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Schwungsequenz

Martin Borgmeier & Matt Wallace

Von Lee Cox, Steffen Kefer, Fotos: Mario Fuchs & Callaway Golf

Matt Wallace schlägt seine Drives auf der PGA Tour durchschnittlich 298 Yards weit. Long-Drive- Europameister Martin Borgmeier knackt regelmäßig die 400-Yards-Schallmauer. Wie kann das sein? Martins Coach Lee Cox und unser Experte Steffen Kefer nehmen die beiden unter die Lupe.

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ALTER
31 Jahre

WOHNORT
Bad Wörishofen

PROFI SEIT
2010

QUALIFIKATIONEN
mit Standorten in Deutschland, Mauritius und Curaçao. PGA Fully Qualified Teaching Professional sowie C- und B-Trainer des DOSB. Seine E-Learning-Website schult Einsteiger in den wichtigsten Grundlagen des Golfsports vom Equipment über die Regeln bis hin zur Technik.

www.projectgolfr.de
 
Schwungsequenz: Martin Borgmeier & Matt WallaceSchwungsequenz: Martin Borgmeier & Matt Wallace
Lee: Das Set-up der beiden ist gar nicht so unterschiedlich. Martin hat jedoch bereits begonnen, Körper und Schaft aufzuladen, indem er seinen linken Fuß stark in den Boden drückt, um seine Masse auf seine rechte Seite zu bringen.

Steffen: Auffällig im Set-up ist, dass Matt den Ball nur halb über dem Schlägerkopf positioniert, während Martin seinen Ball viel höher auf- teet - nur eine starke Aufwärtsbewegung des Schlägers im Impact macht so einen Treffer möglich.

Schwungsequenz: Martin Borgmeier & Matt WallaceSchwungsequenz: Martin Borgmeier & Matt Wallace
Lee: Viele Long Driver bewegen den gesamten Körper schon nach rechts, bevor sich der Schlägerkopf von der Stelle bewegt. So demonstriert es Martin hier auch, wodurch es ihm gelingt, noch mehr Kräfte in seinem System zu bündeln.

Steffen: Power versus Kontrolle - anstatt den Schlägerkopf mit maximaler Geschwindigkeit nach hinten zu bewegen, schwingt Matt ihn zwar langsamer als Martin zurück, im Vergleich zu Otto Normal-Golfer jedoch blitzschnell!

Schwungsequenz: Martin Borgmeier & Matt WallaceSchwungsequenz: Martin Borgmeier & Matt Wallace
Lee: Matt hat den höchsten Punkt erreicht, während Martin noch lange nicht fertig ist. Der Radius der Hände und wie weit sich der Schlägerkopf "um die Uhr" zurückbewegt, ist ein großer Faktor für hohe Schlägerkopfgeschwindigkeiten.

Steffen: Matt dreht im Verhältnis zu Martin seine Hüfte deutlich weniger auf, erreicht aber dennoch eine 90-Grad-Schulterdrehung - die Unterschiede zum Longhitter sind augenscheinlich, hier geht es dem Tour-Pro jedoch um Kontrolle.

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Lee: Am Ende des Rückschwungs fällt besonders auf, wie sehr Martins linker Fuß vom Boden abhebt und eine ausgeprägte Hüftrotation erlaubt, was ihm - dank erstklassiger Flexibilität - ermöglicht, seinen Torso bis zu 130 Grad zu drehen.

Steffen: Matt ist wieder auf dem Weg zurück zum Ball, während Martin extrem überschwingt. Matt leitet den Abschwung mit einem kleinen seitlichen Shift ein und sackt mit seinem Körper ein klein wenig nach unten in Richtung Ball.

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Lee: Martin verliert in diesem Moment 60 Prozent seines Körpergewichts, indem er sich erst nach unten fallen lässt, um vom Boden aus wieder nach oben zu explodieren. Matts Position ist wie aus dem Lehrbuch - einfach vorbildlich!

Steffen: Hier wird klar, dass Matt deutlich langsamer ist als Martin. Beide nutzen jedoch dieselben Kräfte. Der Engländer drückt sich bereits jetzt mit dem linken Fuß vom Boden ab. Bei Martin kommt dies später und deutlich explosiver.

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Lee: Martins linker Fuß ist zurück auf den Boden gestampft und er ist kurz davor, vom Boden aus zu explodieren. Gleichzeitig "wirft" der Long Driver seinen Schlägerkopf in Richtung Ball, um noch mehr Speed zu erzeugen.

Steffen: Während Matt den Schläger nach vorne freigibt, bewegt sich der Körper nach hinten - weg vom Ball. Auch dies beschleunigt den Schläger nach vorne und so können sich seine Arme durch den Treffmoment ausstrecken.

Schwungsequenz: Martin Borgmeier & Matt WallaceSchwungsequenz: Martin Borgmeier & Matt Wallace
Lee: Wegen der Bodenreaktionskräfte fliegt Martins linker Fuß nach hinten, um Verletzungen vorzubeugen. Durch die Torso-Rotation wird der Power-Move weitergeführt: Die linke Schulter bewegt sich von hier stetig weiter nach hinten herum.

Steffen: Ist der Körper aus dem Weg, also hinter dem Schläger, bleiben die Arme gestreckt und es entsteht ein weiter Radius mit den Händen auf Höhe des Brustbeins. Die zuvor aufgebaute Kraft entlädt sich bereits vollständig.

Schwungsequenz: Martin Borgmeier & Matt WallaceSchwungsequenz: Martin Borgmeier & Matt Wallace
Lee: Matt ist schon nahe seines Finishs, während Martin den Schläger entlang seines rechten Arms "wirft", um sicherzugehen, dass die angesammelte Power auch wirklich im Schlägerkopf und letztlich im Ball ankommt.

Steffen: Nun kommt der Oberkörper mit dem Kopf mit nach vorne und endet in einem ausbalancierten Finish. Im Gegensatz zu Martin hat Matt auch deutlich weniger Schlägerkopfgeschwindigkeit abzubremsen.

Schwungsequenz: Martin Borgmeier & Matt WallaceSchwungsequenz: Martin Borgmeier & Matt Wallace
Lee: Durch Martins enorme Fitness ist er in der Lage, diesen extremen Speed von über 150 mph abzubremsen. Nur wenige Spieler können sich bei diesen freigesetzten Kräften in Balance halten und ein solches Finish hinlegen.

Steffen: Wahrscheinlich nutzt Matt hier schon 95% seiner maximalen Leistung, die aber offensichtlich immer noch deutlich unter den Limits von Martin liegt. Im Wesentlichen bedienen sich die Beiden ähnlicher Kraftquellen, nur eben unterschiedlich stark ausgeprägt.

NAME
Martin Borgmeier
ALTER
30 Jahre
WOHNORT
München
PROFI SEIT
2018
LIEBLINGSTEAM
SC GW Paderborn
ERFOLGE
2018 European Long Drive Champion
Top Ten World Long Drive Ranking
398,67 Meter (längster Drive im Wettkampf)
231,9 mph (Ballgeschwindigkeit - inoffizieller Weltrekord)
NAME
Matt Wallace
ALTER
31 Jahre
WOHNORT
Hillingdon (England)
PROFI SEIT
2012
LIEBLINGSTEAM
Manchester United
ERFOLGE
2017 Open de Portugal (European Tour)
2018 Hero Indian Open (European Tour)
2018 BMW International Open (European Tour)
2018 Made in Denmark (European Tour)


 
Infobox

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ALTER
50 Jahre

WOHNORT
Barnet (UK)

PROFI SEIT
1993

QUALIFIKATIONEN
Lee ist PGA Fellow Professional und Leiter der Golfschule im "The Shire" nördlich von London. Der Long-Drive-Guru coachte Joe Miller 2010 und 2016 zum Long-Drive-Weltmeister. Zu seinen Schülern zählen neben Martin Borgmeier auch James Tait und Mike Gays (World Para Long Drive Champion 2018).

www.leecoxgolf.com

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