Am ersten Abschlag: Der Kunde ist König: Willkommen beim Kraftfahrt-Bundesamt!
Der Kunde ist König: Willkommen beim Kraftfahrt-Bundesamt!

Am ersten Abschlag

Karten auf den Tisch!

23.08.2021 | Von Jan Langenbein, Foto(s): Getty Images

Offenbar muss man keine U.S. Open gewinnen, um mit dem Major zum Millionär zu werden. Einem Betrüger, der sich 23.000 Eintrittskarten für das Turnier unter den Nagel riss, wurde nun das Handwerk gelegt.

So etwas hört man selten von einem amerikanischen Geschäftsmann: "Praktisch alle unsere Unternehmungen sind Verlustgeschäfte", gab USGA-CEO Mike Davis 2020 während einer Pressekonferenz zu Protokoll. Eigentlich ein Albtraum-Statement für jeden CEO, allerdings sollte es niemanden verwundern, schließlich sind die "Grow the Game"-Initiativen und Amateurmeisterschaften, die die United States Golf Association ausrichtet, alles andere als Devisenbringer. Zum Glück ist Mike Davis aber auch Herr über die US Open, die jährlich gut 165 Millionen Dollar in die Kassen seiner Organisation spült und somit für knapp 75 Prozent ihrer Gesamteinnahmen verantwortlich ist.

»
Dem Angeklagten drohen unter anderem eine Höchststrafe von 300 Jahren Gefängnis und eine Geldstrafe von 3.750.000 US-Dollar.
«

Solch astronomische Budgets ziehen unweigerlich auch zwielichtige Gestalten an, von denen einer nun das Handwerk gelegt wurde. Im August gab US-Staatsanwältin Jennifer Arbittier Williams bekannt, dass Anklage gegen den ehemaligen USGA-Angestellten Robert Fryer erhoben wurde, der einst als Assistenzdirektor in der Ticketvergabe unter anderem für die Zuteilung von Eintrittskarten für die US Open zwischen 2013 und 2019 verantwortlich war. Fryer "missbrauchte seine Position im USGA Ad missions Offi ce, um mehr als 23.000 US-Open-Eintrittskarten zu stehlen, alles ohne Wissen und Zustimmung der USGA", so Williams in ihrer Anklageschrift. Der Beschuldigte soll die Tickets, deren Gesamtwert über drei Millionen Dollar betrug, an Drittanbieter und Schwarzmarkthändler weitergegeben und dafür knapp 1,15 Millionen Dollar erhalten haben, die in seine eigene Tasche wanderten. "Der Angeklagte hat angeblich Einnahmen aus einem legitimen Unternehmen gestohlen, das Steuern zahlt, Angestellte beschäftigt und gemeinnützige Organisationen unterstützt", sagte Williams. "Kriminelle, die Ticketbetrug wie den nun aufgedeckten betreiben, machen sich die Vorfreude rund um Großveranstaltungen zunutze. Fans sollten daran denken, dass Eintrittskarten, deren Preise als' zu schön, um wahr zu sein' erscheinen, Anlass zur Vorsicht geben sollten."

Dem Angeklagten drohen unter anderem eine Höchststrafe von 300 Jahren Gefängnis und eine Geldstrafe von 3.750.000 US-Dollar. Darüber hinaus müsste Fryer der USGA eine Rückerstattung des entstandenen Schadens leisten. Der "Philadelphia Inquirer" berichtet, dass Fryer auf sein Recht auf Anklage durch eine Grand Jury verzichtet hat, was als Zeichen gewertet werden kann, dass er sich der Angeklagte schuldig bekennt.