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Made in Germany

Alexander Knappe

21.10.2016 | Von Rudi Schaarschmidt, Fotos: Tino Dertz/ZweiD

Alexander Knappe hat zurzeit die besten Karten, sich die einzig wichtige Karte zu sichern: die Spielberechtigung für die European Tour. Spielt er weiter so konstant gutes Golf wie bereits während der gesamten Saison, dann dürfen wir uns 2017 auf mindestens fünf Deutsche im europäischen Oberhaus freuen.

GP: Kennst du eigentlich Alexander Knappe?
AK: Ob ich Alexander Knappe kenne?

GP: Na ja, wenn man "Alexander Knappe" googelt, erfährt man viel über einen Musiker...
AK: Richtig, das ist ein bisschen verrückt. Ich habe zwar keine Internetseite, aber mein Onkel hatte mal für mich einige Domains gesichert. Der andere Alexander Knappe hatte uns mal angeschrieben und wollte die dann von uns haben. Und jetzt ist er ziemlich berühmt.

GP: So richtig viel wissen wir und wohl auch der Großteil unserer Leser von dir nicht. Erzähl mal ein bisschen von deinem Werdegang.
AK: Ich habe Abitur gemacht, danach ein Golf-Stipendium an der Texas Christian University bekommen und bin zum Studieren in die USA. Oklahoma mit Rickie Fowler, Alabama und Georgia waren noch vor uns, aber wir waren Vierter, was ziemlich gut war. Aber letztlich war das nichts für mich. Ich bin auch im Frühjahr im falschen Semester dorthin gegangen. Das war eine harte Zeit für mich. Es war eiskalt und wir hatten elf Turniere. Ich konnte mich kaum auf das Studium konzentrieren. Ich habe dann noch zweimal das Work-out verschlafen und musste zur Strafe barfuß und auf Händen über ein gefrorenes Football-Field krabbeln. Im Herbstsemester hätte man nur vier Turniere gehabt und sich besser einleben können. Ich bin dann nach einem Jahr wieder zurück.

GP: Wie bist du überhaupt zum Golf gekommen?
AK: Klassisch. Meine Eltern fingen irgendwann an, Golf zu spielen, und haben mich dann mitgenommen. Da war ich, glaube ich, fünf. Oder sieben. Aber eigentlich wollte ich immer Fußball spielen. In Willingen habe ich auch Skispringen gemacht.

GP: Skispringen?
AK: Ja, das war die Zeit, als Martin Schmitt so richtig erfolgreich war. Das fand ich total faszinierend.

Made in Germany:

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ICH HABE KEINEN SPONSOR IN DIESEM JAHR. MEIN EINZIGER SPONSOR IST ZURZEIT MEIN PAPA.
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GP: So richtig von der Schanze runter?
AK: Ja, aber da war ich noch kleiner, da springt man noch nicht von den großen Schanzen, sondern von kleineren Jugendschanzen, so 30 Meter etwa. Aber mit 12, 13 Jahren bin ich im Golf in den Landeskader gekommen, habe dreimal die Woche in Gütersloh bei Frank Adamowicz und Fred Hoffmann trainiert und mich dann für Golf entschieden.

GP: Dieses Jahr läuft es richtig gut bei dir. Kann man das Durchbruch nennen?
AK: Würde ich schon sagen. Mein Spiel hat sich nach meiner Verletzung im vergangenen Jahr echt gut entwickelt. Ich habe viel trainiert und bin konstant geworden in allen Bereichen.

GP: Was ist der beste Teil deines Spiels?
AK: Das Putten.

GP: Wer so viel in der ganzen Welt spielt, den muss man nach seinem Lieblingsplatz fragen.
AK: Mein Lieblingsplatz ist Fancourt Links in Südafrika. Ich war den kompletten Winter in Fancourt.

GP: Was war deine beste Runde?
AK: Dieses Jahr zweimal neun unter Par auf der Challenge Tour: in Belgien und in Frankreich. Die beste Runde war in Frankreich, denn der Platz ist richtig schwer. Es hätte sogar noch etwas besser als die 61 sein können.

GP: Schon ein Hole-in-one gespielt?
AK: Fünfmal.

GP: Ist mit der Tourkarte ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen oder geht der Traum noch weiter?
AK: Mein Traum ist es, irgendwann mal die US Masters zu gewinnen. Das ist mein Hauptziel, auf das ich hinarbeite. Oder mich dafür zu qualifizieren und überhaupt die Chance zu haben, da zu gewinnen. Das wäre super. Im nächsten Jahr auf der European Tour spielen zu können gibt mir die Chance, Punkte zu sammeln, um dieses Ziel zu erreichen. Das ist eine große Motivation. Der Unterschied zur Challenge Tour ist gross. Dort gibt es einige, die sind ein-fach nicht so gut. Auf der European Tour sind alle gut und auch die Topspieler der Welt unterwegs. Aber man muss es so sehen: Es sind einfach 18 Löcher, es gibt Fairways und Grüns, und wenn man die trifft und den Putt locht, kann man da mithalten.

GP: Du hast ja bereits Turniere auf der European Tour gespielt und bist in Dänemark auch ins Geld gekommen. Hattest du den Eindruck, mithalten zu können?
AK: Mithalten kann man, wenn man in die Top Ten kommt. Aber dafür braucht man auch mehrere Chancen. Mit meinen drei Turnierteilnahmen kann ich das nur schwer beurteilen. Aber wenn ich meine Qualität so abrufen kann wie im Moment, glaube ich schon, dass ich da auch mithalten kann.

 

Infobox

Alter: 27 Jahre
Wohnort: Paderborn
Profi seit: 2011
Lieblingsverein: Borussia Dortmund
Erfolge 2016:
1. Swiss Challenge (Challenge Tour)
T2. Cordon Golf Open (Challenge Tour)
T3. KPMG Trophy (Challenge Tour)
T3. Made in Denmark Challenge (Challenge Tour)

GP: Ein Marcel Siem und ein Max Kieffer sind richtig gute Spieler. Aber zu einem Rory McIlroy oder einem Henrik Stenson ist es doch noch mal ein Unterschied, oder nicht?
AK: Ja, weil die Qualität der beiden noch mal ein bisschen höher ist, das stimmt. Aber wenn ich bei Rory zum Beispiel das Putten nehme, da würde ich sogar sagen, Max Kieffer ist besser als Rory. Er ist kein gutes Beispiel, weil er eben so unfassbar gut ist, aber mit einem "normalen" European- Tour-Spieler kann man schon mithalten, denke ich.

GP: Hast du finanziellen Druck?
AK: Ja klar, habe ich. Ich habe keinen Sponsor in diesem Jahr. Mein einziger Sponsor ist zurzeit mein Papa. Das ist auf der einen Seite toll, weil mich mein Papa unterstützt und vollkommen für mich da ist, aber ich will mit 27 natürlich auch nicht mehr von zu Hause abhängig sein. Dieses Jahr werde ich wahrscheinlich plus/minus null rauskommen. Das ist ein erster Schritt, schon mal keine finanzielle Last mehr zu sein.

GP: Hast du Hobbys abseits vom Golfplatz?
AK: Ich bin großer BVB-Fan. Wenn ich zu Hause bin, gehe ich immer ins Stadion. In dieser Saison hat es aber leider noch nicht geklappt.




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