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Golf House

50 Jahre House Party

Von Rüdiger Meyer

Seit 50 Jahren ist Golf House die erste Anlaufstelle für Golfspieler, die auf der Suche nach coolen Klamotten oder heißen Eisen sind. Im Interview blickt Geschäftsführer Frank Ewers auf ein bewegtes halbes Jahrhundert zurück.

GOLF HOUSE WIRD 50 JAHRE, ABER NOCH BEEINDRUCKENDER FINDE ICH, DASS DU SCHON 40 JAHRE GOLF SPIELST. WIE WAR DIE GOLFWELT DAMALS?
Ich war damals in Kalifornien bei einem Studienfreund. Wir haben Tennis gespielt und gesurft und irgendwann fragte unsere Herbergsmutter: "Wollt ihr nicht mal Golf spielen?" Im Club wurden wir gefragt, ob wir überhaupt spielen könnten. Natürlich haben wir Ja gesagt: Wir waren Anfang 20, hatten eine gute Hand-Auge-Koordination - wie schwer konnte das schon sein? Wir wurden mit einem älteren Herrn in einen Flight gesteckt, der sich amüsiert hat, wie planlos wir waren. Er hat uns an die Hand genommen und erklärt, wie man sich auf dem Platz verhält. Danach waren wir so angefixt, dass wir jeden Abend für fünf Dollar auf irgendeiner Wiese gespielt haben.

UND ZURÜCK IN DEUTSCHLAND KAM DANN DER KULTURSCHOCK?
Das kann man so sagen. Golf war für mich cool und easy-going. Und plötzlich war alles reglementiert: Clubleben, Vorgaben, Strukturen. Damit hatte ich meine Schwierigkeiten. Wenn es nicht die öffentliche Driving Range am Volkspark gegeben hätte, hätte ich wohl wieder aufgehört.

UND WO HAST DU DAMALS DEIN EQUIPMENT GEHOLT?
Ich bin tatsächlich in die Hamburger Golf-House-Filiale in der Fehlandtstraße gegangen. Weil ich T-Shirt und Jeans anhatte, haben mich die Damen im Laden von oben bis unten taxiert und mir dezent zu verstehen gegeben, dass es hier keine öffentlichen Toiletten gebe und ich den Laden doch bitte wieder verlassen solle. Nach dieser Erfahrung war das Thema Golf House abgehakt.

20 JAHRE SPÄTER BIST DU DENNOCH GESCHÄFTSFÜHRER BEI GOLF HOUSE GEWORDEN. WAS FANDEST DU AN DEM JOB INTERESSANT?
Zum einen den unternehmerischen Reiz, in einem mittelständischen Unternehmen wirklich gestalten zu können. Und zum anderen natürlich die Möglichkeit, Hobby mit Beruf zu verbinden. Es macht einfach einen Unterschied, mit welchem Gefühl man morgens zur Arbeit kommt. Rein fachlich könnte ich auch ein anderes Unternehmen führen, aber hier ist einfach mehr Leidenschaft dabei.

WELCHE PROBLEME HATTEST DU ZU LÖSEN?
Hättest du damals die Golf-Community gefragt, wofür Golf House steht, hätten die meisten gesagt: Bekleidung. Hardware und Fitting eher nicht. Diese Kompetenz haben wir so massiv ausgebaut, dass wir heute mit über 10.000 Fittings im Jahr eine echte Größe sind. Die zweite Veränderung betraf unsere Filialen: raus aus kleinen Innenstadtläden und hin zu größeren Standorten mit Erlebnisfaktor, den "Points of Experience". Und ganz entscheidend: unsere Mitarbeitenden! Beratung und Service sind am Ende das, was uns unterscheidet. Gerade nach Corona haben wir gesehen, wie sehr diese Kompetenz geschätzt wird.

WIE HABT IHR DIE CORONA-ZEIT ERLEBT?
Für ein Unternehmen, das physisch die Läden schließen musste, war das ein Albtraum, besonders für unser Personal. Durch unser Onlinegeschäft konnten wir das Geschäft zum Glück ein Stück aufrechterhalten. Und nach Corona wiederum hatten wir einen unglaublichen Zulauf in unseren Filialen, weil die Kunden danach gelechzt haben, wieder in Kontakt zu kommen. Es gibt ja zum Teil fast schon freundschaftliche Beziehungen zwischen uns und unseren Kunden. Das ist ein sehr inniges Vertrauensverhältnis, das nach Corona noch intensiviert worden ist.

WIE FEIERT IHR EUREN 50. GEBURTSTAG?
Wir feiern zuerst mit unseren Kunden! Dafür haben wir mit unseren Lieferanten fantastische, einmalige und außergewöhnliche Gewinne auf die Beine gestellt, die man mit Geld nicht kaufen kann und die wir seit Ende März in Gewinnspielen und Aktionen wechselnd darbieten. Diese kommunizieren wir auf unserer Website und über unsere Newsletter. Dabei haben wir tolle Reisen zu den Headquartern der Marken, Pro-Am-Startplätze, signierte Produkte der Stars und mehr. Dann gibt es natürlich ein knackiges Verkaufsevent für unsere Kunden im Laufe des Jahres und last but not least die krönende Abschlussfeier für und mit unseren Mitarbeitenden. Das ist organisatorisch eine Herausforderung, weil sie auf über insgesamt 32 Filialen verteilt sind, aber darauf freuen wir uns sehr.

WELCHEN DER PREISE WÜRDEST DU DIR AUSSUCHEN, WENN DU FREIE WAHL HÄTTEST?
Das ist keine einfache Frage, denn es gibt so viele tolle Preise, wie zum Beispiel die Reisen in die USA, nach St. Andrews, Crans-Montana, Paris oder Stoke Park. Aber auch die Runde mit Freddy Schott ist sicher megacool. Zudem sind die signierten Bags oder Schläger echte Unikate. Du siehst: Bei der Fülle und Güte könnte ich mich schwer entscheiden. Wenn die Glücksfee mich ziehen würde, wäre ich mit jedem Preis superglücklich.

AM GEBURTSTAG ERINNERT MAN SICH JA ZURÜCK, ABER WIE BLICKST DU AUF DIE NÄCHSTEN JAHRE?
Man muss realistisch bleiben: Wir können nicht sagen, dass wir analog zur Tech-Branche in den nächsten drei Jahren unseren Umsatz verdoppeln. Der Golfsport wächst, aber langsam. Deswegen arbeiten wir an zwei, drei Modellen. So haben wir beispielsweise erste Gehversuche gemacht, mit ausgewählten Pro-Shops zusammenzuarbeiten. Parallel schauen wir, wo wir möglicherweise lokal Marktanteile für uns generieren können. Der Onlineshop bietet sicher ebenfalls noch weitere Optionen und es bleibt die Frage der Expansion ins Ausland. Wir haben das immer wieder auf dem Radar und prüfen, ob es neben Österreich und Tschechien weitere Länder gibt, die interessant sein könnten.

WONACH SUCHT IHR DIESE LÄNDER AUS?
Die zentrale Frage ist immer: Passt unser Geschäftsmodell in den Markt? Golf wird in anderen Ländern unterschiedlich gelebt. Deshalb prüfen wir genau, ob unser Konzept dort funktioniert oder angepasst werden kann. Oft ist es sinnvoller, bestehende Unternehmen zu übernehmen, statt neu zu starten. Man darf auch nicht vergessen, dass physische Standorte mit hohen Investitionen verbunden sind. Das muss wirtschaftlich tragfähig sein.

DIESE FRAGE STELLT IHR SICHER AUCH BEI EUREN EIGENMARKEN. IST DAS EIN ERFOLGSMODELL?
Wir haben mit Daniel Springs und Valiente seit vielen Jahren zwei Exklusivmarken, die zusammengenommen zu den drei Top-Textilmarken in Deutschland gehören - obwohl sie ausschließlich über Golf House vertrieben werden! Dazu kommen weitere Produkte unter der Marke Golf House sowie unsere Einsteiger-Schläger von Kenton. Das ist für uns ein wichtiges Wachstumsfeld.

SIND DEUTSCHE KONSUMENTEN SO MARKENAFFIN, DASS EXKLUSIVITÄT EIN ECHTER FAKTOR IST?
Exklusivität ist wichtig, auch wenn das Potenzial manchmal überschätzt wird. Ein Beispiel ist Malbon. Für uns war das eine Marke, bei der wir gesagt haben: Wenn wir die Chance haben, machen wir das. Uns war klar, dass Malbons US-Modell nicht eins zu eins in Europa funktioniert. Aber sie sind sehr spannend und bringen eine neue Zielgruppe mit. Es gibt Kunden, die nur wegen solcher Marken zu uns kommen. Gleichzeitig sehen andere Marken, wie wir solche Konzepte umsetzen, und fragen aktiv bei uns an.

UND WELCHE MARKEN HABEN DEIN VERTRAUEN? WIE SIEHT DEIN SCHLÄGERSATZ AUS?
Grundsätzlich habe ich als Geschäftsführer Vertrauen in alle Marken, die in unserem Sortiment sind. In speziell meinem Fall sind das der Mizuno-PX-Eisensatz, ein TaylorMade-Spider-Putter und die neuen Callaway-Quantum-Hölzer. Vorher habe ich vier Jahre Cobra-Hölzer gespielt. Mein Bag ist nicht komplett mit einer Marke bestückt, sondern auch ich gehe bei uns zum Fitting und frage: Welches Produkt passt am besten zu mir?

VERBINDET IHR DESHALB AUCH ONLINE UND FILIALE? DAMIT DER KUNDE SELBER WÄHLEN KANN?
Ja, das ist so. Unsere Wahrnehmung ist, dass wir mit unserem Geschäftsmodell, einem Mix aus Filialen und dem Onlineshop, sehr passend für die Bedürfnisse unserer Kunden aufgestellt sind. Als Qualitätsleader bieten wir unseren Kunden einen starken Dreiklang aus umfassendem Sortiment in modernen Filialen und im Webshop, dann exzellente Beratung/ Fitting sowie Service und Garantien zu einem fairen Preis. 50 Jahre darf man nicht ohne Grund feiern. Darauf sind wir stolz.

 

HISTORIE

1976 GRÜNDUNG
1981 ERSTE FILIALE
2000 START ONLINESHOP
2013 NEUES STORE-KONZEPT
2014 AUSLANDSEXPANSION
2026 JUBILÄUMSJAHR

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