Doch dann kam im vergangenen Jahr die GolfPunk Challenge, bei der wir versuchten, mit einem BMW i8 den längsten Golfplatz der Hauptstadt zu spielen. 18 Löcher auf 18 Plätzen an einem Tag lautete die Aufgabe, und wie es die Routenplanung wollte, fiel das Finale furioso dieses von Benzin, Schweiß und leider auch Blut getränkten Tages nach Wilkendorf, wo wir mit Loch 17 auf dem Westside-Platz und Loch 18 auf dem Sandy-Lyle-Platz unseren Fantasy Golf Course abzuschließen hatten. Die Erinnerungen an diesen ersten Besuch auf der Anlage sind aus meinem Hirn gefallen und wahrscheinlich bin ich damals auch wie ein Zombie über den Platz geschlichen; schließlich bestand die Möglichkeit, dass ich wenige Stunden zuvor einen Totschlag mit einem Driver als Tatwaffe begangen hatte. Doch als zwei Tage später Entwarnung vom Opfer meines verzogenen Abschlags kam - es spielte bereits wieder Golf -, kamen auch verschwommene Eindrücke dieser letzten beiden Spielbahnen am Ende eines Marathontags zurück. Und die waren so positiv, dass ich so schnell wie möglich an diesen Ort weit östlich der Stadtgrenze zurückkehren wollte.

1991 begannen die Planungen und wenig später machte sich auch Sandy Lyle ans Werk und betrat Neuland. Nach 29 Profisiegen weltweit, darunter die Open Championship 1985 und das Masters 1988, wagte sich der Schotte hier im Nordosten von Berlin an sein erstes Design. Dass der Mann auf dem Golfplatz ein absoluter Könner war, ist kein Geheimnis. Seve Ballesteros ging sogar so weit, Lyle als das grösste Talent im Golfsport überhaupt zu bezeichnen: "Wenn jeder sein bestes Golf spielt, dann wird Sandy gewinnen und ich den zweiten Platz belegen." Mit den Massstäben des Maestros gemessen kann diese Aussage als Understatement in eigener Sache gewertet werden; was das Entwerfen von Golfplätzen angeht, musste sich der als Alexander Walter Barr Lyle Geborene seine Sporen erst verdienen und sein 1995 eröffnetes Debüt im Osten der Republik sollte ein furioser Einstand werden. Mit ein wenig Hilfe von European Golf Design baute der Schotte 18 Löcher in die nahezu unberührte Landschaft Brandenburgs, die auch guten Golfern vom ersten Abschlag bis zum letzten Putt alles abverlangen, dank breiter Drive-Landezonen den Stress-Level allerdings immer in erträglichen Höhen halten.

Golfplätze in der Region

GOLFPARK Schloss Wilkendorf SANDY-LYLE-PLATZ
18 Löcher, Par 72, 6.517 mAdresse
Am Weiher 1
15345 Altlandsberg-Wilkendorf
Tel. 03341.33.09.60
www.resort-schloss-wilkendorf.com
Greenfee
60 Euro (werktags)
75 Euro (Wochenende)
Alexander Walter Barr Lyle macht es den Spielern, die es mit seinem Platz vor den Toren Berlins aufnehmen, nicht leicht, wird aber lobenswerterweise nie unfair. Tiefe Bunker und im Spätsommer noch tieferes Rough lauern auf praktisch jeder Spielbahn überall, allerdings gilt "what you see is what you get". Nur ein einziger blinder Abschlag während der Runde bringt Erstbesucher hier ins Grübeln. Ein Spitzenplatz.
Killerloch
Die Signature-Löcher 16 und 17 ziehen zwar alle Blicke auf sich, doch der wahre Killer dieses Platzes ist Bahn 12: ein Par 4, das überhaupt kein Ende nehmen möchte.
www.resort-schloss-wilkendorf.com

GOLFPARK Schloss Wilkendorf WESTSIDE PLATZ
18 Löcher, Par 72, 5.763 mAdresse
siehe Sandy-Lyle-Platz
Greenfee
50 Euro (werktags)
60 Euro (Wochenende)
Umgerechnet zwei ordentliche Par-4-Löcher kürzer als der große Bruder nebenan ist der Westside-Platz zwar auch ein vollwertiger 18-Loch-Platz, aber eben etwas entspannter und gemütlicher als der von Sandy Lyle geschaffene Test. Die Crew in Wilkendorf pflegt beide Plätze mit der gleichen Hingabe; auch für den Westside-Platz lohnt sich also die Anreise ins tiefste Brandenburg. Die Grüns sind nämlich spitze.
Killerloch
Wahrscheinlich ist die kniffligste Aufgabe auf diesem Platz Loch 8. Dieses Par 5 hat außer einer Länge von 475 Metern allerdings keine weiteren ins Auge springenden Gefahren zu bieten. Wer sein A-Game mitbringt, kann hier jederzeit einen guten Score schießen.
www.resort-schloss-wilkendorf.com



