
10
Amateure der Moderne mit denen aus der klassischen Ära zu vergleichen ist immer ein bisschen unfair. Damals spielten sie oft Jahrzehnte beim Masters mit, heute markiert der Auftritt in Augusta National meistens den unmittelbar bevorstehenden Wechsel ins Profi-Lager. Auch Sam Bennett ging so vor. 2022 gewann er die US Amateur Championship, qualifizierte sich damit für das Masters und erreichte in Augusta das beste Ergebnis eines Amateurs seit 18 Jahren. Nur vier Wochen nach seinem 16. Platz wagte der heute 25-Jährige den Wechsel ins Profi-Lager, wo Bennett als 31. der Korn Ferry Tour den Sprung zur Elite knapp verpasste und seither im Niemandsland darbt.SAM BENNETT
1X LEADING AMATEUR, BESTER SCORE: 286, BESTES RESULTAT: T16 (2023)

09
Ward war einer der profiliertesten Amateure der 1950er. Er gewann zweimal die US Amateur und einmal die Amateur Championship, blieb in drei Walker-Cup-Auftritten ungeschlagen und schaffte 1955 das Kunststück, sowohl bei der US Open als auch beim Masters Leading Amateur zu werden. Seinen achten Platz in Augusta National übertrumpfte Ward zwei Jahre später noch einmal, als er schlaggleich mit Arnold Palmer als Zweiter in die Schlussrunde ging, doch chancenlos gegen Doug Ford war, der mit einer sensationellen 66 das Feld überrundete. Danach spielte Ward nur noch zwei weitere Male beim Masters und schaffte dabei nie den Sprung ins Wochenende.HARVIE WARD
3X LEADING AMATEUR, BESTER SCORE: 288, BESTES RESULTAT: 4. (1957)

08
Casey Wittenberg steht an dieser Stelle auch stellvertretend für Ryan Moore, der ein Jahr später das exakt gleiche Resultat erzielte. Wittenberg liegt im direkten Vergleich allerdings leicht vorne, weil sein Abstand zu Sieger Phil Mickelson nur neun Schläge betrug, während Moore elf auf Tiger Woods und Chris DiMarco hatte. Und weil Wittenberg mit jeder weiteren Runde mehr bewies, wie ihm Augusta liegt: Auf eine 76 zum Auftakt folgten eine 72, eine 71 und zum Schluss eine 69. Das letzte Mal, dass ein Amateur besser war, war 42 Jahre vorher Charles Coe. Mit seinem 13. Platz qualifizierte sich Wittenberg darüber hinaus auch für das Master 2005, das er als Profi bestritt, wobei er ebenfalls den Cut überstand.CASEY WITTENBERG
1X LEADING AMATEUR, BESTER SCORE: 286, BESTES RESULTAT: T13 (2004)
07
2010 begann Augusta National damit, den Sieger der Asia-Pacific Amateur Championship zum Masters einzuladen. Die Entscheidung sorgte anfangs für Augenrollen, besonders als der Koreaner Han Chang-won 2010 das Turnier als Sechstletzter beendete. Doch dann kam 2011 der spätere Masters-Sieger Hideki Matsuyama, absolvierte das Turnier unter Par und ließ als 27. nicht nur sämtliche Amateure, sondern auch Sergio García, Dustin Johnson und Bubba Watson hinter sich. Vor allem aber gehört er zu den wenigen Amateuren der Neuzeit, die sich noch einmal qualifizierten. 2011 gewann Matsuyama erneut die Asia Amateur und überstand abermals den Cut beim Masters, bei dem er nur knapp die erneute Auszeichnung zum Leading Amateur gegen Patrick Cantlay verpasste.HIDEKI MATSUYAMA
1X LEADING AMATEUR, BESTER SCORE: 287, BESTES RESULTAT: T27 (2011)

06
Manchmal braucht man schlichtweg gute Beziehungen. Als das Masters noch Augusta National Invitational hieß, lud Bobby Jones einfach nur seine Freunde ein. Charlie Yates war einer von ihnen, wohnte er doch direkt neben Jones' Heimatclub East Lake in Atlanta. 1934 wurde Yates bester von elf Amateuren und auch in den Jahren 1937, 1939, 1940 und 1942 schaffte er es wieder zum Leading Amateur, landete dabei aber immer nur zwischen Platz 17 und 28. Dass er es sportlich verdient hatte teilzunehmen, bewies er aber spätestens 1938, als er die Amateur Championship in Troon gewann. Auch nach seiner Amateur-Karriere blieb Yates Augusta National noch verbunden und war jahrelang der Secretary des Clubs.CHARLIE YATES
5X LEADING AMATEUR, BESTER SCORE: 293, BESTES RESULTAT: T17 (1940)

05
Ironischerweise war der "Golden Bear" bei seinem besten unbezahlten Auftritt nicht einmal Leading Amateur. 1961 wurde Nicklaus Siebter, lag aber sechs Schläge hinter Kollege Charles Coe. Zu der Zeit hatte Nicklaus aber bereits einen Silver Cup im Schrank stehen - auch wenn er sich 1960 den Leading Amateur mit Billy Joe Patton teilen musste. Obwohl Nicklaus bei seinem Masters-Debüt 1959 den Cut verpasste, zeigten diese Auftritte bereits, dass er sich in Augusta National so wohlfühlt wie in seinem eigenen Wohnzimmer. Seine sechs Grünen Jacketts sind bis heute unerreicht. Drei davon kamen gleich in seinen ersten fünf Jahren als Profi.JACK NICKLAUS
1X LEADING AMATEUR, BESTER SCORE: 287, BESTES RESULTAT: T7 (1961)

04
Der Mann, der später als TV-Kommentator legendär wurde, ist eine der tragischen Masters-Figuren. Als Profi entriss ihm Arnold Palmer 1960 mit einem Birdie-Birdie-Finish das Grüne Jackett und als Amateur wurde Venturi 1956 Opfer seiner Nerven. Drei Runden lang dominierte der 24-Jährige das Geschehen und hatte sich vier Schläge Vorsprung herausgespielt, acht Löcher vor Schluss waren es gar fünf. Doch dann leistete sich Venturi fünf Bogeys, während Jack Burke jr. 1 unter Par spielte. Im Anschluss gab Venturi ein Interview, in dem er sich angefressen beschwerte, wie er von den Augusta-National-Granden behandelt wurde, die ihm für die Schlussrunde Sam Snead und nicht wie für den Führenden vorgesehen Byron Nelson als Spielpartner gaben. Kurze Zeit später entschuldigte er sich öffentlich, um im Folgejahr als Profi erneut eingeladen zu werden.KEN VENTURI
1X LEADING AMATEUR, BESTER SCORE: 290, BESTES RESULTAT: 2. (1956)

03
Selbst Bryson DeChambeaus Physis verblasst gegen Frank Stranahan: Der "Toledo Strongman" war Champion im Kraftdreikampf und versuchte sich nach seiner Golfkarriere als Marathonläufer. Unterrichtet von Bryon Nelson wurde Stranahan schnell zu einem der profiliertesten Jung-Golfer. Bevor er 1954 ins Profi-Lager wechselte, landete er bei sieben Masters-Starts fünfmal in den Top Ten und rückte 1947 mit einer Bogey-freien Schlussrunde bis auf zwei Schläge an Sieger Jimmy Demaret heran. Die Chance, ein Jahr später den verpassten Sieg nachzuholen, verspielte er, als er mit mehr als einem Ball in der Proberunde übte und dafür vom strikten Augusta-Chairman Clifford Roberts vom Turnier ausgeschlossen wurde.FRANK STRANAHAN
4X LEADING AMATEUR, BESTER SCORE: 283, BESTES RESULTAT: T2 (1947)

02
Beim Masters gibt es zwei goldene Regeln: Amateure können nicht gewinnen und für Rookies ist der Platz unspielbar. Billy Joe Patton hätte 1954 beinahe beide zugleich gebrochen. Bei unwirtlichen Bedingungen, die zum höchsten Sieger-Score der Masters-Geschichte führten, setzte sich der 31-Jährige bereits am Donnerstag an die Spitze und verteidigte die Führung auch am Freitag gegen keinen Geringeren als Ben Hogan. Eine schwache dritte Runde brachte Patton ins Hintertreffen, aber als ihm in der Finalrunde an Loch 6 ein Hole-in-one gelang, war B. J. wieder im Rennen. Umso bitterer, dass ihn ein Doppel-Bogey an der 13 den Sieg kostete. Auch wenn ihm 1958 und 1959 zwei weitere Top-Ten-Platzierungen gelangen: So nahe kam er dem Sieg nie wieder.BILLY JOE PATTON
3X LEADING AMATEUR, BESTER SCORE: 288, BESTES RESULTAT: 3. (1954)

01
Coe ist vielleicht der unbekannteste Superstar, den das Masters je gesehen hat - sicher, weil er nie Profi geworden ist. Seine Ehefrau fand es ein zu unstetes Leben für eine Familie, also ging Coe ins Ölgeschäft und spielte seine meisten Runden in Augusta National, wo er später Mitglied wurde. Der zweimalige US Amateur Champion hatte 19 Masters-Starts - mehr als jeder andere. Er wurde sechsmal Leading Amateur, brauchte 1961 nur 281 Schläge für das Turnier und schaffte sogar noch mit 46 Jahren den Cut. Alles Amateur-Rekorde, die bis heute Bestand haben. Bei seinen drei Top-Ten-Resultaten kam Coe 1961 dem Sieg am nächsten, als er mit sieben Schlägen Rückstand auf Gary Player eigentlich aussichtslos zurücklag, zwölf Löcher nichts davon abknabbern konnte, aber mit drei Birdies von der 13 bis 15 bis auf einen Schlag heranrückte und auf der 18 einen Putt zum Play-off nur um Zentimeter verfehlte.



