroamerikaner und Juden aufgegeben, allerdings hielten sich jahrelang noch Gerüchte, jüdische Bewerber würden auf eine Warteliste gesetzt, die scheinbar nicht enden wollte.

08: Shoal Creek Country Club – Birmingham, Alabama
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Buckingham Golf Club

Buckingham, Vereinigtes Königreich

Golf gilt als Gentleman-Sport. Doch manchmal kann es auch zu einem echten Zickenkrieg führen wie im englischen Buckingham Golf Club. Im vergangenen Jahr musste die Polizei einen bitterbösen Streit schlichten. Im Mittelpunkt: die Freundin von Padraig Harringtons Bruder Columb. Kaye Mater sah sich von einer Gruppe weiblicher Mitglieder gemobbt, die behaupteten, sie würde ein zu hohes Handicap spielen. Doch dabei beließen es ihre Rivalinnen nicht. Sie beschimpften sie auf einem Schmierzettel als "Schlampe" und legten ihr in einem handschriftlichen Brief nahe, doch den Club zu wechseln. Als sie sich weigerte, wurde ein Fenster ihres Hauses mit einem Golfschläger eingeschlagen. Kaye Mater erstattete Anzeige und die Polizei sprach gegen zwei Damen eine Warnung aus. Mittlerweile hat sich Ms. Mater allerdings einen neuen Club gesucht.

07: Shoal Creek Country Club – Birmingham, Alabama
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Shoal Creek Country Club

Birmingham, Alabama

Ihr könnt uns vielleicht ein Turnier wegnehmen. Aber wir lassen uns nicht das Recht auf Bigotterie nehmen!" Das war die Einstellung von Shoal Creek, als die PGA of America sie 1990 vor die Wahl stellte, Afroamerikaner in ihre Reihen aufzunehmen oder die PGA Championship abzugeben. "Das hier ist unser Heim und wir entscheiden, wen wir nehmen", gab sich Clubgründer Hall Thompson kämpferisch und fügte undiplomatisch hinzu: "Wir diskriminieren niemanden außer die Schwarzen." Die PGA stahl sich mit einem krummen Deal aus der Sache. Der Schwarze Louis J. Willie wurde zum Ehrenmitglied erklärt mit der Option, später ein vollwertiges Mitglied zu werden. Eine Revolution löste dies nicht aus - zu Spitzenzeiten hatte Shoal Creek lediglich fünf Afroamerikaner im Club -, doch die Aufnahmeregeln sind mittlerweile völlig offen. Schließlich wollte man wieder eine große Meisterschaft an Land ziehen, was 2011 zumindest mit einem Senioren-Major gelang, der Regions Tradition.

06: Raglan Golf Course – Raglan, Neuseeland
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Raglan Golf Course

Raglan, Neuseeland

In vielen Länder hat man sich beim Umgang mit den Ureinwohnern nicht gerade mit Ruhm bekleckert: die USA, Australien, die meisten südamerikanischen Länder. Doch in den seltensten Fällen haben sich dabei Golfer von ihrer schlechten Seite gezeigt. Anders in Neuseeland. Bereits im Ersten Weltkrieg enteignete die Regierung die Maori in Raglan, um dort einen Luftwaffenstützpunkt zu errichten. Natürlich gab man das Land nie mehr an die Maori zurück. Stattdessen verkaufte man es 1967 an den Raglan Golf Course. Als eine Erweiterung des Platzes Grabstätten zerstören sollte, begannen die Maori angeführt von Eva Rickard einen wütenden Protest. Die immer wieder von Polizeigewalt unterbundenen Protestmärsche wurden landesweit im Fernsehen übertragen und führten dazu, dass der Premierminister Rickard das Land zum Kauf anbot. Die weigerte sich und 1983 gab die Regierung das Land schließlich ohne jegliche Einschränkungen wieder an die Maori zurück.

05: Dunbar Resort – Deadwood, South Dakota
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Dunbar Resort

Deadwood, South Dakota

Der mit dem Golf tanzt. So könnte man die Eskapaden um das Dunbar Resort beschreiben. Kurz nach seinem Erfolg mit "Der mit dem Wolf tanzt" kaufte Kevin Costner ein riesiges Grundstück in Deadwood, South Dakota, um darauf ein 100 Millionen Dollar teures Resort mit Kasino, Eisenbahn, Amphitheater, Lodge und einem Golfplatz zu errichten. Die ursprünglich für 1997 geplante Eröffnung verschob sich wieder und wieder. Sehr zum Ärger von Künstlerin Peggy Detmers. Sie hatte im Auftrag von Costner neun Jahre lang an gigantischen Bronzestatuen gearbeitet, die die Bisonjagd porträtieren und zur Zierde des Resorts werden sollte. Stattdessen stellte Costner sie im Tatanka-Besucherzentrum aus, um einer Vertragsstrafe zu entgehen. Letztes Jahr verkaufte Costner das Land an die Rakota-Gruppe, die nun hier tatsächlich ein Resort errichten will - allerdings ohne Golfplatz.

04: Kilmore Golf Club – Kilmore, Australien
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Kilmore Golf Club

Kilmore, Australien

Manchmal ist der Name eines Golfclubs Programm. Wie beim australischen Kilmore Golf Club. Der Golfclub im Bundesstaat Victoria zog in diesem Frühjahr den Zorn von Tierschützern auf sich, als bekannt wurde, dass man einen Antrag gestellt hatte, mehr Corellas zu töten. Weil die Kakadu-Spezies sichtbare Schäden am Platz hinterließ, bekam der Club vom Department of Land, Water and Planning eine Genehmigung, 100 der weißen Corellas zu töten. Elisa Lehmann-Kay startete eine Internet-Petition, sammelte über 3.000 Unterschriften gegen die Tötung der Vögel und erzeugte damit genügend Aufmerksamkeit, um vom Club gehört zu werden. Im Februar gab der Kilmore Golf Club bekannt, zukünftig zum Killess Golf Club zu werden und auf die Tötung der Corellas zu verzichten.

03: Muirfield / Kasumigaseki Golf Club – Gullane, Schottland / Kawagoe, Japan
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Muirfield / Kasumigaseki Golf Club

Gullane, Schottland / Kawagoe, Japan

Beständiger Druck kann nicht nur Diamanten formen. Er kann auch ewig gestrige Männer zum Einknicken bringen. Sowohl die Honourable Company of Edinburgh Golfers von Muirfield als auch der Tokioter Kasumigaseki Golf Club gaben im März bekannt, ihre Widerstände gegen weibliche Mitglieder im Club aufzugeben. Während die Schotten sich mit ihrer (erst im zweiten Wahlgang getroffenen) Entscheidung das Recht zurückholten, in Zukunft wieder eine Open Championship austragen zu dürfen, muss Kasumigaseki nicht länger fürchten, dass ihnen das olympische Golfturnier 2020 entzogen wird. Ob auch wirklich schon Frauen Mitglieder sind, wenn die großen Turniere ihre Aufwartung machen, steht auf einem anderen Blatt.

02: Hidden Valley Golf Club / White Pines Golf Club – Norco, Kalifornien / Chicago, Illinois
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Hidden Valley Golf Club / White Pines Golf Club

Norco, Kalifornien / Chicago, Illinois

Spätestens seit Tiger Woods sollte der alte Spruch "Haben Sie noch Sex oder spielen Sie schon Golf?" ausgedient haben. Wer allerdings noch mehr Gegenargumente braucht, muss nur nach Chicago und Kalifornien schauen. 2002 führte die Polizei im Hidden Valley Golf Club in Norco eine Razzia durch, als bekannt wurde, dass während eines Sponsorenturniers nicht nur auf den Spielbahnen eingelocht wurde. Denn am Rande des Turniers hatten Prostituierte ihre Zelte aufgeschlagen. Sehr zum Ärger eines Mitglieds, das der "Los Angeles Times" sagte: "Wie soll ich meiner Frau in Zukunft erklären, dass ich in den Prostituierten-Club gehe?" Vor einem ähnlichen Problem stehen seit letztem Jahr auch die Spieler im öffentlichen White Pines Golf Club in Chicago. Denn hier fand der jährliche Betriebsausflug des Pink Monkey Strip Club statt - und die Damen traten natürlich in Arbeitskleidung an. Nach Protesten entsetzter Mütter versprach der Club, in Zukunft die pinkfarbene Äffchen auszusperren.

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Trump Intl. Golf Links

u.a. Aberdeen, Schottland

Da diese Liste mit Donald Trump begann, ist es nur konsequent, sie auch mit dem Donald zu beenden, schließlich gibt es nur wenige Plätze von Donald Trump, um die sich keine Kontroversen ranken. In Florida verdonnerte ihn ein Gericht zu Strafzahlungen an Mitglieder, die er aus dem Club gejagt hatte. In New York durften die Steuerzahler Wasser- und Abwasserkosten übernehmen. Aber kein anderer Trump Club sorgte für mehr Kontroversen als der Trump International Golf Links nahe Aberdeen. Erst erzürnte die Aufschüttung riesiger Dünen Umweltschützer. Dann versuchte Trump, den Farmer Michael Forbes wegzuekeln, weil dieser sich weigerte, Land zu verkaufen. Anschließend trat Trump im schottischen Parlament auf, um den Bau von Windfarmen in Sichtweite des Clubs zu verhindern. Und schließlich schuf er bisher nur einen Bruchteil der versprochenen 6.000 Jobs.

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