Kommentar - Warum die Weltranglisten-Punkte für LIV kein großes Ding sind

Kommentar Warum die Weltranglisten-Punkte für LIV kein großes Ding sind

04.02.2026 | Von Rüdiger Meyer

Jahrelang hat LIV für Weltranglistenpunkte gekämpft. Jetzt wo es so weit ist, ist das Gejammer auf allen Seiten groß. Dabei sind die Konsequenzen marginal.

Das Rauschen im Golf-Blätterwald war groß, als gestern bekannt wurde, dass das Komitee des Official World Golf Ranking mit sofortiger Wirkung beschlossen hat, Weltranglistenpunkte für die LIV Tour zu vergeben. Jahrelang hat der Saudi-Zirkus dafür gekämpft, zuletzt sogar das Format von 54 auf 72 Löcher umgestellt, um den Ansprüchen der Weltrangliste gerecht zu werden. Dem Team um CEO Scott O'Neill war klar, dass ohne die bereits zum Start versprochenen Weltranglistenpunkte die Attraktivität von LIV leidet - und damit die Chance, weitere Stars anzulocken. Jetzt wird es zumindest für die Top-10-Finisher Punkte geben.

Die PGA Tour gab sich kleinspurig und nahm die Entscheidung in einer knappen Pressemitteilung hin. LIV wiederum jammerte, es gebe zu wenig Punkte und sie seien die einzige Organisation, die solche Abstriche in Kauf nehmen müsse. Andererseits sind sie auch die einzige Organisation, die qualifizierte Spieler rauswirft, weil sie die falsche Nation haben, wie der Japaner Jinichiro Kozuma feststellen musste, der als 32. in der sogenannten Open Zone landete und rausflog, da sein Team Iron Heads in ein koreanisches Team umfunktioniert wurde.
Was sind nun die Folgen dieses Schritts? Unmittelbar erst einmal keine, da die Punkte nicht retroaktiv verteilt werden. Der Vorteil für LIV ist, dass die besten Spieler nicht länger ihre Punkte wegschmelzen sehen wie einen Gletscher in Grönland. Aber auch das Official World Golf Ranking profitiert, schließlich macht man sich nicht länger lächerlich damit, dass Jon Rahm fast aus den Top 100 der Weltrangliste gefallen ist.
Und auf lange Sicht? Kritiker befürchten, dass sich LIV Golf durch ihren geschlossenen Zirkus mit weniger als 60 Spielern die Punkte gegenseitig hin- und herschieben und die LIV-Spieler dadurch bevorteilt werden. Doch in Wirklichkeit sind die Auswirkungen eher marginal, wie ein Rechenbeispiel zeigt.

Wenn man mit den für das erste LIV-Turnier des Jahres 2026 errechneten Punkten für die Top 10 die letzten zwei Jahre zurückrechnet, sind natürlich die LIV-Dominatoren Jon Rahm und Joaquin Niemann die größten Profiteure. Rahm springt von Platz 97 zurück in die Top 20, und auch Niemann findet sich statt auf Platz 155 in der absoluten Weltspitze wieder. Entscheidend sind aber nicht die exakten Plätze, sondern wer es in die Top 50 (oder im Fall der PGA Championship in die Top 100) schafft, um sich Startplätze bei den Majors zu sichern. In den Top 50 würden sich Rahm, Bryson DeChambeau, Niemann, Tyrrell Hatton und Patrick Reed wiederfinden, wodurch einzig Niemann Startplätze erhält, die er zuvor nicht hatte. Für die PGA Championship könnten zudem Carlos Ortiz (aktuell 169.), die ohnehin in den Top 100 stehenden Tom McKibbin und David Puig sowie Dean Burmester und Sergio Garcia Hoffnungen machen. Das war es aber auch schon.

Der Grund dafür, dass es nicht mehr sind, ist bei den Spielern selbst zu suchen. Denn das OWGR hat einen kleinen Verteidigungsmechanismus: den Minimum Divisor. Jeder Spieler bekommt seine erspielten Punkte durch die Anzahl der gespielten Turniere geteilt, aber mindestens durch 40. Von allen LIV-Spielern liegen lediglich zehn bei 40 oder mehr Turnieren, alle anderen lassen Punkte auf der Strecke und verschenken dadurch eine bessere Weltranglistenplatzierung. Zu denen, die genug spielen, gehören Tyrrell Hatton und Patrick Reed, deren Weltranglistenplätze sich ironischerweise nach der neuen Regelung verschlechtern würden.

Die besondere Ironie der Geschichte: Die meisten Spieler sind zur LIV gegangen, weil sie weniger spielen wollten. Jetzt haben sie nicht nur wie früher vier Runden pro Turnier an der Backe - wenn sie weiterhin Majors spielen wollen, müssen sie neben ihren LIV-Auftritten eigentlich auch noch sieben weitere Turniere im Jahr bestreiten, um keinen Nachteil zu haben. Und da die PGA Tour weiterhin standhaft bleibt, müssen sie dies auf der DP World Tour (die gerade clevererweise die Strafen für LIV-Spieler eliminiert hat) oder der Asian Tour tun, wo die Punkte geringer und aufgrund der größeren Felder härter zu erringen sind. Ja, LIV mag ab sofort Weltranglistenpunkte kassieren. Aber die Relevanz und Attraktivität der Tour haben damit dennoch keinen großen Boost bekommen.

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