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Weltrekordgolfer im Interview

'Die härteste Erfahrung des Lebens'

20.09.2017 | Von Fritz Lüders, Fotos: Andrew King

Sie haben es geschafft! Adam Rolston und Ron Rutland spielten 2011 Kilometer Golf - quer durch die Mongolei. Nun fiel der finale Putt.

"Körperlich war ich noch nie so erschöpft", raunt Ron in sein Telefon, als wir ihn in Ulaanbaatar, der Hauptstadt der Mongolei, erreichen. Ron ist der Caddie, der für seinen Kumpel Adam mehrere tausend Kilometer Golf- und Survival-Ausrüstung schleppte. Es ging über Gletscher, durch dicht bewachsene Täler, durch Flüsse und Schnee sowie sprichwörtlich über Stock und Stein. Die Temperatur schwankte auf ihrer Abenteuerreise zwischen Wüstenhitze und arktischer Kälte. Während Ron Rucksäcke trug und einen bepackten Karren bergauf, bergab zog, schlug Adam den Ball Stück für Stück Richtung 18. Grün des Mt. Bogd Golf Course. 20094 mal, um genau zu sein.

Nun sind sie nicht nur Halter des Weltrekords für das längste Loch, sondern sammelten mit ihrer Aktion finanzielle Unterstützung für Laureus Sport for Good. Die europäische Stiftung finanziert weltweit Programme, um mit sportlichen Aktivitäten Gewalt und Diskriminierung zu verringern.

Weltrekordgolfer im Interview:
Überglücklich, aber auch überfertig, berichten uns die zwei Protagonisten anschließend von ihrer unglaublichen Reise durch die Mongolei und von dem längsten Loch der Welt.

Über den finalen Putt

Adam: Alles steht und fällt mit dem Ende. Über den letzten Putt habe ich wochenlang nachgedacht, sogar davon geträumt. Ob ich ihn wohl direkt reinmachen werde, oder doch hoffentlich nicht einen Dreiputt mache? Solche Fragen beschäftigten mich. Ja und dann musste ich plötzlich diesen langen, zittrigen Downhill-Putt machen. Als ich ihn reingehauen habe, war ich einfach nur erleichtert und glücklich.

Weltrekordgolfer im Interview:
Ron: Am vorletzten Tag war es kalt, regnerisch und die Temperatur fiel auf minus fünf Grad. Dann, etwa 15 Kilometer vor dem Ende, sahen wir unsere Freunde und Verwandte oben auf einem Berg warten. Die Sonne kam raus und all diese Leute gingen die letzten Kilometer mit uns. Manche hatten sogar Golfschläger dabei und spielten nebenher. Auf dem 18. Fairway empfangen uns gut 200 Leute und Kameras. Da die Felder davor tiefes Rough waren, musste Adam den Ball Meter für Meter aufs Fairway hacken. Was dann passierte, gleicht einem Mirakel. Als er den Putt versenkte, riss er die Arme hoch wie Tiger Woods beim Masters. Es muss ein Gefühl gewesen sein, als hätte er ein großes Turnier gewonnen. Und das hat er auch.

Weltrekordgolfer im Interview:
Über die Anstrengungen

Ron: Ich habe noch nie etwas härteres gemacht! (Ron fuhr bereits mit dem Fahrrad durch Afrika, Anm. d. Red.) Ich musste zu Fuß über 2000 Kilometer diesen Karren vollgepackt mit Equipment ziehen. Von den 80 Tagen haben wir nur an vier kein Golf gespielt, sondern pausiert. Und man darf auch nicht vergessen, dass ich schon 43 Jahre alt bin (lacht).

Über den härtesten Moment auf ihrer Reise

Adam: Der erste Abschlag erfolgte auf der Spitze eines Gletschers. Wir ritten fünf Stunden auf Pferden und ein Kamel schleppte den Karren. Statt gutem Wetter folgten viele bedeckte Tage mit Wolken. Es war kalt, regnerisch und schneite sogar. Wir verloren einige Bälle und kamen lediglich langsam voran. Wir fragten uns schnell: Wie zum Teufel sollen wir das nur schaffen?




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