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Top Ten

Magic Numbers

04.10.2016 | Von Rüdiger Meyer, Fotos: Getty Images / Tino Dertz

Zahlen sind das Einzige, was auf dem Golfplatz wirklich zählt, und jede Woche produziert eine Heerschar von Profigolfern Statistiken, Scores und Zahlenkolonnen, für deren Verarbeitung es Rechenzentren benötigt. Alle Jubeljahre gelingt es allerdings, eine Zahl für die Ewigkeit in Stein zu meisseln. Dies sind die zehn beeindruckendsten Zahlen des Golfsports.

10: Stan Utley – Air Canada Championship (2002)
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Stan Utley

Air Canada Championship (2002)

Stan Utleys Geschäft als Kurzspiel-Guru floriert: Aktuell hat er unter anderem Bill Haas, Kevin Streelman und Scott Piercy unter seinen Fittichen. Zu seinen ehemaligen Schülern zählen Henrik Stenson, Sergio García, Graeme McDowell oder Lee Westwood. Sie alle wurden von Utleys Eintrag in den Rekordlisten der PGA Tour angelockt: Bei der Air Canada Championship 2002 brauchte er auf den ersten neun Löchern der zweiten Runde lediglich sechs Putts. Er lochte gleich zweimal aus dem Bunker ein, puttete einmal aus dem Vorgrün direkt ins Loch und versenkte sechs weitere Putts aus einem Umkreis von zwei Metern. Doch das ist nur die halbe Wahrheit: Trotz dieses Rekords lag Utley nach neun Löchern lediglich eins unter Par und verpasste am Ende den Cut.

09

P. Porquier

French Open (1978)

Assistant Pro Philippe Porquier machte sich bei den French Open 1978 auf tragische Weise unsterblich. An der 13, einem Par 5, lag er nach zwei Schlägen 40 Meter vor dem Grün und liebäugelte mit einem Birdie. Aber statt ein Pitch an den Stock produzierte er ein Socket ins Aus. Es folgte ein weiteres Socket. Und noch eins. Zur Abwechslung streute der völlig geräderte Franzose einen getoppten Ball ein, bevor zwei weitere Sockets folgten. Erst als sein 18. Schlag an der Reihe war, hatte er die rettende Idee: Porquiers richtete sich nach links aus und socketierte den Ball aufs Grün. Zwei Putts später hatte er mit einer 20 den European-Tour-Highscore geknackt.

08: Rhein Gibson – River Oaks Golf Club (2012)
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Miguel Angel Jimenez

Karriere

Rory McIlroy hat errechnen lassen, dass er jedes Jahr 16.500 Bälle schlägt. Nur wenige davon jedoch auf dem Platz. Lediglich 400 Par 3 spielt der durchschnittliche Profi im Jahr unter Wettkampfbedingungen. Statistisch kann ein Pro somit alle sechs Jahre mit einem Hole-in-one rechnen. Miguel Ángel Jiménez hält nichts von Statistiken. In seinem dritten Jahr auf der European Tour versenkte der Spanier bei der Desert Classic 1990 zum ersten Mal seinen Abschlag im Loch. Sechs Wochen später schlug er bei den El Bosque Open zu. Wieder neun Wochen später war das nächste Ass fällig. Damit hatte "The Most Interesting Man in the World" eigentlich bis 2005 sein Hole-in-one-Pensum erfüllt - und tatsächlich gelang ihm bis 2008 nur ein weiteres. Aber seither ist Jiménez nicht zu stoppen: Bei der letztjährigen BMW PGA Championship gelang ihm sein zehntes Hole-in-one. Niemand auf der European Tour hat mehr.

07: Rhein Gibson – River Oaks Golf Club (2012)
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Rhein Gibson

River Oaks Golf Club (2012)

Mit einer 59er-Runde kann man heute niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlocken. Selbst der Reiz einer 58 hat sich etwas gelegt, seitdem in diesem Jahr mit Stephan Jäger und Jim Furyk gleich zwei Spieler diese Marke geknackt haben. Nein, die zu bietende Duftmarke hat 2012 Rhein Gibson gespielt. Der Australier, der in diesem Jahr seine PGA-Tour-Karte verlor, steht seit 2012 im Guinnessbuch der Rekorde. Am 12. Mai 2012 blieb er im River Oaks Golf Club sage und schreibe 16 unter Par und konnte auf seiner 55er-Scorekarte zwölf Birdies, zwei Eagles und vier Pars notieren. Wie gut die Runde war? In einem Better-Ball-Match gegen seine beiden Spielpartner Ryan Munson und Eric Fox hätte er an diesem Tag 7 & 6 gewonnen.

06

John Barnum

Cajun Classic Open (1962)

John O. Barnum ist die große Hoffnung für alle, die mit 30 Jahren noch nicht ihre Unschuld verloren haben. Nein, wir wissen nicht, wann der Amerikaner zum ersten Mal Sex hatte, aber kein anderer Golfer musste so lange warten, um auf der PGA Tour zum Schuss zu kommen. Am 11. November 1962 war es endlich so weit. Im Alter von 51 Jahren, 1 Monat und 5 Tagen konnte Barnum beim Cajun Classic Open Invitational zum ersten Mal einen Siegerscheck in Empfang nehmen - und das mit Stil. Mit sechs Schlägen Vorsprung deklassierte der Senior die Konkurrenz um den späteren Masters-Sieger Gay Brewer. Doch es war nicht nur ein persönlicher Triumph für Barnum. Auch Karsten Solheim freute sich, war es doch das erste Turnier, das mit einem Ping-Putter gewonnen wurde.

05: Walter Morgan – Altersweisheit
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Walter Morgan

Altersweisheit

Was ist eindrucksvoller: das eigene Alter oder besser als Score auf einer 18-Loch-Runde zu notieren, wenn man besonders jung ist, oder es zu schaffen, wenn man möglichst alt ist? Für beide Seiten gibt es durchaus Argumente. Der älteste Golfer, dem dies gelang, soll der Australier Arthur Thompson sein, der 1972 im Alter von sage und schreibe 103 Jahren exakt eine 103 in seinem Heimatclub spielte. Als jüngster Altersschütze gilt allgemein Bob Hamilton, der mit 59 Jahren im nach ihm benannten Hamilton Golf Club eine 59 spielte. Komplett verbürgt ist so ein Rekord aber nur, wenn er unter Tourbedingungen aufgestellt wird. Und hier erzielte Walter Morgan auf der Champions Tour mit 61 Jahren eine beeindruckende 60, während Harold McSpaden 1994 eine 81 spielte - mit 85 Jahren.

04

Tiger Woods

Geschaffte Cuts in Serie 1998-2005

14 Major-Siege, 79 PGA-Tour-Siege, Karriereeinnahmen von 110 Millionen Dollar: Mit den Erfolgslisten von Tiger Woods könnte man ganze Bücher füllen. Aber nur eine Zahl wird wohl für alle Ewigkeit Bestand haben so wie die Hit-Serie von Joe DiMaggio im Baseball oder die Scorer-Punkte von Wayne Gretzky im Eishockey: seine in Folge geschafften Cuts. Zwischen dem 06. Februar 1998 und dem 08. Mai 2005 verpasste Woods nicht ein einziges Mal das Wochenende. Bei 142 Turnieren in Folge ging er mit einem Preisgeld nach Hause, bis er 2005 bei der Byron Nelson Championship seinen Par-Putt an der 18 um fünf Zentimeter verfehlte. Wie eindrucksvoll diese Serie ist? Woods verbesserte den alten Rekord von Byron Nelson um 29 geschaffte Cuts. Die aktuell längste Serie auf der PGA Tour hält Adam Scott mit gerade einmal 20 überstandenen Cuts in Folge.

03

Billy Casper Jr.

Masters (2006)

Schaut man in den offiziellen Rekordlisten des Masters nach der schlechtesten je gespielten Runde in Augusta National, so findet man dort Charles Kunkle. Im Jahr 1956 spielte der Amateur bei stürmischen Bedingungen eine 95. Doch es gibt eine Runde, die noch schlechter war. Vier Jahre nachdem Augusta-National-Boss "Hootie" Johnson ihn gebeten hatte, auf sein lebenslanges Spielrecht zu verzichten, trat Billy Casper noch einmal an. Das Desaster begann auf der 16, Caspers siebtem Loch. Einen Ball nach dem anderen versenkte der Masters-Sieger von 1970 im Teich und ging mit einer 14 vom Loch. Lediglich drei Löcher absolvierte Casper in Par. Am Ende hatte er sich eine 106 erspielt. Doch statt seine Scorekarte abzugeben, rahmte er sie zu Hause ein und wurde disqualifiziert.

02: Sam Snead – Karriere
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Sam Snead

Karriere

So bewundernswert die langlebige Karriere von Bernhard Langer auch sein mag, gegen Sam Snead war es doch nur ein flüchtiger Augenblick. Mit 82 PGA-Tour-Siegen hält "Slammin' Sammy" den ewigen Rekord. Selbst mit 67 Jahren schaffte er noch den Cut bei einem Major. Bis heute ist er mit 52 Jahren der älteste PGA-Tour-Sieger aller Zeiten. Und in fünf verschiedenen Jahrzehnten gelang es ihm, bei einem Major ein Top-Ten-Resultat einzufahren. Doch die magischste Zahl ist die gesamte Anzahl seiner Top-Ten-Finishes auf der PGA Tour: Zwischen 1935 und 1975 gelang ihm dieses Kunststück insgesamt 358-mal. Um diesen einsamen Rekord einmal in Perspektive zu bringen: Tiger Woods und Phil Mickelson kommen zusammen auf 368 Top Tens - nur zehn mehr als Snead.

01

Carl Cooper

Texas Open (1992)

Erinnert ihr euch noch an "Tin Cup"? In einer Szene posaunt Roy McAvoy heraus, dass er seinen Erzrivalen David Simms in jeder Golf-Disziplin schlagen würde. Der schmierige Champion kontert, indem er "Tin Cup" zum Longest Drive mit einem Eisen 7 herausfordert. Nachdem McAvoy den Ball 227 Yards die Driving Range runtergepfeffert hat, dreht sich Simms 90 Grad nach links und lässt den Ball die Straße runterhüpfen. Eine Idee, die von Carl Cooper inspiriert sein könnte. Bei den Texas Open 1992 wollte der 31-jährige Amerikaner auf dem dritten Loch eigentlich nur seinen Drive ins Spiel bringen. Schließlich war ein Par 4 von 456 Yards Länge zur damaligen Zeit selbst für Power-Hitter wie John Daly unerreichbar. Doch Coopers Ball verfehlte meilenweit das Fairway, landete auf einem Cartweg und ging auf eine lange Reise. Er hoppelte am fünften Grün vorbei, passierte einige verblüffte Zuschauer am sechsten Abschlag, nahm eine Abzweigung auf eine Zufahrtstraße und kam am 12. Grün zum Halten, wo ihn ein Marshall fand. Niemand weiß, wie weit der Ball wirklich gerollt ist. Coopers Caddie errechnete 787 Yards, aber es könnten auch mehr gewesen sein. Leider war Cooper nicht bei der World Long Drive Championship und konnte sich über seinen Rekordschlag nicht freuen. Denn er war immer noch 300 Yards vom korrekten Grün entfernt, ging mit einem Doppel-Bogey vom Loch und verpasste um genau diese zwei Schläge den Cut.

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