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Die angenehmsten Orte der Welt

The Biltmore

20.10.2016 | Von Jan Langenbein

Im Süden von Miami zeigt Donald Ross seit beinahe hundert Jahren, was gutes Golfplatzdesign ausmacht. Kann man dann noch im gleichen Bett schlafen wie einst Al Capone oder Bill Clinton, sollte die Frage nach dem Ziel für den nächsten Golfurlaub hiermit geklärt sein.

Wenn Reisende von Urlaub in Miami sprechen, dann ist in 99 Prozent aller Fälle Miami Beach oder genauer gesagt South Beach gemeint. Das ist auch nur logisch, schließlich hat South Beach den Ocean Drive, auf dem getunte Karren spazieren gefahren werden, den Art Deco District mit seinem unvergleichlichen Farbenspiel, einen kilometerlangen Traumstrand, an dem sich Bikinischönheiten die für hier vorgeschriebene Bräune holen, und jede Menge Nachtclubs, die scheinbar niemals schließen. Selbst auf blasse, dickbäuchige Gäste aus dem Norden, die hier eigentlich nicht wirklich ins Bild passen, übt South Beach seit "Miami Vice" und den 80ern eine nahezu magnetische Anziehungskraft aus. Wo stieg TV-Mafioso Tony Soprano ab, als ihm die Luft in New Jersey zu dick wurde und er ein Flugzeug nach Miami bestieg? Natürlich in Miami Beach.

Wirklich konsequent ist das bei genauer Betrachtung allerdings nicht, denn als Sopranos übergroßer Vorgänger aus dem echten Leben Al Capone in Miami noch ab und an Abstand vom stressigen Gangsteralltag in Chicago suchte, tat er dies jedes Mal in Coral Gables, genauer gesagt im "Biltmore Hotel".

Coral Gables südlich von Downtown Miami verhält sich heute zur großen Stadt nebenan in etwa so wie Beverly Hills zu Los Angeles. Wer hier wohnt, lebt ohne Zweifel auf der Sonnenseite des Lebens, und das war bereits so gedacht, als George Merrick hier während des Landbooms im Florida der 1920er-Jahre eine Stadt im mediterranen Stil plante. An den breiten, von imposanten Bäumen gesäumten Strassen durften lediglich Häuser gebaut werden, die seinem ästhetischen Empfinden entsprachen, und als Merrick dann zusammen mit dem Hotelmagnaten John McEntee Bowman im Januar 1926 das damals mit zehn Millionen Dollar astronomisch teure "Biltmore Hotel" eröffnete, hatte Amerikas High Society einen neuen Hot Spot. An Superlativen mangelte es schließlich nicht, denn der imposante Turm des Hotels war zu dieser Zeit das höchste Gebäude Floridas und der riesige Pool war der grösste der Welt. Als Bademeister verdiente hier übrigens kein Geringerer als Johnny Weissmüller sein Geld, bevor er nach Hollywood ging, um sich an Lianen durch den Urwald zu schwingen.

Die angenehmsten Orte der Welt: Nur keinen Slice: Abschlag vor Al Capones Augen (l.) 80 Jahre später: alles deutlich grüner (r.)Die angenehmsten Orte der Welt: Nur keinen Slice: Abschlag vor Al Capones Augen (l.) 80 Jahre später: alles deutlich grüner (r.)
Nur keinen Slice: Abschlag vor Al Capones Augen (l.) 80 Jahre später: alles deutlich grüner (r.)
Auch Golf spielte im "Biltmore" schon immer eine große Rolle, denn bereits ein Jahr bevor das Hotel seine Pforten öffnete, wurde der von Donald Ross entworfene 18-Loch-Platz seiner Bestimmung übergeben. Bei all den Celebrities, gekrönten Häuptern und Gangstern, die das Hotel zu dieser Zeit bevölkerten, durften selbstverständlich die grössten Golfer der Vorkriegszeit nicht fehlen. Bobby Jones, Gene Sarazen und Tommy Armour trugen im "Biltmore" das Show-Match "Fiesta of the American Tropics" aus und 1931 waren die Miami Biltmore Coral Gables Open mit einem Preisgeld von 10.000 Dollar das höchstdotierte Golfturnier der Welt. Der Kanal, der sich heute noch als Bälle fressendes Wasserhindernis durch den Golfplatz zieht, war damals eine oft genutzte Wasserstraße, auf der Hotelgäste in echten venezianischen Gondeln zum wenige Kilometer entfernten Strand geschippert wurden. Die Party im "Biltmore" hätte ewig weitergehen können, würde Florida nicht regelmäßig von verheerenden Hurrikans heimgesucht und hätte es den Zweiten Weltkrieg nicht gegeben, denn kurz nachdem die Vereinigten Staaten in den Krieg eingetreten waren, wurde aus dem Luxushotel ein Krankenhaus mit 1.200 Betten.

Die Geschichte des "Biltmore" nach 1945 ist nicht weniger bewegt als seine frühen Jahre und erst 1987 nach einer Grundsanierung, die mehr als 55 Millionen Dollar verschlang, öffnete das First Class Hotel und Resort wieder seine Pforten für Gäste. Es passt zu dieser Stadt und diesem Hotel, in dem zwar schon die Präsidenten Clinton und Obama nächtigten, Theodore Roosevelt ein Büro während seiner Amtszeit im Weißen Haus unterhielt und Ginger Rogers und Bing Crosby während der Blütezeit des Jazz wilde Partys feierten, dass man sich auch der Anwesenheit der Halbwelt nicht schämt und die besten Zimmer des Hauses im 13. Stock stolz "Al Capone Suite" nennt. Hier wurde 1929 der Mafioso "Fatty" Walsh ermordet, eine Tat, mit der Al Capone vielleicht etwas zu tun hatte, vielleicht aber auch nicht.

Die angenehmsten Orte der Welt: Alles beim Alten: 'Essen ist fertig!'
Alles beim Alten: 'Essen ist fertig!'
Der Donald-Ross-Golfplatz wurde auch während der Zeit, als das Hotel seinem Schicksal überlassen wurde, weiterhin bespielt. Er gehört heute der Stadt Coral Gables und ist somit ein waschechter öffentlicher Golfplatz, versprüht aber trotzdem das Flair eines noblen Country Club unter Palmen. Die Qualität der Anlage wurde mit einer intensiven Renovierung im Jahre 2007 gesichert, als Brian Silva, ein Experte für Donald-Ross-Designs, mithilfe von Notizen des Großmeisters und alten Luftaufnahmen des Golfplatzes nicht nur längst zugewachsene Bunker wiederentdeckte, sondern auch das ehemalige Routing wiederherstellte. Heute ist der Biltmore Golf Course deshalb in den Vereinigten Staaten neben Pinehurst No. 2 und Seminole eines der besten Beispiele für das klassische Donald-Ross-Design, das den Golfern vom Tee viel Platz für die Abschläge lässt, den Schwierigkeitsgrad der Schläge aber immer weiter steigert, je näher das Grün kommt. Ross' Lieblings-Feature, der vorgelagerte Grünbunker, der in Wahrheit 35 Meter und mehr vor dem Grün liegt, dem Spieler allerdings optisch vorgaukelt, er würde direkt vor der Fahne liegen, ist auf Loch 9 zur Perfektion umgesetzt. Wer hier nicht weiß, dass sich zwischen Bunkerkante und Grünanfang tatsächlich noch mehr als 30 Meter Fairway befinden, wird auch nach einem perfekten Abschlag garantiert das Grün verfehlen. Eine Runde auf dem Biltmore Golf Course fühlt sich für jeden Golfer wie eine Reise mit der Zeitmaschine ins goldene Alter des Golfplatzdesigns an. Zwar stehen hier wie in Amerika allerorts üblich mit GPS ausgestattete Golfcarts zur Verfügung, man sollte diesen Platz allerdings erlaufen. Das war nicht nur Donald Ross' Idee hinter der Tatsache, dass zwischen jedem Grün und dem nächsten Abschlag jeweils nur wenige Meter liegen. Höhenunterschiede gibt es hier keine und das Routing führt gleich mehrmals am Clubhaus vorbei, die gnadenlose Sonne Floridas kann also jederzeit mit kühlen Budweisern bekämpft werden.

Es lohnt sich also, vor dem nächsten Urlaub in Miami einmal mit dem Gedanken zu spielen, South Beach dieses Mal links liegen zu lassen und Coral Gables und das "Biltmore Hotel" als Basislager zu wählen. Die jungen Damen, die hier am riesigen Pool ihre Margaritas genießen, sind mindestens genauso attraktiv wie ihre Kolleginnen am Ocean Drive, das Hotel ist nicht nur in puncto Geschichte, sondern auch beim Service und bei den kulinarischen Angeboten den meisten Konkurrenten in Miami Beach deutlich überlegen und für jeden Golfer ist der Donald-Ross-Golfplatz direkt vor dem Balkon ohne Zweifel ein nicht zu widerlegender Pluspunkt.

Sollte es im beschaulichen Coral Gables, das tatsächlich wirkt, als müsse man Haustüren des Nachts nicht abschließen, dann doch einmal zu ruhig und langweilig sein, Miami Beach ist mit dem Auto nur 25 Minuten entfernt und der Weg zum neuen Szenebezirk und Hipster-Eldorado mit all seinen Bars und trendigen Restaurants rund um die Wynwood Walls ist sogar noch kürzer. Es tatsächlich hinzukriegen, sich von diesem Golfplatz loszureißen, ist allerdings kein leichtes Unterfangen.

Golfplätze in der Region

BILTMORE GOLF COURSE

BILTMORE GOLF COURSE

18 Löcher, Par 71, 6.218 Meter

Adresse
1200 Anastasia Ave.
Coral Gables, FL 33134
Tel. +1 305.460.5364
www.biltmorehotel.com

Greenfee
ca. 98 Euro (Hotelgäste), ca. 108 Euro (externe Gäste)

1925 entwarf Golfplatzvisionär Donald Ross diese 18 Löcher und auch heute noch kann man an allen Ecken des Platzes die Designmerkmale des Meisters erkennen: Grüns, die umgedrehten Suppenschüsseln gleichen, Bunker, die optische Illusionen erzeugen, und kurzes Gras rund um die Grüns, das dem kurzen Spiel alles abverlangt. 2007 wurde der Platz für mehr als fünf Millionen Dollar aufwendig restauriert und erstrahlt seither in altem Glanz. Fairways wie Teppiche und perlweißer Bunkersand sorgen hier besonders bei Runden in den Abendstunden für GolfPorn-Erlebnisse am laufenden Band.

Killerloch
Loch Nummer 17 ist mit seinen 412 Metern und dem breiten Fluss direkt vor dem Grün ohne Zweifel der härteste Test des Biltmore. Riesige Bäume rechts des Fairways und Wasser auf der gesamten linken Seite machen schon den Abschlag zur echten Aufgabe.
www.biltmorehotel.com

GRANADA GOLF COURSE

GRANADA GOLF COURSE

9 Löcher, Par 36, 2.730 Meter

Adresse
2001 Granada Boulevard
Coral Gables, FL 33134
Tel. +1 305.460.53.64
www.coralgables.com

Greenfee
ca. 18 Euro

Was hierzulande einst der Dorfplatz war, ist in Coral Gables immer noch der Granada Golf Course. Hier treffen sich die Anwohner, um entweder auf dem ältesten noch bespielten Neunlochplatz Floridas (eröffnet 1923) eine Runde zu drehen oder einfach nur um auf der Terrasse des Clubhauses Freunde zu treffen und das Wetter zu genießen. Eine Runde kostet weniger als der Eintritt ins Kino nebenan, und auch wenn es sich ganz sicher nicht um Championship Golf handelt, eine schnelle Runde vor dem Frühstück hier ist ein großer Spaß.

Killerloch
Auf einem 93 Jahre alten öffentlichen Neunlochplatz? Ist die Frage ernst gemeint?
www.coralgables.com

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