Mulroy Links Tournament: Tag 1: Wenn Old Tom Morris zum Gruppenfoto bittet
Wenn Old Tom Morris zum Gruppenfoto bittet

Mulroy Links Tournament: Tag 1

Vom Winde verweht

07.10.2019 | Von GolfPunk

In der hintersten Ecke Irlands stellen wir uns der Herausforderung eines dreitägigen Linksgolf-Turniers. Was kann da schon schiefgehen?

Als im Sommer die Einladung zum dritten Mulroy Links Tournament in der GolfPunk-Redaktion aufschlug dachten wir noch: "Oha, Irlands Nordwesten kann Mitte Oktober wettertechnisch durchaus herausfordernd sein...". Und das ist freundlich ausgedrückt. Unsere Erwartungen waren apokalyptisch: Starkregen von der Seite bei Wind, der dafür geeignet wäre, die Aerodynamik neuer Automodelle zu testen. Aber wer lässt sich von ein bisschen Wasser und Luft davon abhalten, drei aufeinanderfolgende Turnierrunden auf Linksplätzen von Weltklasse zu spielen? Wir sicher nicht!
Denn genau das ist das Mulroy Links Tournament: ein drei Tage dauerndes Event, das alle Teilnehmer auf den beiden Linksplätzen des Rosapenna Resorts im County Donegal und dem Links Course des Portsalon Golf Clubs auf die harte Probe stellt.
Also ging es am 5. Oktober für zwei GolfPunk-Redakteure von Hamburg aus auf die Reise Richtung Dublin, von wo aus noch einmal 180 Minuten Autofahrt an eine der entlegensten Gegenden Irlands nötig waren. Im Kofferraum der Mietwagen wurden nicht nur zwei Golfbags, sondern auch derartig viele Regen- und Wintergolfklamotten verstaut, die Sir Edmund Hillary 1953 während seiner Erstbesteigung des Mount Everest unter Garantie mit Kusshand in Empfang genommen hätte.
Verschiedenste Wetterapps hatten uns schließlich auf das Schlimmste vorbereitet, doch als wir dann am Morgen des 7. Oktober am ersten Abschlag des Old Tom Morris Links in Rosapenna standen, war all die Schwarzmalerei schnell vergessen.

Tag 1: Reifeprüfung


Wir, das sind Patrice und Jan aus der GolfPunk-Redaktion und zwei schwedische Kollegen namens Martin und Daniel. Beim Mulroy Links Tournament wird nämlich in Viererteams gespielt und da auf jeder Spielbahn nur die beiden besten Scores ins Endergebnis einfließen, waren wir in freudiger Erwartung eines stressfreien Golftages.
Doch nach den Schlägen ins erste Grün wurde schnell bewusst, dass es nur Wunschdenken war. Es gelang uns nur mit Mühe und Not zwei Pars auf die Scorekarte zu bringen, während die andere Hälfte des Teams die Köpfe bereits schamvoll hängen ließ.
Nach einem weiteren Jahrhundertsommer in Deutschland mit unglaublichen Temperaturen und besten Golfbedingungen fühlten sich diese ersten Löcher hier wie ein komplett anderer Sport an. Windböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 75 Kilometern pro Stunde machen die Schlägerwahl zur Lotterie und die kräftig ondulierten Grünkomplexe samt dem obligatorisch brettharten Untergrund die Sache hier nicht wirklich einfacher. Erst auf Loch 8, einem 490 Meter langen Par 5 beginnen sich unsere Nerven nach Fabelergebnissen von einem Eagle, zwei Birdies und einem Par in unserer Vierergruppe ein wenig zu beruhigen.
Was folgt sind elf weitere Löcher, in deren Verlauf uns zwar ein gefühlter Orkan so manchen Drive auf Nimmerwiedersehen in Rough verbläst, das Grinsen allerdings kein einziges Mal aus den Gesichtern weicht. Schließlich schien uns nicht nur die Sonne auf den Pelz, sondern wir durften auch die famosen Back-Nine eines Linksplatzes genießen, die in dieser Form bereits seit über hundert Jahren Golfer aus aller Welt alles abverlangen.
Patrice schafft es dann mit einem Birdie-Birdie Finish eine sagenhafte 76 in Clubhaus zu bringen und ist sich sicher, dass diese 76 höher zu bewerten ist als so manche 68, die er bereits gespielt hat. Doch auch der Rest unseres Teams ist sich einig, dass wir uns an diesem Tag hervorragend ergänzt haben. Im Geiste sahen wir uns bereits an der Spitze des Leaderboards.

Mulroy Links Tournament: Tag 1: Spin mit dem Wedge? Fehlansage!Mulroy Links Tournament: Tag 1: Spin mit dem Wedge? Fehlansage!
Spin mit dem Wedge? Fehlansage!

Brutto ≠ Netto


Doch als wir bereits das wohlverdiente erste Guinness des Nachmittags genießen und der Buchhalter im Clubhaus die nach und nach eintrudelnden Scorekarten auswertet wird schnell deutlich, dass zwei Spieler mit extraordinären Handicaps von +1,3 und -3 im Flight zwar für einige Birdies und sogar ein Eagle gut sind, aber im Hinblick auf die Mulroy Links Tournament-Nettowertung eine satte Hypothek darstellen.
78 Nettopunkte reichen nach Tag eins für Team-Golfpunk gerade einmal für das Mittelfeld, doch morgen geht es nach Portsalon und dort werden die Karten neu gemischt. Noch ist Irland nicht verloren.

Mulroy Links Tournament: Tag 1: Es ist natürlich bei nur einem Tennent's gebliebenMulroy Links Tournament: Tag 1: Es ist natürlich bei nur einem Tennent's geblieben
Es ist natürlich bei nur einem Tennent's geblieben