Am ersten Abschlag:

Am ersten Abschlag

Herzschlag Finale

06.04.2021 | Von Jan Langenbein, Foto(s): Getty Images (1), DGV/Stebl (1)

Wie weit Justin Thomas seine Bälle auf der Tour schlägt, wissen wir ganz genau. Wie es dabei um seine inneren Werte bestellt ist, legt nun die Tatsache offen, dass er so freundlich war, in Sawgrass einen Fitness-Tracker zu tragen.

Am Fernsehschirm vermittelte Justin Thomas erfolgreich den Anschein, als hätte er alles unter Kontrolle, als er am Finalsonntag der Players Championship ab Loch 9 mit einem famosen Birdie-Birdie-Eagle-Birdie-Zwischenspurt die Führung übernahm und bis ins Clubhaus nicht mehr abgab. Wie die Daten seines Whoop-24/7-Fitness-Trackers, den der Amerikaner die gesamte Woche über trug, nun zeigten, hinterlassen der Druck einer Finalrunde und die Aussicht auf einen 2,7-Millionen-Dollar-Siegerscheck auch bei einem Major-Sieger messbare Spuren.

Thomas trug bei allen vier Turnierrunden einen Sensoren-Strap unter dem linken Ärmel seines Polos und die Auswertung der dabei gesammelten Daten macht deutlich, wie sehr die Anspannung während eines Sonntags ansteigt. Sein Belastungswert, den die Whoop-App bis zu einem Maximum von 21 errechnet, lag am Sonntag bei 16,4, während er in den ersten drei Runden konstant zwischen 13 und 14 gelegen hatte.

Die Belastung wird von der erhöhten Herzfrequenz eines Athleten abgeleitet und quantifiziert Dinge, die über die körperliche Anstrengung hinausgehen, wie beispielsweise den Stress und die Intensität einer Finalrunde beim höchstdotierten Turnier der Saison. An Momenten, die alle Zutaten aufweisen, den Puls in die Höhe zu treiben, mangelte es während Justins 68er-Runde am Sonntag keinesfalls. Während sein 5,84 Meter langer Eagle-Putt an der elften Spielbahn ins Loch fiel, erreichte Thomas' Herzfrequenz einen vorläufigen Höchstwert von 125 Schlägen pro Minute. Dieser Wert wurde jedoch spielend getoppt, als der Führende auf der letzten Teebox des Turniers auf Nummer sicher ging, zum Holz 5 griff und seinen Ball mit 265,5 Meilen in der Stunde auf eine 16,7 Meter hohe Flugbahn feuerte, um dann mit Entsetzen beobachten zu müssen, wie sein Pro V1 gefährlich in Richtung des riesigen Sees links des Fairways hookte. Bis auf 138 Schläge pro Minute schnellte sein Puls nach oben, denn mit einem hauchdünnen Vorsprung von nur einem einzigen Schlag auf seinen Verfolger Lee Westwood hätte ein Abschlag ins Wasser den beinahe schon sicher geglaubten Sieg mit großer Wahrscheinlichkeit baden geschickt.

Aufatmen und den Puls auf 120 Schläge zumindest vorläufig beruhigen konnte Thomas erst, als sein Ball nach 284 Metern keine drei Meter von den Planken des Wasserhindernisses zum Liegen kam. Mit einem Puls im Normalbereich gestand der frisch gekürte Sieger kurze Zeit später in der Pressekonferenz: "Ich war extrem nervös, als der Ball auf der 18 startete, und gab ihm höchstens eine Fifty-fifty-Chance, trocken zu bleiben. Ich wusste lediglich, dass ich eine richtige Rakete gezündet hatte, und je weiter der Ball auf dieser Spielbahn fliegt, umso besser stehen die Chancen, das Wasser zu verfehlen."