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Charl Schwartzel

Charl der Grosse

21.06.2017 | Von Jan Langenbein, Fotos: Mike Meyer

In seinem Schrank hängt ein Grünes Jackett, in der Weltrangliste liegt er auf Rang 18 und seine Antilopen haben die längsten Hörner - Charl Schwartzel könnte sich zurücklehnen und zufrieden sein. Doch das wäre nicht sein Ding. Er will den schwierigen zweiten Major-Sieg.

Sechs Jahre ist es her, dass Charl Schwartzel zum ersten Mal vor der GolfPunk-Kamera stand. Damals fragten wir ihn in Manchester ganz devot, ob er nicht auf diesen sechs Meter hohen Baumstumpf klettern würde, den ein Baumfällkommando hinterlassen hatte, schließlich würden das spektakuläre Bilder werden. Er zögerte keine Sekunde und schwang kurz darauf in schwindelerregender Höhe seinen Driver.

Die Frage, ob er die Felsen inmitten eines Wasserhindernisses im Maccauvlei Golf Club erklimmen würde, erübrigt sich also. Kinderspiel! Lediglich sein Schwiegervater und Manager Brian blickt skeptisch drein und hofft inständig, dass sein Schützling dort heil wieder herunterkommen wird. Schließlich muss dieser in wenigen Tagen bei der Players Championship in Sawgrass um einen Preisgeldtopf von 10,5 Millionen Dollar spielen. Doch daran denkt Charl in diesem Moment nicht. Er ist in seinem Element und ruft: "I'm on top of Africa!"

Genau hier, in einem altehrwürdigen Golfclub eine Autostunde von Johannesburg entfernt, hat für den 33-jährigen Major-Champion alles angefangen. Auf diesen Fairways hat er Golfspielen gelernt und die Wände des Clubhauses dokumentieren seinen kometenhaften Aufstieg von der Clubmeisterschaft über eine Auszeichnung als Jugendspieler des Jahres in Südafrika bis hin zum Triumph in Augusta auf beeindruckende Art und Weise.

Aber nicht nur an den Wänden und in den Trophäenschränken hat Charl seine Spuren hinterlassen. Auch auf den Tischen ist er allgegenwärtig. Denn dort finden sich zwischen Ketchup und Tabasco vier verschiedene Steaksaucen, die nicht nur seinen Namen tragen, sondern deren Deckel auch selbstverständlich Golfbälle sind. "Die müsst ihr probieren, wenn euer Steak später serviert wird!", schwärmt er, als wir uns zum Mittagessen niederlassen. "Die Monkey Gland Sauce ist ein Rezept meiner Mutter und die Jalapeño Sauce ist wirklich tierisch scharf."

Gut, dass wir nach Südafrika geflogen sind, denn wie es scheint, gibt es eine Menge Neuigkeiten im Hause Schwartzel und das nicht nur im kulinarischen Bereich. Schließlich hat Charl seit der Open Championship 2016 nicht nur neues Material, sondern auch eine brandneue Marke im Bag und hätte damit vor wenigen Wochen in Augusta beinahe sein zweites Grünes Jackett gewonnen. Zeit, das Aufnahmegerät zu starten.

Charl Schwartzel: Charl Schwartzel:

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DIE LETZTEN BEIDEN MALE BIN ICH ETWAS FRÜHER ZUM CHAMPIONS DINNER ERSCHIENEN, DENN ES WIRD UNHEIMLICH GUTER WEIN AUSGESCHENKT. JE FRÜHER MAN ALSO AUFKREUZT, DESTO MEHR WEIN KANN MAN GENIESSEN...
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GolfPunk: Du warst einer der Spieler, die vom abrupten Ausstieg von Nike aus dem Golfmarkt betroffen waren. Wie läuft in solch einem Fall die Suche nach einem neuen Ausrüster?
Charl Schwartzel: Ich habe mir eine Menge Schläger angeschaut und dabei zuallererst auf die Optik geachtet. Denn wenn dir ein Golfschläger gut gefällt, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass du mit ihm auch gut spielen wirst. Das PXG-Material hat mir vom ersten Moment an extrem gut gefallen. Dann habe ich begonnen, Bälle damit zu schlagen, und darauf geachtet, ob mein Ballflug in Ordnung ist und die Distanzkontrolle stimmt. Als Profi muss man sicher sein, dass man alle Schläge - hohe, flache, Draws und Fades - mit dem Schläger spielen kann. Das war mit den PXG-Schlägern sehr einfach und auch das Feedback war phänomenal. Am Ende war es ein sehr einfacher Wechsel.

GP: Hast du auch andere Marken getestet?
CS: Wenn man sich auf die Suche macht, dann hat man immer eine erste und eine zweite Wahl. PXG war definitiv meine erste Wahl. Ich habe schnell gemerkt, dass ich mit diesem Material sehr gut spielen kann. Bisher spielen nur wenige Pros auf der Tour PXG. Ich bin deshalb eng eingebunden, wenn es ans Testen und Promoten der Schläger geht. Mit der Kleidung ist es dasselbe. Ich habe zehn Jahre lang Nike getragen und finde es fantastisch, nun im Kjus-Team zu sein.

GP: Hast du Bob Parsons, den schillernden Gründer von PXG, bereits getroffen?
CS: Ja, ich habe ich schon ein paar Mal getroffen und wir hatten jedes Mal eine Menge Spaß. Er ist ein wirklich toller Typ! Golf gespielt habe ich allerdings noch nicht mit ihm. Das müssen wir noch nachholen.

GP: War es ein Schock für dich, als die Nachricht kann, dass Nike Schluss macht?
CS: Sicher, es war eine Überraschung. Niemand hatte damit gerechnet, dass Nike sich komplett aus dem Hardware-Business zurückziehen würde, aber sie haben uns Teamspielern dann erklärt, warum dieser Schritt notwendig war, und wir haben alle Verständnis dafür.

GP: Dieses Jahr warst du zum siebten Mal beim Champions Dinner in Augusta. Das ist ein sehr exklusiver Kreis. Wie muss man sich diesen Abend vorstellen?
CS: Es geht um 18:30 Uhr los und irgendwie schaffen es alle, genau zu dieser Zeit anzukommen. Ich habe das in den ersten Jahren auch so gemacht, aber die letzten beiden Male bin ich etwas früher zum Champions Dinner erschienen, denn es wird unheimlich guter Wein ausgeschenkt. Je früher man also aufkreuzt, desto mehr Wein kann man genießen... Dieser Abend und die damit verbundenen Emotionen sind schwer zu beschreiben. Mein erstes Mal war 2012 und ich war noch nie so nervös vor einem Abendessen. Ich hatte meine Rede geprobt und werde nie vergessen, wie es war, als ich aufstehen musste, um zu sprechen. Es ist ein riesiger Tisch, an dem etwa 30 ehemalige Champions sowie Augusta-Chairman Billy Payne sitzen. Er ist der Einzige in der Runde, der kein ehemaliger Sieger ist. Als ich aufstand und anfing zu reden, schaute ich in die Gesichter von Jack Nicklaus, Arnold Palmer und Tiger Woods. Alle blickten mich an und ich dachte: "Oh mein Gott, was soll ich diesen Männern denn bitte sagen, was sie noch nicht gehört haben?" Seither fühle ich jedes Jahr mit dem Titelverteidiger mit, denn ich weiß genau, wie er sich gerade fühlen muss und wie nervös er ist.

 

Steckbrief

Name: Charl Adriaan Schwartzel
Alter: 32 Jahre
Wohnort: Vereeiniging/Südafrika, Palm Beach/Florida
Profi seit: 2002
Erfolge (Auswahl):
• 4x Sieger der Dunhill Championship (2004, 2012, 2013 & 2015)
• 2007 Open de España (European Tour)
• 2008 Madrid Masters (European Tour)
• 2010 & 2011 Joburg Open (European Tour)
• 2011 Masters Tournament (Major)
• 2016 Valspar Championship (PGA Tour)

GP: Selbstverständlich warst du 2012 nervös. Lag es auch daran, dass Englisch nicht deine Muttersprache ist? Hier im Club sprichst du mit allen Kumpels und Mitgliedern Afrikaans. Fällt es dir schwer, öffentlich englisch zu sprechen?
CS: Ja, das fiel mir vor allem zu Beginn meiner Profilaufbahn 2002 sehr schwer. Damals sprach ich ausschließlich Afrikaans. Erst durch Golf habe ich damit begonnen, Englisch zu sprechen, denn auf der Tour wird nichts anderes gesprochen. Meine Frau ist Südafrikanerin, allerdings englischsprachig. Sie hat mir natürlich auch geholfen, besser Englisch zu lernen. Wenn ich wirklich nervös werde, fehlen mir aber selbst heute noch manchmal die englischen Worte. Auf wichtige Reden muss ich mich daher sehr gut vorbereiten.

GP: Was hast du denn damals in deiner Rede gesagt?
CS: Ich wollte ausdrücken, wie geehrt ich mich fühle, mit diesen großen Golfern zusammen einen Abend verbringen zu dürfen. Ich habe ihnen die Geschichte hinter dem Essen, das ich für diesen Abend ausgewählt habe, erzählt und gehofft, dass es allen schmecken wird. Es gab eine Auswahl an Fleisch aus Südafrika und ein Kartoffelgericht nach einem Rezept meiner Mutter. Dazu gab es die Monkey Gland Sauce, die ihr heute auch probiert habt. Niemand wusste so recht, was es damit auf sich hatte, und ich habe noch Öl ins Feuer gekippt und behauptet, dass sie tatsächlich aus Affendrüsen gewonnen wird... [lacht] Das Essen kam sehr gut an. Der Koch, der bereits seit über 30 Jahren in Augusta arbeitet, meinte danach zu mir, dass er noch nie so leer gefutterte Teller zurück in die Küche bekommen hätte.




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