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Quick-Interview

Max Schmitt

Von Jan Langenbein

Mit Max Schmitt ist Deutschlands bester Amateur vor Beginn der Saison nach einer unglaublichen letzten Amateursaison ins Profilager gewechselt. Höchste Zeit für eine Bestandsaufnahme nach sechs Monaten Profigolf.

GolfPunk: Wann hattest du zum ersten Mal einen Golfschläger in der Hand?
Max Schmitt: Das ist schwierig zu sagen. Mit fünf oder sechs Jahren haben mir meine Eltern zum ersten Mal Plastikschläger in die Hand gedrückt. Dann habe ich aber im Alter von sechs, sieben endlich angefangen, mit richtigen Schlägern zu trainieren. Ich bin mir nur nicht sicher, ob man Plastikschläger auch schon als Schläger definieren kann. [lacht] Aber auf jeden Fall in sehr jungen Jahren.

GP: Was betrachtest du selbst als das Highlight deiner Amateurkarriere?
MS: Auf jeden Fall das gesamte letzte Jahr. Ich habe wirklich sehr gut gespielt, drei Siege auf der Pro Golf Tour gefeiert und bei den BMW International Open in München den Cut geschafft. Dort habe ich leider am letzten Tag nicht so gespielt, wie ich wollte, aber trotzdem ist es eine Riesenleistung, bei einem European Tour Event den Cut zu schaffen. 2017 habe ich aus zehn Teilnahmen drei Siege zu geholt, dazu noch drei Top-drei-Platzierungen - das war auf jeden Fall das Highlight meiner Amateurkarriere.

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ES WAR EIN GROSSER ANSPORN, ALS AMATEUR BEI DEN PROFIS MITZUSPIELEN, UND ICH DENKE, DAS HAT MICH WIRKLICH WEITERGEBRACHT.
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GP: Gibt es etwas, an dem du diese Leistungsexplosion festmachen kannst? Hast du eine Veränderung an deinem Golfspiel gespürt?
MS: Nein, das kann ich so nicht sagen. Ich habe einfach die Pro Golf Tour als Startrampe für die ganzen Amateurturniere genutzt. Ich dachte mir, ich spiele einfach ein paar Turniere mit und schau mal, wie es läuft. Ehrlich gesagt war ich echt erstaunt, wie weit vorne ich dann mitspiele, wenn ich den Ball halbwegs treffe. Daher habe ich mich dann schnell nur noch auf die Pro Golf Tour konzentriert. Aber vor allem war es noch mal ein wirklicher Ansporn, denn ich hatte bis dahin schon alles gespielt, was man als Amateur spielen kann: Team-WM, Team-EM und die Einzel-EM. Es war ein großer Ansporn, als Amateur bei den Profis mitzuspielen, und ich denke, das hat mich wirklich weitergebracht.

GP: Was war das beste Handicap, das du als Amateur jemals erreicht hast?
MS: +6,6 war das beste Handicap, das ich erreicht habe. Das war letztes Jahr im Golfclub Hardenberg. In der ersten Runde habe ich dort sechs unter Par gespielt.

GP: Wie muss man sich nach solch einer Amateursaison die Entscheidungsfindung in Richtung Profikarriere vorstellen?
MS: Es war teils schwierig und teils einfach. Auch noch an dem Abend, nachdem ich mein letztes Turnier gewonnen hatte, war ich mir nicht sicher, ob ich das jetzt möchte oder nicht. Einerseits hatte ich die Challenge-Tour-Karte bereits sicher, was ein großer Pluspunkt war. Andererseits habe ich mir immer die Frage gestellt: Kann ich als Amateur noch irgendetwas spielen, was mich so sehr reizt, noch nicht ins Profilager zu wechseln? Ich hätte die US Amateur spielen können, ein Riesenturnier, aber ich wollte lieber bei den Profis Erfahrungen sammeln.

GP: Wie fällt nach dem ersten halben Jahr auf der Challenge Tour dein Fazit aus?
MS: Ziemlich gut. Die letzten Wochen habe ich nicht wirklich gut gespielt, die ersten zwei Drittel des ersten Halbjahrs liefen dagegen sehr gut für mich. Ich habe bei meinem ersten Profiturnier in Kenia nach zwei Runden geführt, wurde am Ende leider nur 18. In der Türkei wurde ich Vierter mit einem Gesamt-Score von -13. Nach diesen beiden Turnieren flachte die Formkurve leider etwas ab, aber ich merke an mir selber, dass ich wieder Fortschritte mache. Auch wenn der Score nicht so auf der Karte steht, bin ich guter Dinge, dass es bald wieder besser läuft. Es sind ja immer nur Nuancen, die entscheiden, ob man wirklich gut oder nur im Mittelfeld spielt. Deswegen ist es so schwer, auf der Challenge Tour immer ganz vorne mitzuspielen.

GP: Wie würdest du deine Art und Weise, Golf zu spielen, beschreiben? Wo liegen deine Stärken und Schwächen?
MS: Mein langes Spiel ist meine Stärke. Aktuell arbeite ich daran, meine Wedges wieder näher an die Fahne zu schlagen, denn in Belgien hat das nicht funktioniert. Dementsprechend weniger Birdie-Chancen konnte ich mir erarbeiten. Aber eigentlich ist mein Wedge-Spiel ziemlich gut. Beim Putten lasse ich normalerweise die meisten Schläge. Mein Anspruch ist in dieser Hinsicht aber auch sehr hoch. Weil ich mir immer sage, ich jeden Putt aus vier bis sechs Metern lochen sollte, sehe ich das als meine größte Schwäche, auch wenn das nicht wirklich der Fall ist.

GP: Du spielst einen Driver mit extrem wenig Loft: 8.5. Was steckt dahinter?
MS: 8,5 steht auf dem Schlägerkopf, ich habe ihn allerdings auf 7,5 Grad runtergeschraubt.

GP: Dann gehe ich mal davon aus, dass du eine ziemlich hohe Schlägerkopfgeschwindigkeit hast. Kennst du deine Track-Man-Daten auswendig?
MS: Eine hohe Schlägerkopfgeschwindigkeit ist es leider nicht, dafür aber ein sehr hoher Attack Angle. Deswegen brauche ich auch einen Schlägerkopf mit so wenig Loft, der es mir ermöglicht, diesen hohen Attack Angle überhaupt wahrzunehmen. Die Schlägerkopfgeschwindigkeit liegt bei einem normalen Drive irgendwo um die 111 bis 113 mph. Wenn ich einen guten Tag habe, komme ich auf 114 bis 115 mph. Mein Attack Angle liegt konstant zwischen +7 und +8. Ich schlage meinen Ball dadurch sehr hoch. Alle Gewichte in meinem Driver habe ich ganz nach vorne platziert, um weniger Spin zu generieren.

GP: Du hast auf der Pro Golf Tour gezeigt, dass du in der Lage bist, in einem Profifeld Turniere zu gewinnen. Was, glaubst du, braucht es, um auf der Challenge Tour zu gewinnen?
MS: Gute Frage! Pro Golf Tour und Challenge Tour sind zwei komplett unterschiedliche Welten. Man sagt ja auch, dass Challenge Tour schon fast auf dem Level der European Tour sei. Man braucht immer ein bisschen Glück, aber natürlich muss man auch mental 100 Prozent dabei sein.

GP: Gibt es abseits vom Golfsport andere Sportarten, in denen du richtig gut bist?
MS: Früher habe ich neben Golf noch einige andere Sportarten betrieben, mittlerweile ist es aber nur noch Golf, da es sehr zeitaufwendig ist. Bis zu meinem zehnten Lebensjahr habe ich Fußball und Tennis gespielt und ich war sehr oft Ski fahren. Als ich dann in den Golf-Nationalkader kam, blieb dafür keine Zeit mehr. Vor fünf Jahren war ich das letzte Mal Ski fahren. Ich habe mir fest vorgenommen, das zu ändern. Wenn ich Ski fahre, dann eher im Oktober oder November, damit ich, falls ich mich verletze, noch genug Zeit habe, mich wieder zu erholen. Aber ich hoffe natürlich, es bleibt alles heil.

 

Steckbrief

Alter: 20 Jahre
Profi seit: 2018
Wohnort: Andernach (Rheinland-Pfalz)
Lieblingsverein: FC Bayern München
Erfolge:
2014 Junior Ryder Cup (Team Europa)
2015 Team-Europameister (Einzelwertung Jungen)
2017 Starnberg Open (Pro Golf Tour)
2017 Royal Golf Anfa Mohammedia (Pro Golf Tour)
2017 Castanea Resort Championship (Pro Golf Tour)

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