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Golfer 3.0

Eric Anders Lang

04.12.2017 | Von Jan Langenbein, Fotos: Vice Golf

Mit 'Adventures in Golf' beweist Erik Anders Lang, dass man die bequeme Welt der klimatisierten Mediazentren der PGA Tour verlassen muss, um die wirklich coolen Storys rund um unseren Lieblingssport zu finden. Hut ab, Erik! Wir wussten, dass wir nicht allein sind.

Es reicht bereits, Erik Anders Lang für wenige Minuten zu treffen, und schon weiß man, dass hier nicht nur eine echte Rampensau vor einem steht, sondern gleichzeitig auch ein Kerl, der Golf nicht einfach nur liebt, sondern 24 Stunden am Tag lebt. Natürlich hilft es, wenn man aussieht wie ein auf MTV oder in der "Spex" gefeierter Indie-Musiker und neben der Optik auch über dessen Charisma verfügt, jedoch macht eine einzige coole Socke den besten YouTube-Kanal, den die Golfwelt je gesehen hat, noch lange nicht rund. "Adventures in Golf" heißt das Baby, mit dem Erik und seine Kollegen seit etwas mehr als einem Jahr die Golfer dieser Erde glücklich machen, und unter Garantie müssen wir nicht viel darüber erzählen, denn die Tatsache, dass du gerade unser Magazin in Händen hältst, lässt mit großer Wahrscheinlichkeit darauf schließen, dass du auf jede neue Folge "Adventures in Golf" mindestens genauso sehnlich wartest wie auf die neue GolfPunk-Ausgabe. Erik Anders Lang hat das Glück, Los Angeles mit seinen unzähligen, das ganze Jahr über bespielbaren Weltklasse-Golfplätzen seine Heimat nennen zu können. Der spät berufene Golffanatiker wagte sich mit einer zwei Jahre dauernden Ehe mit Popstar Sia vor wenigen Jahren kurz in die Welt der Paparazzi, fand dabei jedoch schnell heraus, dass er Fairways und Grüns den roten Teppichen dieser Welt vorzieht. Unser Glück, denn Eriks Produktivität lässt wirklich nicht zu wünschen übrig. Auf YouTube wird gerade die zweite Staffel von "Adventures in Golf" gefeiert und auch sein abendfüllender Dokumentarfilm "Be The Ball" steht in der Startlöchern. Wir können es kaum erwarten!

GolfPunk: Golfer, Moderator, Filmproduzent: Du hast in vielen Bereichen deine Finger im Spiel. Welche Jobbezeichnung steht denn nun auf deiner Visitenkarte?
Erik Anders Lang: Um ehrlich zu sein, hab ich noch nicht mal eine Visitenkarte. [lacht] Einmal gab mir jemand seine Karte, auf der lediglich sein Name draufstand. Keine Telefonnummer, keine E-Mail-Adresse, keine Anschrift. So eine würde ich auch gerne haben. Denn ich wüsste auch nicht, welche Berufsbezeichnung ich draufschreiben sollte. Ich habe eine Produktionsfirma, die hauptsächlich Inhalte für die PGA Tour, Skratch TV und Firmen wie Vice Golf produziert. Aber wenn mich jemand fragt, was genau ich eigentlich mache, dann bin ich entweder ein Moderator, ein Dokumentarfilmer oder ein Produzent. Kommt ganz darauf an, wer fragt.

GP: Du hast erst recht spät mit Golf angefangen. Wann genau war das?
EAL: Das kann ich dir ganz genau sagen: Der 12. Dezember 2011 war Tag eins für mich als Golfer. Das war, kurz nachdem sich Tiger Woods einige Strafschläge außerhalb des Golfplatzes eingehandelt hatte. Du erinnerst dich sicher an die Pressekonferenz.

GP: Wer könnte diese merkwürdig peinliche Pressekonferenz je vergessen! Gab es zwischen Tigers - nennen wir es - "Eheproblemen" und deinem Beginn als Golfer eine Verbindung?
EAL: Indirekt müsste ich wohl Ja sagen. Ich wurde immer wieder von meinem Vater und Bruder eingeladen, mit ihnen zu golfen, hatte aber nie Interesse. Doch dann gab es da diese unglaublichen Vorkommnisse, in denen der berühmteste Golfer der Welt nach wiederholter Untreue von seiner Frau mit einem Eisen 6 angegriffen wurde. Im Prinzip verhielt sich da ein Golfer wie ein Football- oder Basketballspieler, so etwas macht einen natürlich neugierig. [lacht] Ich bin garantiert keiner, der irgendwas von Betrügen hält - ganz im Gegenteil -, aber es war trotzdem eine extreme Widerlegung von Stereotypen, die man mit Golf verbindet. Das fand ich interessant.

Golfer 3.0:

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DANN GAB ES DA DIESE UNGLAUBLICHEN VORKOMMNISSE, IN DENEN DER BERÜHMTESTE GOLFER DER WELT NACH WIEDERHOLTER UNTREUE VON SEINER FRAU MIT EINEM EISEN 6 ANGEGRIFFEN WURDE. IM PRINZIP VERHIELT SICH DA EIN GOLFER WIE EIN FOOTBALL- ODER BASKETBALLSPIELER, SO ETWAS MACHT EINEN NATÜRLICH NEUGIERIG.
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GP: Wer "Adventures in Golf" sieht, hat das Gefühl, dass du schon alles auf dieser Welt in Bezug auf Golf gesehen hast. Gab es einen Punkt für dich, an dem du dachtest: "Krasser wird's nicht!"?
EAL: [lacht] Nackt-Golf war sicherlich so ein Punkt. Wir produzieren die "Adventures in Golf"-Filme in Blöcken. Der Nackt-Golfplatz liegt in Zentralflorida, und bevor wir dort ankamen, waren wir auf einer langen Reise durch Portland, wo wir "Urban Golf" spielten, Tokio, wo der Film zur Hole-in-one-Versicherung entstand, und dann hatten wir einen Auftrag von der PGA Tour in Florida. Wir waren also schon eine ganze Weile gemeinsam unterwegs, als wir in der Nudistengemeinde ankamen. So was schweißt zusammen. Endlich angekommen sahen wir zuallererst einen Mann, der in Flip-Flops und Hut rumlief, ansonsten war er splitternackt. Das gesamte Team im Bus war von den vielen Reisen müde und ausgelaugt. Aber als wir den Typen sahen, mussten wir alle lauthals lachen. Anschließend hielten wir für eine Minute am Straßenrand, um uns zu sammeln. Wir mussten schließlich den Besitzer der Anlage treffen. Und den sollten wir besser nicht auslachen...

GP: Nachdem eure Serie immer bekannter geworden ist, laden euch doch bestimmt viele Zuschauer auf ihre ungewöhnliche Plätze ein. Gibt es auch Vorschläge, die einfach zu heftig sind, um sie zu realisieren?
EAL: Wir erhalten tolle Tipps und unsere Fans wissen zum Glück genau, was sie sehen wollen. Das macht auch Sinn. Zum Beispiel war die Schafgolf-Episode in Minnesota ein Vorschlag von Zuschauern und der passte einfach super. Für die dritte Staffel haben wir schon viele unglaubliche Orte genannt bekommen. Und ohne zu viel vorwegzunehmen: Es wird sicher unsere wildeste Staffel bis jetzt.

GP: Kannst du schon sagen, wann Staffel drei von "Adventures in Golf" online gehen wird?
EAL: Da wir noch nicht mal mit der Produktion begonnen haben, wird es sicher noch eine Weile dauern. Staffel eins erschien vor einem Jahr und Staffel zwei läuft gerade - daher denke ich, Staffel drei wird gegen Ende 2018 fertig sein.

GP: In den Filmen geht es viel um den "Spirit of the Game". Habt ihr ihn auf euren Reisen gefunden?
EAL: Wirklich auf jedem einzelnen Trip. Es ist ein wenig so, als würde man einen Spieler nach einem Kasino fragen. Genau danach suche ich auf jeder Reise. Danach lebe ich mein Leben, es ist mein innerer Kompass.

GP: Wie würdest du den Spirit definieren?
EAL: Als eine unendliche Faszination. Golf ist ein Spiel, das einem Kartenhaus gleicht und das man allein spielt. Es erfordert von jedem Spieler eine Menge Innensicht und Mitgefühl mit sich selbst. Ich finde, dass man diesen in unseren Filmen wiederfindet und wir Golf mit einer gewissen Ehrfurcht gegenübertreten. Ich habe eigentlich gar keine Ahnung, was "Ehrfurcht" bedeutet. Ich google das mal... [tippt auf seinem Smartphone] Aha: "großer Respekt gegenüber etwas". Ja, das passt!

Golfer 3.0:
GP: Gutes Stichwort. Du hast viele Golfer aus allen Kulturkreisen der Welt getroffen. Gibt es etwas, das alle Golfer, egal woher sie kommen, gemeinsam haben?
EAL: Auf jeden Fall: Sie sind alle ohne Zweifel total verrückt! [lacht] Wir lieben Golf alle so sehr, dass wir es unter allen möglichen Begebenheiten spielen, egal wie unsere Kultur, unser Land oder unsere finanzielle Situation auch aussehen mögen. Trotzdem sehen wir uns alle als unterschiedlich an. Aber wenn diese oberflächlichen Kategorisierungen wegfallen, sind wir gleich. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich am Flughafen jemanden mit einer Titleist-Kappe sehe, denn ich weiß sofort, wie er wohl tickt. Sollte die Welt untergehen, dann kann ich mich mit dieser Person wenigstens über Golf unterhalten, bevor alles vorbei ist. Das ist doch ein gutes Gefühl. [lacht] Es braucht keine Sprache, um einen guten Abschlag zu zelebrieren. Und selbst über den Golfschwung erfährt man viel über die andere Person. Es ist ein bisschen wie Tanzen. Man muss nichts über ein fremdes Land wissen, um mit jemandem von dort zu tanzen.

GP: Mit dem Old Course in St. Andrews und dem Slum- Golf in Mumbai hast du beide Enden des Spektrums gespielt. Ist da überhaupt noch ein Platz übrig, den du als Privatperson gerne einmal spielen würdest?
EAL: Die Antwort auf diese Frage wäre einfach, wenn du sie bezüglich der Show gestellt hättest. Dort gibt es eine Menge Wünsche auf der berühmten Liste. Als Privatperson sieht diese Liste natürlich anders aus. Ich war gerade mit meiner Familie in Irland und wir spielten dort natürlich auch Golf. Das war äußerst erfüllend. Ich denke, dass der Golfplatz während einer Runde lediglich die zweite Nebenrolle spielt. Der Score spielt die dritte Nebenrolle. Die Hauptrollen werden von der Natur und der Familie gespielt. Ein Ziel von mir wäre, eines Tages ein Kind zu haben und diesem Golf beizubringen.

GP: Das klingt wie das absolute Ziel...
EAL: Das ist es! Ich interessiere mich nicht wirklich dafür, irgendwelche speziellen Golfplätze zu spielen. Vor Kurzem wurde ich nach Neuseeland eingeladen, um all die tollen Plätz dort zu spielen. Ich dachte: "Super, gerne!" Aber das bewegt mich nicht wirklich. Es mag zwar meinen Körper bewegen, aber nicht meine Seele. Ich würde dort sicher ein paar tolle Erfahrungen machen, aber was mich wirklich umhauen würde, wäre, wenn ich neues Leben in die Welt setzen und ihm den Golfschwung beibringen würde. Aber dafür müsste ich erst einmal die passende Frau finden. [lacht]

Golfer 3.0:
GP: Der Trailer zu deinem neuesten Film "Be The Ball" ist äußerst vielversprechend. Worum geht es in dieser Dokumentation? Und wann werden wir sie sehen?
EAL: "Be The Ball" ist so gut wie fertig. Wie genau der Film vertrieben wird, ist eine andere Frage, die ich im Moment noch nicht beantworten kann. Ich bin mir aber sicher, dass der Film irgendwann 2018 erscheinen wird. "Be The Ball" beginnt mit einem überspannenden Blick über das Golfspiel und darüber, wie es zu dem geworden ist, wie wir es heute kennen. Aus einem Teil dieser Episoden ist übrigens auch "Adventures in Golf" entstanden. Der Film selbst schwenkt dann aber um und beleuchtet, wie Profis durch mentales Training besser werden und ob Meditation ein Weg zum Erfolg sein kann. Zusammen mit der University of Southern California haben wir eine wissenschaftliche Studie durchgeführt und einige interessante Ergebnisse erhalten. Wir haben mit Pros von der web.com Tour gesprochen, mit College-Golfern, aber auch Amateuren mit höheren Handicaps und konnten so ein paar wirklich spannende Sichtweisen auf Performance und Leistungssteigerung finden.

 

Steckbrief

Name: Erik Anders Lang
Alter: 36 Jahre
Wohnort: Los Angeles (CA)
Heimatplatz: Wilshire Country Club
Lieblingsteam: New York Mets (am besten die von 1986)
Instagram: @erikanderslang

GP: Du hast schon viele Golfprofis in deinem Leben getroffen. Wer ist der entspannteste und lockerste Typ?
EAL: Komischerweise haben Charley Hoffman und ich seit unserem ersten Treffen eine enge Verbindung, warum auch immer. Er ist ein sehr relaxter Typ. Wir schreiben uns ständig. Meine Erfahrung ist, dass viele Profis sich gar nicht so viele Gedanken um das Spiel machen oder einen bestimmten Putt machen.

GP: Wie kommt es eigentlich, dass ein Dokumentarfilmer aus Kalifornien mit Bällen aus Bayern spielt?
EAL: Mir sind schon vor Jahren die Bälle mit der Knarre drauf aufgefallen. Auch die Caps fand ich cool! Ich wusste schon ein wenig über die Firma, dann bekam ich eines Tages eine E-Mail von Vice, während wir in Nepal einen Film drehten. In der Mail stand, dass die Vice-Jungs große Fans von "Adventures in Golf" wären und gerne einen Werbespot mit mir drehen würden. Ich war total begeistert und erzählte jedem, dass sich Vice mit mir treffen möchte. Ich erzählte vorher immer, wie cool ich diese Marke finde, und dann schreiben die mir plötzlich. Wie cool ist das! An diesem Tag wurde mir auch klar, dass Leute tatsächlich unsere Show sehen und sie anscheinend mögen.




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