Good-Morning, Augusta:

Good-Morning, Augusta

Was war wichtig am Masters-Freitag?

14.11.2020 | Von GolfPunk, Foto(s): Getty Images

Als am Freitagabend die Sonne über Georgia unterging hatten noch nicht alle Spieler ihre zweite Runde beendet, doch es zeigte sich bereits, dass der Cut in diesem Jahr so niedrig liegen könnte wie noch nie.

GROSSE SHOW


Majorisier, Regeldisput oder komplette Implosion - wann immer Bryson DeChambeau in diesem Jahr auf einem Golfball drischt, passiert garantiert etwas außergewöhnliches und der Freitag in Augusta macht keine Ausnahme. Wer hätte gedacht, dass ein Turnierfavorit und amtierender US Open Champion auf Loch 3 im Augusta National Golf Club einen Ball verlieren kann? Zwar zählt der Grünkomplex zu den kniffligsten der Anlage, doch mit 320 Metern ist "Flowering Peach" das kürzeste Par 4 des gesamten Platzes und weder links noch rechts des Fairways lauern nennenswerte Gefahren. Brysons Hook an dieser Spielbahn verfehlte das Fairway auch nur um einige Meter, versank im feuchten Morast aber offensichtlich direkt nach Einschlag im Second Cut so tief, dass selbst gut zwei Dutzend Helfer nicht in der Lange waren, Brysons Ball innerhalb der vorgeschriebenen drei Minuten zu finden. Das Resultat: eine Fahrt im Golfcart zurück zum Tee und Reload. Am Ende stand ein hässliches Triplebogey auf der Scorekarte.
Spielpartner Jon Rahm fasste DeChambeaus Runde, die aufgrund der Dunkelheit auf der 13 unterbrochen wurde am Ende des Tages in drei Worten zusammen. Als ein Reporter den Spanier fragte, Ober der Bryson bei der Ballsuche geholfen haben, antwortete dieser mit einer Gegenfrage: "Welche Ballsuche meinst du?"

LANGER ATEM


Selbst Bernhard Langer bekommt mittlerweile zu spüren, dass er 63 Jahre auf dem Buckel hat. Das hält ihn jedoch nicht davon ab, weiterhin großartiges Golf zu spielen, sobald es um ein Grünes Jackett geht. "Meine Knie sind übel mitgenommen," kommentierte er seinen körperlichen Zustand nach einem harten Freitag an dem der zweifache Masters Champion insgesamt 26 Löcher spielen hinter sich brachte. Sein Halbzeitstand von -3 nach runden von 68 und 73 Schlägen sichert Langer nun allerdings einen weiteren Eintrag in die Geschichtsbücher, denn er ist nun der älteste Spieler aller Seite der in Augusta den Cut schaffte. Langer ist mehr als einen Monat älter als Tommy Aaron als dieser es im Jahr 2000 ins Wochenende schaffte.
Damit aber nicht genug der Ungeheuerlichkeiten der Golfkarriere des Bernhard Langer. Wie Joe Peta (@MagicRatSF) herausfand duellierte sich Langer bei Majorturnieren bereits mit keinem Geringeren als Gene Sarazen der im Jahre 1902 das Licht der Welt erblickte. Unglaublich!

RECHTSKURVE


Es ist eine der abgedroschensten Binsenweisheiten im Golfsport, dass man in Augusta nur mit einem Draw gewinnen kann. Martin Kaymer kann von diesem angeblichen Naturgesetz ein Lied singen. Aber stimmt das auch wirklich? Dustin Johnson ist auf dem besten Wege das Gegenteil zu beweisen, denn die Nummer 1 der Weltrangliste liegt mit -9 derzeit in geteilter Führung und navigierte seinen Ball dabei ausschließlich mit kontrollierten links-rechts Kurven behutsam über die Anlage. Johnsons Fades mit dem Driver sind dabei seine Geheimwaffe: "Ich bin wirklich zufrieden mit meinem Schwung im Moment," verriet er nach seiner 70 in Runde 2. "Meine Distanzkontrolle ist sehr gut ich habe lediglich auf den Par 5 Löcher schwach geputtet." Es sollte dem Spielerfeld zu denken geben, dass Dustin Johnson zur Halbzeit in geteilter Führung liegt obwohl er die Par 5 Löcher in Runde 2 lediglich even Par spielte. Was das Scoring angeht verfügt DJs Spiel also noch über jede Menge Luft nach oben.

DAS ERSTE MAL


Den Platz an der Sonne teilt sich Dustin Johnson unter anderem mit Abraham Ancer der seiner 68 in Runde 1 am Freitag eine 67 folgen ließ und bisher insgesamt erst drei Bogeys notieren musste. Zufrieden mit seinem Spiel war der Mexikaner allerdings noch nicht: "Ich habe heute vom Tee einige schlechte Schläger gemacht die mit in dieser Form sonst eigentlich nicht passieren. Doch glücklicherweise ist keiner dieser Drives bestraft worden." Das Masters 2020 ist Ancers erster Ausflug in den Augusta National Golf Club und sollte der Mexikaner am Sonntag tatsächlich das Grüne Jackett in Empfang nehmen wäre er der erste Rookie Sieger seit Fuzzy Zoeller dem dieses Kunststück 1979 gelang.

KONTERSPIEL WIE IN DER CHAMPIONS LEAGUE



Völlig egal, in welcher Form sich ein Rory McIlroy vor dem Masters Tournament befindet: Fakt ist, dass es im Vornherein nicht vorherzusagen ist, wie der Nordire abschneiden wird. Von der 65 bis hin zur 80 war in den vergangenen Jahren alles dabei. Obwohl die diesjährigen Erstrundenergebnisse vergleichsweise niedrig waren, fand man den vierfachen Majorsieger mit einer 75 im unteren Drittel des Leaderboards wieder. Zehn Schläge hinter der Führungsgruppe in den zweiten Tag gestartet, hatte man ihm gerade einmal zugetraut, den Cut zu schaffen. Aber nicht mit Rory: Die fehlerfreie Tagesbestleistung von 66 Schlägen katapultierte ihn wieder in die Top30. Damit hat der ehemalige Weltranglistenerste sich nicht nur deutlich für das Wochenende qualifiziert, sondern darf zudem auf eine Paarung mit der 63 jährigen Legende Langer hoffen, der schlaggleich auf dem geteilten 27. Platz verweilt.