Am ersten Abschlag: Texas: Doc Coody hält die Welt in Atem
Texas: Doc Coody hält die Welt in Atem

Am ersten Abschlag

Ein unmoralisches Angebot

05.07.2022 | Von Jan Langenbein, Foto(s): Getty Images

Anstatt es sich mit Ölmillionen auf der Couch gemütlich zu machen, wählt Pierceson Coody lieber den harten Weg auf die PGA Tour und ist damit sogar noch glücklich.

Sein Großvater Charles gewann 1971 das Masters und als College-Spieler an der University of Texas bewies Pierce son Coody, dass er nicht nur Nachfahre eines großen Golfers ist, sondern auch selbst jede Menge Talent besitzt, immerhin schaffte er es letztes Jahr an die Spitze der Amateur-Weltrangliste. Ein Superstar in spe, keine Frage. Doch ehe auf der PGA Tour um Titel und dicke Schecks gespielt werden kann, gilt es für den 22-jährigen Texaner, erst mal dorthin zu kommen, und Coody wählte für diese Saison den steinigen, unglamourösen Weg über die Korn Ferry Tour. Anno 2022 gibt es zumindest zu den dicken Schecks aber eine beträchtliche Abkürzung: LIV Golf. Schließlich benötigt Greg Normans Wanderzirkus nicht nur Topstars in der zweiten Hälfte ihrer Karriere, sondern auch Frischfleisch für die kommenden Jahre, zum Beispiel den amtieren den US Amateur Champion James Piot. Pierceson Coody stand offensichtlich ebenfalls ganz oben auf Normans Wunschliste, denn gegenüber Golf.com verriet der Jungpro, wie ein Rekrutierungsprozess für LIV abläuft. "Schon am College wurde ich oft gefragt, ob ich von der LIV-Tour kontaktiert worden sei, und ich sagte: 'Nein, nein, nein.' Als es tatsächlich passierte, war es einfacher, Nein zu sagen, als ich gedacht hätte", erklärte Pierceson im Vorfeld der Life and Work in Maine Open, seinem dritten Start auf der Korn Ferry Tour. Seit seinem Wechsel in das Profilager hatte er zu dem Zeitpunkt 31.125 Dollar eingespielt, sein Kontoauszug könnte aber auch anders aussehen: "Ich könnte mit Millionen auf dem Konto zu Hause auf der Couch sitzen und meinen Freunden auf der PGA Tour im Fernsehen zuschauen, aber das würde mich wirklich fertig machen." Schließlich lockte LIV mit mehreren Millionen Dollar Antrittsgeld für die Unterschrift unter einen Zweijahresvertrag. Zwölf Tage Bedenkzeit räumte LIV Coody ein, doch die waren gar nicht nötig. "Ich habe mich noch nie als einen LIV-Golfer, sondern immer als PGA-Tour-Golfer gesehen." Für einen letzten Sales-Pitch verlangte dann Greg Norman nach der Handynummer des Nachwuchsstars, wahrscheinlich um Mario Adorf zu zitieren: "Ich scheiß dich so was von zu mit meinem Geld, dass du keine ruhige Minute mehr hast." Doch diese Avancen unterband Piercesons Vater Kyle, der noch als sein Manager agiert, umgehend und gab seinem Sprössling einen väterlichen Rat: "Wenn du gutes Golf spielst, wird sich die Sache mit dem Geld ganz von selbst erledigen." Wenige Tage später gewann Coody das Turnier in Maine mit einer blitzsauberen 66 am Sonntag. Lohn dafür waren 135.000 Dollar und, viel wichtiger noch, die hohe Wahrscheinlichkeit, eine der 25 vollen Spielberechtigungen für die PGA Tour im kommenden Jahr zu ergattern. "Ich denke, ich habe die richtige Entscheidung getroffen", grinst er mit der Trophäe in der Hand.