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Made in Germany

Bernd Ritthammer

20.10.2016 | Von Jan Langenbein, Fotos: Tino Dertz/ZweiD

Mit zwei Siegen auf der Challenge Tour hat sich der Münchner in dieser Saison ins Oberhaus katapultiert, wo er im nächsten Jahr mit Martin, Marcel und Maximilian nicht nur die perfekte Alliteration zerstören, sondern auch um deutlich dickere Preisschecks spielen wird.

GP: Wow, zwei Siege auf der Challenge Tour in dieser Saison! Warum ist der Knoten 2016 geplatzt?
BR: Ja, ja... immer dieser ominöse "Knoten". Ich sehe das eher als den Lohn für die kontinuierliche und gute Arbeit in den vergangenen Jahren. Allerdings arbeite ich auch seit gut einem Jahr mit einem Mental- Coach und einem Fitness- Coach zusammen. Das hat meinem Team noch den letzten Schliff gegeben und war nötig für meine Weiterentwicklung.

GP: Deinem ersten Sieg in Dänemark folgte recht schnell der zweite in Irland. Gibt es dafür neben der starken Form auch eine psychologische Erklärung? Zieht ein Sieg weitere Siege nach sich, da das Selbstvertrauen steigt?
BR: Vielleicht nicht direkt. Man muss sich trotzdem in erster Linie durch gutes Golf in eine entsprechende Position für den Schlusstag spielen. Wenn man in Schlagdistanz ist, kann einem die Erfahrung von vorangegangenen Siegen sicherlich helfen und es gibt einem im entscheidenden Moment die Ruhe und Gelassenheit, die man für einen Sieg einfach braucht.

GP: Die Tourkarte für die European Tour ist dir sicher, und dass du auf der großen Tour gut mitspielen kannst, hast du schon häufiger bewiesen. Was ist für dich der grösste Unterschied zwischen European Tour und Challenge Tour, abgesehen von den Preisgeldern?
BR: Der grösste Unterschied ist meiner Meinung nach das Set-up der Plätze. Zum einen werden für die European Tour schon mal grundsätzlich bessere und schwerere Plätze ausgewählt. Zum anderen ist der Zustand des Platzes in der Turnierwoche noch besser und anspruchsvoller, das heißt: eng geschnittene Fairways, dickes Rough und schnelle Grüns. Auf der Challenge Tour kritisieren wir oft die "zu einfachen" Bedingungen. Dort ist es am Ende häufig einfach nur ein Puttwettbewerb. Auf der European Tour muss das lange Spiel solider sein, wenn man am Sonntagnachmittag ein Wörtchen mitreden möchte.

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ICH DENKE, DASS WIR IN FÜNF JAHREN DEUTLICH MEHR SPIELER AUS DEUTSCHLAND AUF DER TOUR HABEN WERDEN.
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GP: Alexander Knappe steht ebenfalls kurz vor dem Sprung auf die große Tour. Wem traust du in den kommenden Jahren ebenfalls zu, diesen Sprung zu machen?
BR: Ich denke, wir haben da durchaus einige Kandidaten. Moritz Lampert hat ja schon gezeigt, dass er es draufhat. Sebastian Heisele spielt bisher eine sehr konstante Saison und ist in Schlagdistanz zu den Top 15. Dominic Foos wird sicherlich in den kommenden Jahren seinen Weg machen. Auch Marcel Schneider und Philipp Mejow sind nicht weit weg. Dann gibt es ja noch einige Amateure und ein paar Spieler in den USA, die das Potenzial haben. Ich denke, dass wir in fünf Jahren deutlich mehr Spieler aus Deutschland auf der Tour haben werden.

GP: Wie bist du eigentlich zum Golf gekommen? Wie alt warst du und was war der Auslöser?
BR: Wie bei vielen anderen auch waren natürlich meine Eltern der Auslöser. Die hatten im Urlaub das erste Mal auf einen Ball geschlagen und sind daraufhin in den Golfclub Abenberg eingetreten. Mich haben sie dann im zarten Alter von drei Jahren das erste Mal mitgenommen. Von dem Zeitpunkt an war es um mich geschehen.

GP: Wie beurteilst du den Status deines Golfspiels im Moment? Wo liegen deine Stärken und woran arbeitest du gerade?
BR: Mein Spiel ist grundsätzlich relativ solide. Meine Stärke war immer, dass meine schlechten Schläge normalerweise noch im Spiel sind. Insbesondere meine kurzen und mittleren Eisen sind eine Bank. Beim Driven und Putten muss ich in den nächsten Jahren noch Gas geben. Vor allem meine Drives sind sicherlich noch nicht auf Topniveau.

GP: Schaust du Golf im Fernsehen, wenn du selbst nicht spielst?
BR: Gelegentlich ja. Großereignisse wie kürzlich den Ryder Cup oder auch Majors lasse ich mir natürlich nicht entgehen. Allerdings ist es für mich sehr wichtig, zwischen den eigenen Turnieren runterzukommen und die Gedanken mal woanders hin- zulenken. Lieber gehe ich Sport machen und treffe mich mit Freunden, bevor ich den Fernseher anschalte.

GP: Eine Fußballfrage an den Bayern-Fan muss drin sein: Fehlt dir Pep Guardiola oder hast du dich schon mit Carlo Ancelotti angefreundet?
BR: Der Wechsel war schon das Richtige. Peps Trainerqualitäten stehen zwar außer Frage, aber die Ruhe und Erfahrung von Ancelotti könnten das ausschlaggebende fehlende Glied in der Kette zum Champions- League-Sieg sein.

 

Infobox

Alter: 29 Jahre
Wohnort: München
Profi seit: 2006
Lieblingsverein: FC Bayern München
Erfolge 2016:
1. Made in Denmark Challenge (Challenge Tour)
1. Volopa Irish Challenge (Challenge Tour)
T2. Tayto Northern Ireland Open (Challenge Tour)
3. The Barclays Kenya Open (Challenge Tour)
T5. Swiss Challenge (Challenge Tour)
T16. BMW International Open (European Tour)

GP: Gibt es ein Turnier, auf das du dich 2017 besonders freust?
BR: Oh, da gibt es viele! Highlights werden mit Sicherheit Turniere wie die French Open, Scottish Open, Wentworth oder auch der Desert Swing sein. Aber ich freue mich natürlich auch wieder auf unsere deutschen Turniere. Es ist eine schöne Situation, fast den kompletten European-Tour-Turnierkalender als Basis für meine Saisonplanung zu haben. Diesen Luxus hatte ich in den letzten Jahren mit meinen "Zwischenkategorien" European Tour und Challenge Tour nicht.




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