Good Morning, Augusta:

Good Morning, Augusta

Was war wichtig am Masters-Donnerstag?

13.11.2020 | Von Jan Langenbein, Foto(s): Getty Images

Die erste Runde ist noch nicht beendet, doch mit Tiger, Bryson und jeder Menge Matsch gibt es bereits mitten im ersten Viertel eine Menge Dinge, die du wissen solltest.

ABSOLUTE STILLE


Keine Zuschauer (Entschuldigung "Patrons") und jede Menge Platz abseits der Spielbahnen - es war klar, dass das Masters 2020 nicht nur wegen des ungewohnten Termins im November einen vollkommen anderen Look haben würde. Es waren jedoch nicht nur die ungewohnten Farben der Fairways, Grüns und Bäume in Augusta, die den Golffans vor den Fernsehern ungewohnt erschienen, sondern vor allem die oft nahezu gespenstische Stille. Mit der sagenhaften 65 von Paul Casey und Eagles an Par-5-Löchern wie am Fließband hätte es unzählige Möglichkeiten für ungehemmte Jubelstürme gegeben. Doch Augusta bleibt in diesem Jahr still. Das wirkt sich nicht nur auf die Atmosphäre der TV-Übertragung, sondern tatsächlich auch auf die Reaktionen der Spieler auf dem Platz aus. Tiger Woods beschrieb es nach seiner ersten Runde treffend: "Keine Zuschauer, kein Jubel! Wir mussten in einigen Situationen die Kameraleute fragen, wo der Ball gelandet ist, denn wir hatten keine Ahnung. Das ist sehr ungewohnt. So gesehen passt das aber gut ins Jahr 2020."

TITELVERTEIDIGER


Apropos Tiger Woods: T72, ein verpasster Cut bei den US Open und ein geteilter 51. Rang lauten die letzten drei Ergebnisse des Titelverteidigers. Nichts deutete also darauf hin, dass Tiger Woods mit einem konkurrenzfähigen Golfschwung in Augusta aufkreuzen würde, doch weit gefehlt. Seine makellose Auftaktrunde ohne ein einziges Bogey war sein erster Majorauftakt ohne einen einzigen Schlagverlust seit der PGA Championship 2009. Und sein Grinsen nach einem perfekten Schlag ins neunte Grün, seiner letzten Spielbahn in Runde 1, sprach Bände. Der Titelverteidiger ist alles andere als bereit dazu, sein Grünes Jackett abzugeben und hat für den hervorragenden Auftakt eine simple Erklärung: "Ich weiß, wie man diesen Golfplatz spielen muss. Ernährung zahlt sich hier in Augusta wirklich aus."



BRYSON STRAUCHELT


Im Vorfeld des Masters 2020 schien es nur ein einziges Thema zu geben: Bryson DeChambeau. Kein Wunder, schließlich gewann der Amerikaner mit den US Open 2020 nicht nur das zuletzt ausgetragene Major, sondern scheint mit seiner Hau-Drauf-Taktik auch wie gemacht dafür, Augusta National vollkommen zu überpowern. Es wurde sogar spekuliert, ob Bryson auf der Jagd nach noch mehr Länge vom Tee einen Driver mit einem 48-Inch-langen Schaft ins Bag nehmen würde und es wurde geraunt, er könne damit möglicherweise das erste Grün (!) vom Tee aus attackieren. Am gestrigen Donnerstag kam dann doch alles anders. Ein weicher und nasser Platz zog Bryson den Längenzahn und auch der Zauberdriver blieb in der Garage. "Ich habe während der Proberunde am Mittwoch einige Drives auf den Backnine mit dem 48-Inch-Driver versucht. Aber ich habe gemerkt, dass ich auch mit dem 45-Inch-Schaft alle Bunker aus dem Spiel nehmen kann und sehe daher den Sinn nicht, Genauigkeit für Länge zu opfern", erklärte er nach seiner 70er Auftaktrunde die unter anderem ein hässliches Doppelbogey auf Loch 13, einem eigentlich sicher geglaubten Birdie beinhaltete.



MATSCHBÄLLE


Wo eigentlich Jubelstürme zu hören sein sollten, dominierte am Donnerstag ein Wort die Audiokanäle der Fernseher: "MUDBALL!" schallte es immer wieder über die Anlage, denn der Regen des Vormittags sorgte dafür, dass nach nahezu jedem Abschlag ein nicht unerheblicher Teil Augusta National an den Spielgeräten der Pros klebte. Die Folge waren Horrorfehlschläge, wie sie nur durch eine erhebliche Unwucht des Balls zu erklären sind und zu verständlichen Gefühlsausbrüchen führten. Einige Spieler bezogen die ungewohnten Platzbedingungen sogar in ihre Spieltaktik mit ein. Wie zum Beispiel Xander Schauffele, der nach seiner Runde erklärte, absichtlich flachere Bälle vom Tee geschlagen zu haben, damit diese auf den feuchten Fairways weiter ausrollen konnten und somit etwas vom aufgesammelten Dreck wieder abschüttelten.

DER LANGE ARME DES CLUBS


Die Herren in den Grünen Jacketts im Clubhaus, denen nichts mehr am Herzen liegt als ihre Anlage im möglichst besten Licht zu präsentieren, ließen die Kommentatoren rund um Nick Faldo übrigens wissen, dass sie das Wort "Mudball" überhaupt nicht schätzen und erklärten es kurzerhand für Tabu. Bubba Watson hatte dieses Memo jedoch offensichtlich nicht erhalten, denn bereits auf der zweiten Bahn seiner Auftaktrunde beschwerte er sich bitterlich und ließ alle Zuschauer unmissverständlich wissen, was er von Erdreich an seinem Ball hält: "Damn Mudballs on every Hole!"