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Top Ten

Hollywood-Reif

30.05.2017 | Von Rüdiger Meyer

Golf ist weder Schwergewichtsboxen noch American Football - ab und zu braucht es jedoch richtig toughe Mädels und ganze Kerle, um den Sieg nach Hause zu bringen. Wir präsentieren: die zehn größten Heldentaten der Golfgeschichte.

10: Crocodile Dundee – Cody Gribble - Arnold Palmer Invitational 2017
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Crocodile Dundee

Cody Gribble - Arnold Palmer Invitational 2017

Mann oder Memme? In Bay Hill konnte der Fernsehzuschauer genau sehen, wer was ist. In der ersten Runde träumte Smylie Kaufman während eines Gangs am Wasser vor sich hin, als er plötzlich aus den Augenwinkeln einen Alligator sah und zu Scary Kaufman wurde. Er zuckte mit dem ganzen Körper zusammen, schrie seinen Caddie an und gemeinsam nahmen beide Reißaus, während sich das Reptil weiter sonnte. Ganz anders Cody Gribble. Der Texaner ging schnurstracks auf das Tier los und klapste ihm sanft gegen den Schwanz. Als er in der Runde darauf angesprochen wurde, meinte er trocken: "Wenn ihr glaubt, das sei verrückt gewesen, solltet ihr mal mit meinem Vater sprechen."

09: Into the wild – Bernhard Langer - Benson & Hedges Open 1981
09

Into the wild

Bernhard Langer - Benson & Hedges Open 1981

Dass Bäume echte Hindernisse sein können, lernte Bernhard Langer 1981 auf die harte Tour. Im Fulford Golf Course blieb sein Schlag ins 17. Loch in der Krone einer Esche hängen. Langer entschied, seine beste Option sei es, in den Baum zu klettern und herauszuspielen. Gesagt, getan. Der Anhausener brachte den Ball von dort aufs Grün, ging lediglich mit einem Bogey vom Loch und wurde am Ende Zweiter hinter Tim Weiskopf. Noch heute erinnert eine Plakette an seine Aktion.

08

Road Trip

Alex Cejka - Zurich Classic 2008

Alex Cejka liebt Las Vegas. So sehr, dass er es nie abwarten kann, wieder nach Hause zu kommen. Als es bei der Zurich Classic so aussah, als würde er den Cut verpassen, flog Cejka heim. In Vegas angekommen erfuhr er, dass er doch noch im Turnier ist. Er buchte einen Flug nach Houston, setzte sich von dort sechs Stunden lang in einen Mietwagen nach New Orleans, lieh sich im Pro-Shop 13 Schläger, trat in Freizeitkleidung auf das erste Tee - und spielte mit einer 71 seine beste Runde des Turniers. Der Lohn: 11.656 Dollar Preisgeld.

07: Reine Nervensache – Dustin Johnson - US Open 2016
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Reine Nervensache

Dustin Johnson - US Open 2016

Dustin Johnson galt als das personifizierte Nervenbündel. Wieder und wieder stand er sich bei Major-Finalrunden selbst im Weg - aus Nervosität (eine 82 in der Finalrunde der US Open 2010), aus Unachtsamkeit (Drei-Putt bei der US Open 2015) oder einfach aus Dummheit (sein Strafschlag bei der PGA Championship 2010). Bei den US Open 2016 schien seine Reihe an Fehlschlägen ein weiteres tragisches Kapitel zu bekommen. Während der Schlussrunde teilte ihm ein Offizieller mit, Johnson habe sich einen Strafschlag zugezogen, weil sich sein Ball auf dem fünften Grün bewegt hatte. Jeder wusste, wie es weitergehen würde: Entnervt würde Johnson die Runde wegwerfen und für immer die große "Was wäre, wenn..?"-Geschichte bleiben. Doch es passierte nicht. D. J. ließ sich nicht beirren, siegte mit drei Schlägen Vorsprung und läuft seither zur Überform auf.

06

Das Leben ist schön

Patrick Cantlay 2017

Patrick Cantlay war Großes vorbestimmt. Als Erster der Amateur-Weltranglisten wurde dem Amerikaner eine große Karriere prophezeit. Doch nach nur wenigen Monaten geriet seine Profikarriere ins Schlingern. Während des Colonial 2012 hatte er auf der Driving Range das Gefühl, jemand habe ihm ein Messer in den Rücken gerammt: Mit erst 20 Jahren hatte er eine Stressfraktur in der Wirbelsäule. Im Januar 2016 kam der nächste Rückfall - und ein weiterer Schicksalsschlag: Cantlays Caddie und bester Freund Chris Roth wurde vor seinen Augen überfahren. 2017 versucht es Cantlay erneut. Ausgestattet mit einer Medical Exemption holte sich der 24-Jährige mit nur vier Starts seine Tourkarte zurück, wurde Zweiter bei der Valspar Championship und Dritter beim Heritage. Er hat keine Ahnung, wie lange sein Rücken den Sport noch mitmacht, aber es ist schon jetzt die Feelgood-Story des Jahres.

05: Killer Bees! – Pablo Larrazábal - Maybank Malaysia Open 2014
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Killer Bees!

Pablo Larrazábal - Maybank Malaysia Open 2014

Es war wie eine Szene aus einem "Winnie the Pooh"-Cartoon. Allerdings war der Spanier Pablo Larrazábal nicht auf der Jagd nach Honig, sondern lediglich auf der Suche nach einem Birdie, als er auf dem fünften Fairway plötzlich von einem Schwarm Hornissen attackiert wurde. Mit einem Handtuch versuchte er, die Biester zu verjagen, was sie natürlich noch aggressiver machte. Am Ende blieb Larrazábal nichts anderes übrig, als im angrenzenden See unterzutauchen, bis sich die Gefahr verzogen hatte. Pitschnass bis auf die Knochen und mehr als 20-mal gestochen kehrte er zu seinem Ball zurück, schlug den Ball fünf Meter an die Fahne und versenkte den Putt zum Birdie.

04: Vertigo – Jason Day - US Open 2015
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Vertigo

Jason Day - US Open 2015

Wie ein angeschlagener Boxer torkelte Jason Day am zweiten Tag der US Open in Chambers Bay über sein letztes Loch des Tages, bevor er direkt vor dem neunten Grün zu Boden ging. Nachdem er wieder auf den Beinen stand, ging er mit zittrigen Knien in den Grünbunker, spielte den Ball heraus und lochte mit zwei Putts zum Bogey ein. Niemand hätte nach diesen Bildern gedacht, dass der Australier am nächsten Tag noch einmal antreten würde. Doch Day stand am Abschlag, und obwohl er den ganzen Tag noch über Übelkeit klagte, spielte er mit einer 68 die zweitbeste Runde des Tages und stand vor dem Schlusstag als geteilter Führender auf dem Leaderboard. Zwar fiel er am Sonntag noch auf Platz neun zurück, doch seine Leistung am Samstag war überirdisch. Kurz darauf wurde die Ursache seines Schwindels gefunden: Eine Virusinfektion hatte sein Innenohr angegriffen.

03: Nicht ohne meine Mutter Melissa Reid – Prague Golf
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Nicht ohne meine Mutter Melissa Reid

Prague Golf

Der Tod eines Elternteils ist schwer zu verarbeiten, besonders in einer Sportart wie Golf, in der das seelische und emotionale Gleichgewicht eine so große Rolle spielt. Jeder hätte verstehen können, wenn Melissa Reid nach dem Unfalltod ihrer Mutter während der Ladies German Open in München in ein tiefes Loch gefallen wäre. Doch vier Wochen nach dem tragischen Unglück gewann die junge Engländerin das Prague Golf Masters. Es war ein Sieg zu Ehren ihrer Mutter Joy - und ein letztes Aufbäumen, bevor die psychologischen Folgen einsetzten. "Ich habe gegen vieles rebelliert", erinnerte sie sich drei Jahre später. "Aber ich bin ein Mensch und das war für mich der beste Weg, um damit umzugehen."

02: Stirb langsam – Ben Hogan - US Open 1950
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Stirb langsam

Ben Hogan - US Open 1950

Es war kein unmittelbares Comeback bei Ben Hogan, aber es war auch keine gewöhnliche Verletzung, die er überwinden musste. Am 02. Februar 1949 kam ihm in dichtem Nebel ein Greyhound-Bus auf seiner Spur entgegen. Nur weil er sich über seine auf dem Beifahrersitz sitzende Frau warf, wurde Hogan nicht vom Lenkrad erdrückt. Golfkollegen erfuhren bereits von Hogans Tod, doch das war voreilig. Hogan hatte ein gebrochenes Schlüsselbein, einen doppelten Beckenbruch und eine angebrochene Rippe. Doch am schlimmsten war eine Thrombose, die in seine Lunge wanderte. Die Karriere schien zu Ende, aber Hogan kämpfte. Und im Juni 1950, nur 16 Monate nach dem Unfall, der ihn beinahe getötet hätte, gewann er sensationell die US Open.

01: Terminator – Tiger Woods - US Open 2008
01

Terminator

Tiger Woods - US Open 2008

Dass es Tiger Woods' letzter Major-Sieg sein würde, ist uns erst in den letzten Jahren bewusst geworden. Dass es ein heroischer Akt ohnegleichen war, wurde schon wenige Tage später klar. Nur zwei Tage nachdem er Rocco Mediate im Play-off von Torrey Pines niedergerungen hatte, unterzog sich Woods einer Kreuzband-OP. Doch das war nur die halbe Wahrheit. Weil er nach einer Knieoperation im April zu früh mit dem Golfen begonnen hatte, hatte er sich zwei Stressfrakturen im linken Schienbein zugezogen. Die Ärzte rieten ihm von einem Start bei den US Open ab, doch Woods blieb stur. Nahezu ohne Training ging er in die erste Runde und eine 72 schien nichts Gutes für den weiteren Verlauf zu bedeuten. Erst auf den letzten sechs Löchern der dritten Runde legte Woods den Schalter um: Zwei Eagles und ein Chip-in-Birdie brachten ihm die geteilte Führung. Doch Rocco Mediate ließ sich nicht abschütteln und es brauchte ein Wunder-Birdie an der 18, um überhaupt ins Play-off zu kommen. Eigentlich waren vier Runden schon zu viel für Woods' Knie. Jetzt musste er noch ein fünftes Mal über Torrey Pines humpeln. Am 19. Loch gewann er schließlich, doch der Preis war hoch. Nicht wenige glauben, dass dies die Ursache für Woods' unendliche Verletzungsmisere ist.



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