Robert MacIntyre:

Robert MacIntyre

Vom lustlosen Debütanten zum Rookie of the Year

27.11.2019 | Von Patrice Schumacher, Foto(s): Porsche

Die neue schottische Golfhoffnung heißt Robert MacIntyre und hat gerade zwei Auszeichnungen gewonnen. 'Rookie of the Year' und 'Challenge Tour Graduate of the Year' - und das, obwohl er Anfang Mai noch ein Turnier wegen Lustlosigkeit absagte. Was führte zum Erfolg?

Ende April hatte Robert MacIntyre noch genug vom Golf. Sichtlich unmotiviert und frustriert beendete er die Trophee Hassan II in Marokko nach zwei Runden mit neun Schlägen über Par. Negativrekord in seiner noch jungen Karriere. "Nachdem ich den Cut in Marokko verpasst habe, hatte ich keinen Spaß am Golf und jeder in meinem Team wusste, dass es so ist. Also habe ich an dem Freitag das Folgeturnier in China abgesagt."

In seiner Situation eine mutige Entscheidung, ein Event aus dem Kalender zu streichen. Denn ein Neuling auf der Tour muss selbstverständlich gute Ergebnisse liefern, um die Tourkarte zu halten. Aber anstatt wichtige Punkte für die Rangliste in China zu sammeln, entschied sich MacIntyre für einen Wochenend-Trip mit seinen Freunden.
"Beim Shinty (eine schottische Form des Hockeys - Red.) spielen wurde mir bewusst, dass mein Job eigentlich kein Job ist", so Robert MacIntyre im Interview mit "The Scotsman". "Man macht es, weil es einem Spaß macht und mit der Einstellung bin ich in die letzten 17 Events gegangen. Geh auf den Platz und genieße es jede Woche, jeden Tag - und das habe ich dann auch getan."

Dass sich diese Erkenntnis ausgezahlt hat, wurde spätestens nach seiner ersten Majorteilnahme jedem Zuschauer bewusst. Ein geteilter sechster Rang bei der Open Championship bescherte ihm zahlreiche Punkte im Race to Dubai-Ranking und ganz nebenbei eine amtliche Summe von rund 278.000 Euro Preisgeld. Vor dem Tourfinale kamen einige Top10-Platzierungen hinzu, drei zweite Plätze und hohe Geldsummen hinzu. Die Entscheidung, mal eine Woche auszusetzen, ein paar Tage mit Freunden zu genießen und mal gar nicht an den Beruf zu denken, hat sich nach nur wenigen Monaten schon mehr als gelohnt.

In die letzten fünf Turniere ging der Schotte schon mit einer denkbar guten Ausgangssituation und ohne Zweifel, auch nächstes Jahr auf der besten Tour Europas zu spielen. Aus den Top20 war er gar nicht mehr wegzudenken: Vierter in Italien, Siebter in der Türkei, Achter in Südafrika und zum Abschluss noch einmal ein guter 14. Platz in Dubai. Über 1000 Ranglistenpunkte seit Mitte Oktober bescherte MacIntyre nicht nur den elften Platz im Race to Dubai, sondern auch die Auszeichnung "Challenge Tour Graduate of the year". Was aber viel mehr zählte, war der Sieg im Kampf um den Silberteller, den der beste Neuling der European Tour im Anschluss an die Saison in Empfang nehmen darf. "Als nach der Hälfte der Saison im Raum stand, dass wir beide Preise gewinnen können, habe ich mir mit meinem Team vorgenommen, alles daran zu setzen. Ich bin absolut überwältigt, dass wir es jetzt geschafft haben."

Mit dem geteilten 14. Platz durfte der 23-jährige noch einmal einen Check in Höhe von 76.408 Euro entgegennehmen. Sein Saisonpreisgeld liegt dadurch über der 2-Millionen-Euro-Marke. Sein nächstes Ziel? "Ich arbeite hart daran, mich in die Top50 der Welt vorzuarbeiten. Bis April möchte ich es schaffen, um das Masters zu spielen."