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U.S. Open 2017

Mein erstes Mal

20.06.2017 | Von Jan Langenbein, Fotos: Getty Images

Neuer Platz, neuer Sieger, neues Drama: Bei diesen US Open lief kaum etwas wie erwartet und gerade deshalb ist der Globetrotter Brooks Koepka auch ihr perfekter Sieger.

2012, noch bevor er ins Profilager wechselte, spielte Brooks Koepka seine ersten US Open. Er verpasste im Olympic Club zwar den Cut, wechselte wenige Wochen später allerdings ins Profilager. Warum auch nicht? Schließlich schaffte es Koepka in den Jahren zuvor an der Florida State University dreimal in den All-American-Status. So weit, so normal. Doch im Gegensatz zu anderen amerikanischen College-Hengsten wie Jordan Spieth oder Rickie Fowler flog Koepka in seinem Heimatland immer ein wenig unter dem Radar. Als er sich auf der Q-School 2012 keine Karte für die PGA Tour sichern konnte, entschloss er sich zu einem ungewöhnlichen, beinahe unamerikanischen Schritt: Er wagte den Schritt über den großen Teich und begann auf der europäischen Challenge Tour, das Handwerk des Profigolfers zu erlernen. In den folgenden drei Jahren gewann er viermal auf der Challenge Tour und mit den Turkish Airlines Open 2014 dann auch ein hervorragend besetztes Turnier auf der European Tour. "Ich musste in diesen Jahren 20 neue Seiten in meinen Reisepass einbinden lassen, um genügend Platz für all die Stempel zu schaffen. Ich habe auf diesen Reisen aber gelernt zu gewinnen. Das ist das Wichtigste", resümierte er sein Leben als Globetrotter vor seiner Rückkehr in die Heimat 2015. Und er sollte recht behalten, denn endlich auf der PGA Tour angekommen gewann er mit den Phoenix Open gleich sein drittes Turnier auf der großen Bühne.

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ICH MUSSTE 20 NEUE SEITEN IN MEINEN REISEPASS EINBINDEN LASSEN, UM GENÜGEND PLATZ FÜR ALL DIE STEMPEL ZU SCHAFFEN.
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Brooks Koepka ist also der passende Gewinner der 117. US Open, denn genauso unkonventionell wie sein Aufstieg verlief auch das Major in Erin Hills. Zum ersten Mal seit 1994 fand ein Major ohne Tiger Woods und Phil Mickelson statt. Der Erste verpasste das Turnier, weil sein Körper den Dienst quittierte, und der Zweite zog es vor, den High-School-Abschluss seiner ältesten Tochter zu feiern. Zwar spekulierte "Lefty" auf eine vierstündige Regenverzögerung der ersten Runde, dann hätte er seine Startzeit geschafft, doch der Wettergott war auf Seiten der Fans auf der Anlage und nicht auf der von Mickelson. Die Sonne schien am Donnerstag über Erin Hills.

Am Wetter lag es also nicht, dass dann plötzlich ein Zeppelin, der zu Werbezwecken über der Anlage kreiste, vom Himmel fiel. Glücklicherweise überstand der Pilot den Crash.

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Am Freitag gesellten sich dann auch Dustin Johnson, Rory McIlroy und Jason Day zu den arbeitslosen Woods und Mickelson. Es war das erste Mal seit Einführung der Weltrangliste, dass die drei besten Spieler der Welt bei US Open den Cut verpassten. Um bei diesem Mangel an Superstars am Wochenende aber keine Langeweile aufkommen zu lassen, fasste sich Justin Thomas am Samstag ein Herz und prügelte am Moving Day zwei der besten Fairwayhölzer, die die Golfwelt je gesehen hatte, vom Abschlag auf das Grün der 15 und aus mehr als 275 Metern Entfernung vom Fairway auf das finale Grün. Dazu puttete er wie von Sinnen und stellte mit einer fantastischen 63 den bisherigen Rekord für die beste Runde bei US Open von Johnny Miller ein. Miller war dieses Kunststück in Oakmont 1973 gelungen und die Tatsache, dass er seinen Platz an der Sonne nun mit einem 24-jährigen Milchgesicht teilen muss, schmeckte ihm kein bisschen: "Ich möchte eine 9-unter-Par-Runde nicht schlechtreden, 9 unter Par unter dem Druck einer US Open ist unglaublich. Aber Erin Hills ist nicht wirklich Oakmont." Der folgende Social-Media-Shitstorm fiel mindestens so heftig aus, wie das Rough in Erin Hill hoch war.

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Das Drama während der 117. US Open spielte sich also außerhalb der Absperrungen ab. Als am Sonntag bereits nach zwei Spielbahnen klar war, dass Justin Thomas seine Fabelform vom Vortag im Hotelzimmer vergessen hatte und seine Drives Vogelwild über die Anlage droschen, hatte sich das heißeste Eisen schnell aus dem Titelrennen verabschiedet. "Heute lief es einfach nicht. Natürlich stinkt es mir jedes Mal, wenn ich nicht gewinnen kann, aber zu sehen, wie Brooks heute 5 unter Par gespielt hat, macht die Sache gleich viel erträglicher."

Was Justin Thomas nach seiner niederschmetternden 75 damit meinte: Gegen diesen Brooks Koepka war heute kein Kraut gewachsen. Koepka nutzte mit gnadenloser Effizienz die breiten Fairways von Erin Hills und wandelte mit einer vor Selbstbewusstsein strotzenden Körpersprache über die Back Nine des härtesten Major des Jahres, die keinen Zweifel daran aufkommen ließ, wer hier und heute der Chef im Ring war. Die zweitbeste Runde des Tages bedeutete am Ende einen ungefährdeten Sieg mit vier Schlägen Vorsprung vor Hideki Matsuyama sowie die Tatsache, dass die letzten sieben Major allesamt von Spielern gewonnen wurden, die nie zuvor einen solchen Titel abräumen konnten. Hat man gesehen, wie Brooks Koepka das Feld dominierte, fällt es schwer zu glauben, dass dieser US-Open-Triumph sein letzter bleiben wird.

 

US OPEN CHAMPIONSHIP

PosNameLandR1R2R3R4TotalPar
1KOEPKA, BrooksUSA67706867272-16
T2MATSUYAMA, HidekiJPN74657166276-12
T2HARMAN, BrianUSA67706772276-12
4FLEETWOOD, TommyUK67706872277-11
T5SCHAUFFELE, XanderUSA66737069278-10
T5HAAS, BillUSA72686969278-10
T5FOWLER, RickieUSA65736872278-10
8HOFFMAN, CharleyUSA70706871279-9
T9MULLINAX, TreyUSA71726968280-8
T9SNEDEKER, BrandtUSA70697071280-8
T9THOMAS, JustinUSA73696375280-8

Rickie Fowler, der bis vor den Back Nine ebenfalls noch um den Titel mitspielte, kann daran nichts Schlechtes finden: "Ich denke, das ist großartig. Es gibt eine Menge junger Spieler, die sehr talentiert sind. Das soll nicht heißen, dass die Veteranen aus dem Verkehr gezogen werden, aber wir lassen sie wissen, dass wir da sind." Vielleicht wird Fowler in Royal Birkdale in diesem Juli ja Nummer acht. Brooks Koepka hat da allerdings noch ein Wörtchen mitzureden.




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