Am ersten Abschlag:

Am ersten Abschlag

Money Boys

11.05.2021 | Von Jan Langenbein, Foto(s): Getty Images

Die PGA Tour hält es für nötig, dass die reichsten der Reichen in ihren Reihen noch reicher werden. Ob sie wollen oder nicht.

Das Timing der Ankündigung eines neuen Player-Impact-Programms war äußerst bescheiden, schließlich war die europäische Super League gerade erst am vehementen Protest der Fußballfans und sogar von Seiten der Politik gescheitert. Trotzdem hält es die PGA Tour für eine gute Idee, durch ein Bonussystem in Zukunft satte 40 Millionen Dollar pro Saison an die zehn populärsten Spieler auszuzahlen. Die Leistung der zehn Empfänger dieses Geldregens auf dem Platz spielt keine Rolle. Die Tour teilte mit, dass nun darüber Buch geführt wird, welche Spieler die "positivsten Auswirkungen auf den Bekanntheitsgrad der PGA Tour haben". Erfasst werden in diesem Ranking unter anderem das Nielsen Brand Exposure, das die Sichtbarkeit von Spielern und Sponsorenlogos bei TV-Übertragungen misst, das MVP Index Rating, mit dem der Wert eines Spielers in sozialen und digitalen Kanälen gemessen wird, die Anzahl der Google-Suchen eines Spielernamens und natürlich auch deren Aktivität und Nennungen in den sozialen Medien. Ein Algorithmus errechnet am Ende der Saison, welcher glückliche Mulitmillionär zusätzlich acht Millionen Dollar überwiesen bekommt. Brooks Koepka schlug umgehend vor, den Computern Arbeit zu ersparen: "Tiger Woods sollte automatisch die Nummer eins auf einer solchen Liste sein, er ist schließlich der Grund, warum wir jede Woche um so immense Preisgelder spielen." Altmeister Freddie Couples versteht die Welt nicht mehr: "Die Spieler mit den meisten Tweets und Likes dürfen noch 40 Millionen untereinander aufteilen? Ich dachte, die einzigen Tweets, die bare Münze einbringen, wären Birdies - tweet tweet." Grund für das Player-Impact-Programm ist ohne Zweifel die drohende Konkurrenz durch die Premier Golf League, ein aus Saudi-Arabien finanzierter Rivale zur PGA Tour, dessen erklärtes Ziel es ist, die größten Namen des Sports abzuwerben. Ob ein weiteres Bonusprogramm gut für den Sport ist und den Fans als legitimer Anreiz, weiterhin einzuschalten, dienen wird, ist fraglich. Schließlich existiert ein derartiges System mit dem FedEx Cup und seinem exorbitanten Gesamtpreisgeld von 70 Millionen Dollar bereits. Wie viel für die Besten der Besten im Profigolfzirkus am Ende einer erfolgreichen Saison tatsächlich übrig bleibt, zeigt das Beispiel des frisch gebackenen Masters-Champions Hideki Matsuyama. Bob Dorfman, Sport-Marketing-Experte bei Baker Street Advertising, glaubt, sein Major-Sieg könnte dem 29 Jahre alten Japaner schätzungsweise bis zu 20 Millionen Dollar pro Saison über die nächsten 30 Jahre einbringen. "Ohne karrieregefährdende Verletzungen oder Skandale würde ich sagen, der Masters-Sieg für Matsuyama ist 600 Millionen US-Dollar wert. Er ist nun eine echte Ikone in seinem golfbegeisterten Heimatland."