Am ersten Abschlag:

Am ersten Abschlag

Hart an der Grenze

19.05.2020 | Von Jan Langenbein, Foto(s): Getty Images

Als nach überstandenem Shutdown nach und nach die Golfplätze wieder öffneten, standen eine handvoll Golfclubs vor einer skurrilen Situation: wie den bisher problemlosen Grenzverkehr regeln?

Das Coronavirus hat unser aller Leben verändert. Auch das Golfspielen wurde im Zuge des bundesweiten Lockdown untersagt. Anschließend wurden sich auf politischer Ebene wochenlang Köpfe darüber zermartert, in welchen Bereichen man sukzessive wieder Lockerungen zulassen kann oder auch nicht. Und weil man sich in Regierungskreisen an der einen oder anderen Stelle möglicherweise uneins und auch weil die "Gefährdungslage" regional unterschiedlich zu bewerten war, trat Artikel 20 des Grundgesetzes auf den Plan, in dem der Föderalismus als Staatsstruktur der Bundesrepublik Deutschland verankert ist. Für den Golfsport hatte das bisweilen skurrile Folgen, da manche Bundesländer das Golfspielen früher wieder erlauben konnten als andere. Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Rheinland-Pfalz waren die ersten, die den Golfhungrigen ab 20. April wieder Nahrung anboten. Zwei Tage später folgte Berlin, drei Tage darauf Bremen. Seit dem 04. Mai ist das Spielen in Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und dem Saarland wieder möglich. Niedersachsen und Hamburg zogen am 06. Mai nach, Nordrhein-Westfalen einen Tag später. In Hessen fliegen die Bälle seit dem 09. Mai wieder, und nachdem auch die Golfclubs in Bayern und Baden-Württemberg am 11. Mai ihre Pforten öffnen durften, ist das Spielen seit her wieder bundesweit erlaubt, wenn auch unter Einhaltung eines Hygienekonzepts und der Abstandsregeln.

So weit, so gut. So begab es sich aber, dass im Golfclub Bremer Schweiz zwei Wochen lang nur jene neun der 18 Löcher gespielt werden durften, die auf Bremer Bundesgebiet lagen: Die andere Hälfte des Platzes befindet sich geografisch in Niedersachsen und blieb gesperrt. Kurioser war und ist es im Golfclub Reit im Winkl im oberbayerischen Landkreis Traunstein. Dort befinden sich die Bahnen 1 bis 5 und die 18 auf österreichischem Staatsgebiet. Weil in Österreich schon am 01. Mai das Golfspielen wie der erlaubt wurde, durften österreichische Golfer auf diesen sechs Bahnen spielen. Das war möglich, weil der Weg vom fünften Grün zum 18. Abschlag auch nicht durch Deutschland führt. "Die Anzahl hielt sich natürlich in Grenzen, aber aufgrund der längeren Zwangspause gab es natürlich schon ein paar, die das auch getan haben", berichtet Clubmanager Martin Scholtys. Damit aber nicht genug: Mittlerweile ist auch in Bayern das Golfspielen wieder erlaubt, noch nicht aber der Grenzübertritt. Das bedeutet, dass die deutschen Mitglieder derzeit nur auf zwölf Bahnen spielen können, und dafür auch nicht ihr Clubhaus betreten können, denn das befindet sich 300 Meter tief in Österreich. "Zum Glück haben wir ein Partnerhotel auf deutschem Boden", so Scholtys. "Dort können unsere Mitglieder parken und dann auf der achten Bahn in die Runde einsteigen und zwölf Bahnen spielen." Den Vogel aber schoss für einige Tage die Situation im Golf Club Hamburg-Wendlohe ab: Dort liegt der Abschlag einer Spielbahn in Schleswig-Holstein, das Grün auch, Teile der Spielbahn aber in Hamburg - weshalb man diese 337 Meter lange Bahn kurzerhand zu einem weniger als 100 Meter langen Par 3 umfunktionieren musste.