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Top Ten

Senkrecht-Starter

04.07.2017 | Von Rüdiger Meyer

Lehrjahre sind keine Herrenjahre? Nicht für diese zehn Herrschaften! Niemand in der Geschichte des Golfsports hatte einen besseren Start in die Welt der Profigolfer als unsere Top Ten der größten Golf-Senkrechtstarter.

10: Ben Kohles –
10

Ben Kohles

Wechsel ins Profilager: Juli 2012
gewann erst zwei Turniere als Profi
Turniersiege in ersten drei Jahren: 2


Bei seinem ersten Start als Profi wurde Tiger Woods 60., Rory McIlroy schaffte es auf Platz 45. Ben Kohles beendete seinen ersten Profi start mit einem Sieg. Und seinen zweiten gleich hinterher. Zugegeben, es war "nur" auf der Web.com Tour, aber in der Geschichte des Golfsports hat es nichts Vergleichbares gegeben. Als ein College All-American erhielt Kohles 2012 eine Einladung zum Nationwide Children's Hospital Invitational und besiegte Luke Guthrie im Play-off. Mit der dadurch erworbenen Tourkarte trat Kohles eine Woche später bei der Cox Classic an - und holte sich mit einer 62 in der Schlussrunde gleich den nächsten Sieg und die Spielberechtigung für die PGA Tour. Es schien, als sollten die Amerikaner ein neues Wunderkind am Start haben. Doch nach dem vielversprechenden Auftakt kam nicht mehr viel. Ein Jahr später verlor Kohles die PGA-Tour-Karte wieder und tingelt mittlerweile auf kleineren Touren herum. Sein größter Erfolg seither war die Qualifikation für die diesjährige US Open.

09: Rory McIlroy –
09

Rory McIlroy

Wechsel ins Profilager: 18.09.2007
Top 100: 19.10.2008
Top 10: 22.11.2009
Turniersiege in ersten drei Jahren: 2


Bei seinem Profistart begleitete Rory McIlroy ein Hype, wie ihn zuvor wahrscheinlich nur Tiger Woods erlebt hatte. McIlroy zahlte die Erwartung zwar nicht gleich mit Siegen zurück - bis zu seinem ersten Triumph bei der Dubai Desert Classic dauerte es 17 Monate -, doch mit nur drei Starts sicherte sich der Teenager aus Hollywood seine European-Tour-Karte, allen voran durch einen dritten Platz bei der Dunhill Links Championship. Ein Jahr später spielte sich McIlroy mit sechs Top-Ten-Platzierungen in die Top 100 der Weltrangliste. Als der Nordire im November 2009 sogar die Top Ten knackte, hatte er immer noch nur einen Karriere-Sieg vorzuweisen. Doch die konstant guten Resultate, darunter ein dritter Platz bei der PGA Championship, hatten ihn als kommende Kraft etabliert. Und als McIlroy auch noch das Siegen lernte, war er nicht mehr aufzuhalten.

08

Hideki Matsuyama

Wechsel ins Profilager: 18.04.2013
Top 100: 05.05.2013
Top Ten: 23.10.2016
Turniersiege in ersten drei Jahren: 8


Als die Veranstalter des Masters bekannt gaben, den Gewinner der Asia-Pacific Amateur Championship zum ersten Major des Jahres einzuladen war, wurden sie müde dafür belächelt. Der Erste, der davon profitierte, war Hideki Matsuyama. Der 19-Jährige überraschte nicht nur als bester Amateur. Mit Platz 27 ließ er große Teile der Weltelite hinter sich. Fast exakt zwei Jahre später wechselte Matsuyama ins Profilager, führte gleich in seinem ersten Jahr die Money List der Japan Golf Tour an und beendete 2013 auf Rang 23 der Weltrangliste. Nicht zuletzt, weil Matsuyama das gängige Klischee über japanische Golfer - zu Hause hui, im Ausland pfui - widerlegte. Bei drei Major-Starts 2013 wurde Matsuyama Sechster, Zehnter und 19. und im Juni 2014 sicherte er sich bei Jack Nicklaus' Memorial Tournament seinen ersten PGA-Tour-Sieg. Seither folgten drei weitere und aus den Top Ten der Welt ist Matsuyama ebenso wenig wegzudenken wie Dustin Johnson, Rory McIlroy oder Jason Day.

07

Anthony Kim

Wechsel ins Profilager: 2006
Top 100: Mai 2007
Top Ten: 29.09.2008
Turniersiege in ersten drei Jahren: 2


Anthony wer? Der Amerikaner mit koreanischen Wurzeln macht heute nur noch Schlagzeilen, weil er horrende Versicherungssummen für eine (vermeintliche) Berufsunfähigkeit kassiert. Doch als Kim die internationale Bühne betrat, war er ein Phänomen, für das sogar Vergleiche mit Tiger Woods bemüht wurden. Obwohl er seinen ersten Profistart bei den Texas Open 2006 mit Platz zwei beendete, musste er durch die Mühle der Qualifying School gehen, die er mühelos überstand. Vier Top-Ten-Platzierungen in seiner Rookie-Saison brachten den Kalifornier in die Top 100 der Welt. Kims großes Jahr war 2008, als er die Wachovia Championship und das AT&T National gewann, in die Top Ten der Weltrangliste vorstieß, sich für den Ryder Cup qualifizierte, im Einzel Sergio García mit 5&4 nach Hause schickte und so die Hoffnung auf ein europäisches Comeback im Keim erstickte. Doch seit einer Achillessehnenverletzung ist eine Sichtung von Anthony Kim in etwa so rar geworden wie die von Nessie.

06

Jordan Spieth

Wechsel ins Profilager: 14.12.2012
Top 100: 14.07.2013
Top Ten: 13.04.2014
Turniersiege in ersten drei Jahren: 7


Dass Jordan Spieth eine große Karriere bevorstehen könnte, war schon früh abzusehen: Mit 18 Jahren hatte er als zweiter Golfer nach Tiger Woods zwei Junior-Amateur-Titel eingefahren, 2010 schaffte er als einer der jüngsten Spieler überhaupt einen Cut auf der PGA Tour und 2012 wurde er zum besten Amateur der Welt. Eine Garantie für professionellen Erfolg ist dies allerdings noch nicht. Doch Spieth ließ nicht lange Zweifel aufkommen. Nach fünf Top-Ten-Resultaten und seinem Sieg bei der John Deere Classic kam Spieth in die Top 100 der Welt, und als der Texaner im April 2014 bei seinem Masters-Debüt gleich Zweiter wurde, stieß Spieth nach nur 16 Monaten als Profi auch in die Top Ten vor. Dort ist er in den letzten zweieinhalb Jahren Stammgast.

05: Jon Rahm –
05

Jon Rahm

Wechsel ins Profilager: 21.06.2016
Top 100: 29.01.2017
Top Ten: 28.05.2017
Turniersiege in ersten drei Jahren: 1 (bis jetzt...)


Der Spanier ist derzeit das heißeste Talent im Golfsport. Wie heiß? Wenn er den Punkteschnitt seiner bisher erspielten Turniere noch einige Wochen hält, würde er in der Weltrangliste direkt hinter Dustin Johnson liegen. Ein Erfolg mit Ansage: Als erster Spieler überhaupt gewann er zweimal den Ben Hogan Award für den besten College-Golfer. Und mit 60 Wochen an der Spitze der Amateur-Weltrangliste stellte der 22-Jährige eine weitere Bestmarke auf. Bei seinem Wechsel ins Profilager knüpfte Rahm nahtlos an diese Leistungen an. Mit nur vier Starts sicherte er sich die Karte für die PGA Tour, entging dem Umweg über die Qualifying School und kleinere Touren und jagt seither der etablierten Konkurrenz einen Schrecken ein. Stand heute hat er dreimal so viele Top-drei-Platzierungen (6) wie verpasste Cuts (2) in seiner Karriere, darunter ein zweiter und ein dritter Platz bei seinen ersten beiden Starts in einer World Golf Championship.

04: Jack Nicklaus –
04

Jack Nicklaus

Wechsel ins Profilager: November 1961
Erster Major-Sieg: 14.06.1962
Dritter Toursieg: 23.09.1962
Turniersiege in ersten drei Jahren: 13


Als Jack Nicklaus im November 1961 Profi wurde, war an eine Weltrangliste noch nicht zu denken. Noch mehr als heute war die PGA Tour der Nabel der Golfwelt und gleich in seinem ersten Profijahr sorgte Nicklaus hier für Wirbel. Hinter Arnold Palmer und Gene Littler beendete er das Jahr 1962 als Dritter der Geldrangliste. Aber vor allen Dingen gewann er bereits bei seinem zweiten Major-Start als Profi die US Open. Dass sich jemand so früh in seiner Karriere auf dem allerhöchsten Niveau durchsetzt, ist eine Seltenheit. Dass es keine Eintagsfliege war, bewies der "Golden Bear" ein Jahr später mit Siegen beim Masters und bei der PGA Championship. Hätte es die Weltrangliste bereits gegeben, Nicklaus wäre spätestens hier in einem Kopf-an-Kopf-Duell mit Arnold Palmer um den weltbesten Golfer gewesen.

03: Sergio Garcia –
03

Sergio Garcia

Wechsel ins Profilager: 15.04.1999
Top 100: 04.07.1999
Top Ten: 16.01.2000
Turniersiege in ersten drei Jahren: 7


Unmittelbar nach Garcías Wechsel ins Profilager träumte die Welt von einem neuen amerikanisch-europäischen Duell zwischen ihm und Tiger Woods. Bereits bei seinem sechsten Start als Profi gewann García die Irish Open und im August 1999 kam es bei der PGA Championship tatsächlich zum Zweikampf mit Woods. Unvergessen, wie García einem jungen Reh gleich seinem Ball hinterherlief und in die Höhe sprang, um ihn landen zu sehen. Es half nichts und García hatte zum ersten und bei Weitem nicht letzten Mal bei einem Major das Nachsehen. Doch noch im gleichen Jahr bewies er als jüngster Ryder-Cup-Teilnehmer aller Zeiten, wo er seine Stärken hatte. Schon als Rookie holte er 3,5 seiner bisher 22,5 Punkte für Team Europa.

02

Lydia Ko

Wechsel ins Profilager: 23.10.2013
Top Ten: 26.08.2013
Turniersiege in ersten drei Jahren: 14


Lydia Ko hat mehr Geld verschenkt, als manch einer in seiner gesamten Karriere verdient. Weil die LPGA Tour sie nicht vor ihrem 16. Geburtstag als Profi antreten lassen wollte, blieb die Neuseeländerin länger als geplant Amateurin, obwohl sie schon damals eine der besten Spielerinnen der Welt war. Bevor sie Profi wurde, hatte Ko schon vier Turniere gewonnen, musste auf etwa eine Million Dollar Preisgeld verzichten und lag im Rolex Ranking, der Weltrangliste der Frauen, bereits auf Platz fünf. Allerdings dauerte es noch 15 Monate, bis sie auch die Spitze der Weltrangliste übernahm.

01: Tiger Woods –
01

Tiger Woods

Wechsel ins Profilager: 29.08.1996
Top 100: 06.10.1996
Top Ten: 13.04.1997
Turniersiege in ersten drei Jahren: 15


Angesichts der jüngsten Schlagzeilen über Tiger Woods könnte man glatt vergessen, wie überragend sein Karrierestart war. Schon nach vier Wochen hatte er zwei Top-Five-Resultate. Nach sechs Wochen feierte er beim Las Vegas Invitational seinen ersten Sieg und sprang in die Top 100 der Welt. Nach acht Wochen folgte der zweite Erfolg. Nach neun Wochen (bei nur acht Starts als Profi) wurde Woods zum Rookie of the Year gewählt. Nach 20 Wochen gewann Woods sein drittes Turnier. Nach nur 33 Wochen als Profi zog Woods mit einem Rekordergebnis beim Masters in die Ruhmeshalle der Major-Sieger ein und eroberte die Top Ten der Welt. Und nach 42 Wochen - zu einem Zeitpunkt, als Rory McIlroy noch 200. der Weltrangliste war - sprang Tiger zum ersten Mal an die Spitze der Weltrangliste.



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