Saisonstart 2020:

Saisonstart 2020

Ist denn heut' schon Weihnachten?

21.04.2020 | Von Rudi Schaarschmidt

In Teilen der Republik darf wieder Golf gespielt werden. Teile der GolfPunk Redaktion waren um 7 Uhr morgens die ersten am Abschlag. So ist`s gelaufen.

Darf man so etwas in Corona Zeiten schreiben? Darf man sich darüber freuen, endlich wieder Golf spielen zu können? Viele werden das pietätlos finden in diesen tragischen Zeiten. Viele werden mich aber hoffentlich auch verstehen, denn die Corona-Krise wird zwar zu einer Zäsur in unser aller Leben, aber jeder Schritt zurück zur Normalität und heraus aus den Einschränkungen ist objektiv begrüßenswert, egal ob es um Golfer, Tennisspieler oder Ruderer geht.

Wie sehr man etwas liebt, merkt man erst, wenn man es einem entzogen wird. Corona hat während des schönsten Frühlings seit es Wetter gibt für die längste Golfpause meiner Karriere und manch albernes Chip-Spielchen in meinem Garten geführt.

38 Tage! So lange hatte ich noch nie Golfpause. Doch am Montag den 20. April 2020, fand diese längste Abstinenz ein Ende! Weil neben den Golfplätzen in Mecklenburg-Vorpommern auch die in Rheinland-Pfalz ihre Tore wieder geöffnet haben. Im nordöstlichsten aller Bundesländer ist der Golf-Tourismus aus anderen Bundesländern untersagt. In Rheinland Pfalz dagegen nicht. Dort allerdings lassen einige Clubs in der Anfangsphase erst einmal ausschließlich ihre eigenen Mitglieder auf die Runde. Aber nicht alle.

Saisonstart 2020: Regelverstoß: Keine 10 Minuten vor Startzeit am Abschlag
Regelverstoß: Keine 10 Minuten vor Startzeit am Abschlag
Also: Um 5.15 Uhr aufgestanden, die knapp 150 Kilometer von meinem Wohnort bei Köln aus ins Golfresort Bitburger Land gebraust, um kurz nach 7 Uhr morgens am ersten Tee zu stehen. Strahlend blauer Himmel, herrlicher Sonnenschein, knackige sieben Grad. Aber hey, mir hätten auch Hagelschauer quer ins Gesicht peitschen können - ich habe es wirklich wahnsinnig vermisst. Es war auf der Runde zwar noch etwas Sand im Getriebe, aber es hat so unfassbar viel Spaß gemacht. Die großzügigen Fairways zu driven, war nicht das Problem. Leider hat - wie sollte es auch anders sein - das kurze Spiel in der 38-tägigen Abstinenz die gewohnte Schärfe eingebüßt. Und so sehr einen der hügelige Kurs in der schönen Eifel mit wundervollen Ausblicken verwöhnt, führen mir 38 Couch-Tage und der ein oder andere Vino Rosso auch einige konditionelle Defizite keuchend vor Augen.

Und bei Einhaltung der Hygiene-Vorschriften, ist Golf eigentlich die beste Quarantäne. Die wichtigsten davon lauten: Der Zutritt zur Golfanlage ist nur mit Startzeit erlaubt. Es gilt der Mindestabstand von 2 Metern zu anderen Personen. Es dürfen maximal 2er-Flights auf die Runde. Der Flaggenstock darf nicht berührt und nicht aus dem Loch entfernt werden. Es gibt keine Bunkerharken. Spuren sind mit den Füßen oder dem Schläger bestmöglichst zu beseitigen. Nach Beendigung der Runde ist die Golfanlage unverzüglich zu verlassen. Das habe ich getan und auf den 150 Kilometern nach Hause die Runde einfach gedanklich nochmal gespielt, allerdings ohne den ein oder anderen dummen Fehlschlag und somit mit einem deutlichen besseren Score und der entscheidenden Erkenntnis: Es geht wieder los. Endlich. Hoffentlich bald überall.