Am ersten Abschlag:

Am ersten Abschlag

Jason Dufner und der bizarrste Werbevertrag der Tour

15.07.2019 | Von Jan Langenbein, Foto(s): Mike Meyer, Getty Images

Arnold Palmer gab seinen Namen einst her, um Christbäume zu verkaufen, und Woody Austin trug gegen Bezahlung die grauenhaftesten Hemden der Menschheitsgeschichte - doch in der Ahnengalerie der bizarren Werbeverträge hat Jason Dufner nun seinen eigenen Thron. Aus Porzellan.

Ein Golfer ohne Mützensponsor ist wie ein Immobilienbesitzer ohne Mieter: verschenkter Grundbesitz. Bis zu eine halbe Million Dollar kann ein Spitzenspieler damit verdienen, mit dem Logo eines Sponsors auf der Kappe herumzulaufen. 2018 ließ der sponsorenfreie Jason Dufner daher jede Menge bares Geld auf dem Golfplatz liegen. Ab und an konnte er einen Deal für einzelne Turniere abschließen, aber meist trug er frei gewählte Caps. Manchmal nutzte er die Freifläche für schamloses Crowd-Pleasing, indem er Mützen eines lokalen Sportteams trug, ein anderes Mal standen auf seinen Mützen einfach Schlagwörter wie "Raw" oder "Boss". Aus diesem Grund fiel es zuerst auch gar nicht auf, dass Dufner seit dieser Saison mit dem Wort "Dude" auf der Mütze herumläuft.

Doch nach und nach wurde klar, dass Dufner nicht etwa ein Fan von "Ey Mann, wo is' mein Auto?" ist oder sich als Star einer Fortsetzung von "The Big Lebowski" ins Gespräch bringen wollte. Tatsächlich wirbt der PGA Champion von 2013 für die Firma Dude Products, die sich in "Shark Tank", der amerikanischen Variante von "Die Höhle der Löwen", einen Namen gemacht hat. Für 300.000 Dollar kaufte sich damals Dallas-Mavericks-Besitzer Mark Cuban 25 Prozent der Anteile an der Firma von Sean Riley, Ryan Meegan und Jeff Klimkowski. Ihre Innovation? Feuchttoilettentücher für Herrenhintern.

Nun ist die Geschichte des Golfsports mit peinlichen Werbedeals geradezu gepflastert. John Daly warb einst für die mit aufreizenden Kellnerinnen gespickte Restaurantkette Hooters, Robert Wrenn lief in den 90ern mit dem Logo des Kinder-Eisriegels Eskimo Pie umher und David Duval pries koffeiniertes Trockenfleisch an. Doch Hygieneartikel stellen noch einmal eine andere Eskalationsstufe dar und zudem werfen die Macher hinter Dude Wipes mit provokanten Sprüchen wie "Entdecke den ärgsten Feind des Arschhaares" um sich. Mit dem lässigen Dufner, der ohnehin wie der golfende Bruder des Charmin-Bären aussieht, haben die Dudes den idealen Partner gefunden - obwohl der Amerikaner bisher noch nicht verraten hat, ob er die Produkte auch selber nutzt. Angesprochen auf den neuen Werbe-Deal gab sich Dufner ganz pragmatisch. "Es war ganz einfach. Die Firma hatte die letzten Jahre großes Wachstum und wollte mir etwas Geld zuwerfen."

Für Dufner gibt es eigentlich nur ein Risiko bei dem Deal: kreative Golf-Fans. Denn je mehr von ihnen herausfinden, wofür das "Dude" auf seiner Mütze steht, desto eher wird jemand den für die PGA Tour typischen "Get in the hole"-Schrei auf den Slogan von Dude Wipes ummünzen: "Take it to the hole!"