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Morgens halb zehn auf Föhr: keine Zeit für Junkfood

Nordsee

Inselgrüns Vol. 1

13.04.2017 | Von Die Golfpunk Crew, Fotos: Patrick Runte

Drei GolfPunks, ein Schlauchboot und zwei der besten Golfplätze Deutschlands - was kann da schon schiefgehen?

Jungs, wir haben ein Problem", murmelt Fritz und klickt sich durch den Gezeitenkalender. "Es ist Ebbe, wenn wir in See stechen wollen." Dann erzählt er weiter von Sandbänken, Prielen und Wetterkapriolen im April. Wir nehmen diese Erläuterungen genauso wenig ernst, wie wir sie verstehen. Diese Ignoranz soll sich bald als Fehler herausstellen, aber jetzt mal ehrlich: Wer hört schon auf den Volontär?

Seit seiner Eröffnung wissen wir, dass der Golfclub Budersand an der Südspitze von Sylt zu den besten Wiesen der Republik gehört. Dass sich auch auf der Nachbarinsel Föhr in den vergangenen Jahren golftechnisch Nennenswertes getan hat, ist uns ebenfalls nicht entgangen. Jedes Mal wenn jemand aus unserem Dunstkreis, dem wir ein ernst zu nehmendes Urteil über einen Golfplatz zutrauen, von einer Runde im Golf Club Föhr zurückkam, bekamen wir Lobeshymnen zu hören, wie sie deutsche Golfplätze nur selten auszulösen verstehen. Kein Wunder, dass dieser Golfplatz schon länger auf unserer To-do-Liste steht, doch der Plan, der Insel Föhr einen Besuch abzustatten, nahm erst zu Beginn des Jahres richtig Fahrt auf, als mit Fritz ein echtes Nordlicht bei uns in der Redaktion anheuerte. Da ebendieser Fritz, seit er laufen kann, jeden seiner Sommer auf Sylt verbrachte, um dort als Surflehrer und Gastro-Malocher seine Brötchen zu verdienen, hatten wir 2017 genau den richtigen Mann in unseren Reihen, einen verwegenen Plan in die Tat umzusetzen. Zwischen dem Golf Club Föhr und Budersand liegen schließlich nur wenige Kilometer Luftlinie. Doch wie es sich für Inseln gehört, trennt ein Meer - ein Wattenmeer, um genau zu sein - die beiden Golfplätze. Ein Boot zu besorgen war kein Problem, schließlich verfügt Fritz auf Sylt über Connections wie Tony Soprano in New Jersey. Diese Connections machten unserem jüngsten Redaktionsmitglied aber auch klar, dass der von uns gewählte Tag mitnichten ideal für eine Bootsfahrt quer durch das Wattenmeer wäre. Wir ignorierten diesen Expertenrat jedoch weiterhin beharrlich und buchten die Startzeiten für Föhr am Vormittag und Sylt am Nachmittag - die Aussicht auf 45 Löcher feinstes Links-Golf verblendete uns die Sicht für die Realität und Fritz hatte mittlerweile aufgegeben, uns Ahnungslose davon überzeugen zu wollen, dass eine Überfahrt von Föhr nach Sylt keine Kaffeefahrt ist. "Um zwölf Uhr holt uns mein Kumpel Christopher im Hafen von Föhr ab. Packt warme und vor allem wasserdichte Kleidung ein. Das wird kein Zuckerschlecken", lauteten seine mahnenden Worte am Vorabend unserer Abreise nach Föhr.

Nordsee: Unnützes Wissen: Das ist kein FlugzeugträgerNordsee: Unnützes Wissen: Das ist kein Flugzeugträger
Unnützes Wissen: Das ist kein Flugzeugträger

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PACKT WARME KLEIDUNG EIN!
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Punkt acht Uhr schlägt Jan seinen Abschlag das erste Fairway des roten Platzes hinunter. Der Himmel über uns ist kristallklar und über dem Platz liegt eine majestätisch anmutende Raureifdecke. Noch ist eine Jacke notwendig, aber die Sonne hat selbst zu dieser frühen Morgenstunde schon erfreulich viel Kraft. Der 1929 gegründete Golf Club Föhr ist in den vergangenen Jahren zuerst auf 27 Löcher angewachsen und uns allen wird schnell klar, dass die spektakulären Schilderungen von Freunden, die bereits vor uns das Glück hatten, hier spielen zu können, kein bisschen übertrieben waren. Platzarchitekt Christian Althaus hat diesem Golfplatz waschechten Links-Charakter eingehaucht, und obwohl erst Anfang April ist, spielen sich die Fairways und Grüns schon erfreulich "fast and firm". Überhaupt die Grüns: Da die drei Neunloch-Schleifen in den nordfriesischen Farben mit jeweils rund 3.000 Metern nicht wirklich lang sind, hat der Architekt die Grüns als stärkste Verteidigung des Platzes konstruiert.

Nordsee: Üble Gesellen: Sprayer aus Österreich haben zugeschlagen. Prinzipienreiter: Niki Lauda setzt die Kappe niemals ab (r)Nordsee: Üble Gesellen: Sprayer aus Österreich haben zugeschlagen. Prinzipienreiter: Niki Lauda setzt die Kappe niemals ab (r)
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Bereits das erste Grün des gelben Platzes ist so groß, dass es hier Fahnenpositionen mit unterschiedlichen Postleitzahlen geben muss und die Breaks spotten jeder Beschreibung. Aber auch eine peinlich hohe Anzahl von Dreiputts kann uns die Laune kein bisschen trüben, und als Max kurz nach elf auf den letzten drei Spielbahnen des Vormittags sogar den Pulli auszieht und dank windstiller 18 Grad im Poloshirt spielt, fangen wir an, Fritz nicht nur wegen seiner Triple-Bogeys, sondern auch der großmütterlich übertriebenen Warnungen aufzuziehen: "Schau mal aufs Meers raus! Keine Wolke am Himmel und beinahe windstill. Was wir brauchen, ist Sonnencreme und keinen Friesennerz!" Doch Fritz gibt schon lange nichts mehr auf unsere Sticheleien: "Locht eure Putts und lasst uns zum Hafen fahren. Christopher wartet dort bereits auf uns."

WATT'N SCHEISS


"Alter schützt vor Torheit nicht" war stets eine der Lieblingsfloskeln meiner Oma. Warum sie mir diesen Satz zu Lebzeiten immer wieder ans Ohr nagelte, verstand ich ehrlich gesagt nie - schließlich wuchsen mir zu der Zeit die ersten Pickel auf den unbehaarten Wangen.

Zehn Jahre später sitze ich, frisch gebackener GolfPunk-Volontär, mit meinem deutlich älteren Chefredakteur auf einem vollgepacktem Schlauchboot und tuckere mit kaum zwei Knoten aufs offene Meer hinaus, während mir die Wellen meine Klamotten durchnässen. Plötzlich kommen mir wieder meine Oma und ihr Spruch in den Sinn. Mit Scham stelle ich fest: Ich machte mich jahrelang zu Unrecht über die alte Dame lustig! Sie sagte die Wahrheit. Denn was redete ich mir in der Redaktion gegenüber dem älteren Kollegen den Mund fusselig? Tagtäglich probierte ich, meinem in der Midlife-Crisis befindlichen Vorgesetzten einzutrichtern, dass man nicht mal eben so über den Blanken Hans tuckert, als wäre es der Bodensee! Sämtliche Bedenken meinerseits bewirkten höchstens ein abwertendes Lächeln. Da eine Diskussion unter diesen Voraussetzungen so viel Sinn macht, wie mit Bernd Höcke über Integrationspolitik zu reden, hielt ich meinen Mund. "Reden ist Silber, Schweigen ist Gold", wusste meine Großmutter schließlich ebenfalls schon. Somit besann ich mich im Hintergrund darauf, die Überfahrt bestmöglich zu planen, damit wir wenigstens den Hauch einer Chance bekamen.

Nordsee: Grauenhafter Pornotitel: 'Drei Männer, ein Loch'
Grauenhafter Pornotitel: 'Drei Männer, ein Loch'
Als wir im Hafen auf Föhr ankommen, schwant Jan, Redakteur Max und Patrick noch nicht, was uns unmittelbar bevorsteht. Im Gegenteil: Bei Sonne und angenehmen 14 Grad nach einer feinen Runde Golf ist die Stimmung prächtig. Vor lauter Vorfreude auf den Boots-Trip wird Jan sogar spendabel und organisiert Bier für die Überfahrt. Alkohol ist vielleicht gar nicht verkehrt, denke ich und schweige weiter. Als die drei das blütenweiße Gummiboot betreten, dämmert es ihnen wohl zum ersten Mal, dass die ganze Geschichte wohl doch nicht so komfortabel wird.

Die Liste an Problemen einer solchen Reise ist lang: Zwischen den drei Inseln Amrum, Föhr und Sylt wird das Wasser durch die Gezeiten kanalisiert und hindurchgedrückt. Dadurch entsteht eine rasend schnelle Strömung - bei Ebbe genau gegen unsere Fahrtrichtung. Ein weiterer, elementarer Faktor ist, dass wir für die kleine Quietscheente viel zu viele Personen sind. Während man solch ein Gefährt, das Roman Abramowitsch höchstens im Pool einsetzen würde, normalerweise zu zweit besteigt, sitzen wir mit fünf Mann, drei Golfbags, sechs Taschen und einem Haufen Kamera-Equipment an Bord. Dem stotternden 30-PS-Motor ist diese Mischung aus Strömung und Überladung zu viel, weshalb wir im Schritt-, nein, Schleichtempo gen Horizont schippern.

Golfplätze in der Region

Golf Club Föhr

Golf Club Föhr

3x9 Löcher - je Par 36 - 3.001, 3.017 & 2.877 Meter

Adresse:
Grevelingstieg 6
25938 Nieblum
Tel. 04681.580455
www.golfclubfoehr.de

Old-School-Parkland, klassischer Links und zeitgenössisch naturbelassenes Design - der Golf Club Föhr bietet auf 27 Löchern nahezu alles, was die Palette des Golfplatzdesigns zu bieten hat. Trotz diesen Füllhorns an unterschiedlichen Designphilosophien wirkt die Anlage kein bisschen inhomogen. Ganz im Gegenteil: Föhr bietet von allem schlicht das Beste und sollte ein Wallfahrtsort für Architektur-Nerds werden.

Greenfee:
69 Euro (18 Löcher)

Killerloch:
Spielbahn 3 des blauen Platzes ist bei Weitem nicht das schwerste Loch dieser Anlage, dafür aber das coolste. Verschiedene Spieloptionen und bildschöne Bunker machen dieses Loch zur Wucht.
www.golfclubfoehr.de

Golfclub Budersand

Golfclub Budersand

18 Löcher - Par 72 - 6.020 m

Adresse:
Fernsicht 1
25997 Hörnum
Tel. 04651.4492710
www.budersand.de

Greenfee:
70 bis 100 Euro (je nach Tageszeit)

Über den Golfclub Budersand wurde mit Sicherheit schon alles gesagt, weshalb es sich mittlerweile schon bis nach Garmisch-Partenkirchen rumgesprochen hat, dass hier oben auf Sylt einer der besten Golfplätze Deutschlands auf Gäste wartet. Kaum hat man den ersten Abschlag zwischen die Dünen geschlagen, stellt sich sofort Schottland-Feeling ein, wie es nur echte Links-Plätze erzeugen können.

Killerloch:
Loch 14 ist ein 391 Meter langes Par-4-Monster, das sich nicht nur leicht bergauf spielt, sondern auch entlang einer haushohen Düne verläuft, deren knietiefes Rough Bälle verschlingt wie Reiner Calmund Bratwürste.
www.budersand.de

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