Masters 2026 - Rory McIlroy gewinnt auf Old School Art

Masters 2026 Rory McIlroy gewinnt auf Old School Art

13.04.2026 | Von Rüdiger Meyer, Foto(s): Imago Images

Rory McIlroys Masters-Sieg im letzten Jahr war kathartisch. Seine Titelverteidigung war vielleicht nicht so spektakulär, aber nicht minder historisch, denn als erst viertem Spieler in der 90-jährigen Geschichte des Masters gelangen dem Nordiren zwei Siege in Folge. Doch der Champion war nicht der einzige spannende 2 StunProtagonist des Finalsonntags.

Manche Masters-Turniere definieren sich über ihre Sieger: Jack Nicklaus 1986, Tiger Woods 2019, Rory McIlroy 2025. Andere definieren sich über ihre Verlierer: Roberto de Vicenzos falsche Scorekarte, Ken Venturis historischer Einbruch, Rory McIlroys Desaster 2011. Das Masters 2026, bei dem erneut Rory McIlroy die Hauptrolle spielte, liegt irgendwo dazwischen, denn der Finalsonntag war dank eines engen Leaderboards zwar spannend, die denkwürdigen Momente waren jedoch rar gesät. Das zeigte sich auch bei der Jubelpose des Nordiren auf dem 18. Grün, die zwar erleichterte Freude zeigte, aber verglichen mit 2025 verständlicherweise dezent ausfiel. Dass der Finaltag dennoch interessant war, lag nicht an einer einzelnen Geschichte, sondern an der Kombination vieler kleinerer.

Rory McIlroy

Nach 36 Löchern sah der Weltranglistenzweite mit sechs Schlägen Vorsprung bereits wie der sichere Sieger aus. Es schien, als habe ihn die Last, die ihm 2025 von den Schultern genommen wurde, beflügelt. Allerdings wurde der Auftakt von seinem sensationellen Spiel um und auf den Grüns getragen. Vom Tee und bei den Eisen zeigte McIlroy ungewöhnliche Schwächen, und das rächte sich am Samstag. Nach 13 Löchern war der Vorsprung aufgebraucht, doch er kämpfte weiter und sicherte sich trotz der siebtschlechtesten Runde des Tages noch den Platz im letzten Flight. Was folgte, war eine abendliche Dauer-Session auf der Driving Range, um der Ursache der Schwungprobleme auf den Grund zu gehen. Lange Zeit schien es vergeblich gewesen zu sein. Auf den ersten beiden Par 3 verfehlte er die Grüns und kassierte ein Doppelbogey und ein Bogey; nach neun Löchern lag er bei Even Par und war hinter seinen letztjährigen Playoff-Gegner Justin Rose zurückgefallen. Doch ein Geniestreich an der legendären 12 sorgte für die Wende. Mit einem der besten Eisenschläge, die Golden Bell 2026 gesehen hat, holte sich McIlroy das Birdie und die Führung und gab sie nicht wieder ab. Es war ein Sieg der alten Schule, denn dass ein Sieger am Wochenende Augusta National gerade einmal in Even Par absolviert, ist eine Seltenheit geworden. In den letzten 54 Jahren schafften es nur drei Masters-Champions nicht, an den letzten beiden Tagen in die roten Zahlen zu kommen: José María Olazábal 1999, Zach Johnson 2007 und Trevor Immelman 2008. Doch der andere exklusive Club, dem Rory beitrat, ist noch beeindruckender: Lediglich Jack Nicklaus, Nick Faldo und Tiger Woods gelang bisher die erfolgreiche Verteidigung des Grünen Jacketts.

Justin Rose

Der Engländer wird immer mehr zur tragischen Figur des Masters. Im letzten Jahr musste er sich erst im Playoff geschlagen geben und landete damit zum dritten Mal auf dem zweiten Platz beim Masters. Lediglich Tom Weiskopf hatte bei seiner vergeblichen Jagd auf das Grüne Jackett einmal öfter das Nachsehen. Mit einem verzitterten Putt an der 17 sorgte Rose zwar dafür, dass er nicht mit dem Amerikaner in dieser undankbaren Bestenliste gleichzieht, doch das wird den Schmerz über die erneute verpasste Chance auf Unsterblichkeit nicht ausmerzen. Ausgerechnet der Mann, der auf ewig für seine legendären Ryder-Cup-Putts in Erinnerung bleiben wird, wurde dabei vom Putter im Stich gelassen. Nachdem er sich mit einer blitzsauberen Front Nine in perfekte Position gebracht hatte, ging Rose ausgerechnet auf den vermeintlich leichteren Back Nine die Luft aus. An der 11 und 12 brachte er sich mit zwei mittelmäßigen Eisenschlägen in schlechte Positionen und verpasste das Up-and-Down, doch noch schmerzhafter dürfte die 13 gewesen sein. Nach zwei brillanten Schlägen trennten Rose nur 10 Meter vom Eagle, doch er ging mit dem Par vom Loch. Vier Schläge verlor Rose allein auf diesen drei Löchern auf McIlroy; am Ende fehlten ihm zwei zum Sieg. Für den US-Open-Sieger von 2013 war es die 12. Top-5-Platzierung bei einem Major und womöglich diejenige, über die er sich in der Rückschau seiner Karriere am meisten ärgern wird.

Scottie Scheffler

Dem Weltranglistenersten gelang etwas, was es beim Masters noch nie gab: Er spielte die letzten beiden Runden ohne einen einzigen Schlagverlust. Keine Frage: Vom Tee zum Grün war der zuletzt mit Schwungproblemen kämpfende Scheffler der dominante Spieler des Masters. Ein Blick auf die Strokes Gained von Data Golf zeigt: Hätte er 23 anderen Spielern seinen Putter in die Hand gegeben, wäre er heute erneut Masters-Champion. Doch den größten Fauxpas leistete sich Scheffler ausgerechnet auf den traditionell einfachsten Löchern von Augusta National - auch wenn die Grüns aufgrund der Trockenheit dieses Mal kaum anspielbar waren. 206 Birdies wurden während der Turnierwoche auf der 13 und 15 gespielt; Scheffler hatte nur eines. Dafür gingen zwei der 57 Bogeys auf seine Kappe. Auf das Turnier gerechnet lag jeder andere Spieler - Amateure, nicht mehr konkurrenzfähige Ex-Champions und Davis Riley eingerechnet - 1,5 Schläge unter Par. Scheffler lag 1 über Par, weil er mehrfach im Wasser landete.

Cameron Young

Als Young sich nach vier Löchern vom Feld abgesetzt hatte, soll jemand angeblich 100.000 Dollar darauf gesetzt haben, dass der Amerikaner nicht gewinnt. Hätte Young gewonnen, hätte man sich in Zukunft die Austragung des Masters sparen können und das Grüne Jackett gleich in Sawgrass vergeben können, denn seit 2024 sicherte sich der Gewinner der Players Championship auch immer den Masters-Sieg. Doch zu Youngs Verhängnis wurden weniger die Bogeys an Loch 6, 7 und 9. Als fataler erwies sich die Par-Serie auf den Back Nine. Allein auf den Grüns von der 12 bis zur 16 ließ Young so viele gute Birdie-Chancen aus, dass er 1,5 Schläge auf den Rest des Feldes verlor - fast die gesamte Differenz, die ihm am Ende auf McIlroy fehlte.

Collin Morikawa

So richtig ins Geschehen konnte Morikawa am Sonntag nicht mehr eingreifen, aber seine Leistung war vermutlich die bemerkenswerteste im gesamten Feld. Seit er vor über einem Monat bei der Players Championship mit einer Rückenverletzung zurückgezogen hatte, hatte der Amerikaner keine Turniererfahrung mehr. Sein Körper hielt ihn beim Laufen so sehr zurück, dass man ihm am Sonntag am liebsten einen Rollator auf den heiligen Rasen gestellt hätte. Morikawa bezifferte seinen Fitnessstand auf etwa 50 Prozent, und dennoch schaffte er es nicht nur ins Wochenende, er spielte sich mit einer unglaublichen Birdie-Serie auf den Back Nine am Sonntag noch auf den 7. Platz. Für Morikawa ist es das vierte Top-10-Resultat in den letzten fünf Jahren und das fünfte Top-15-Ergebnis in Folge. Lediglich Scottie Scheffler hatte seit 2022 eine solche Konstanz.

Haotong Li

Der Chinese war in einer perfekten Position, um sich die Startberechtigung für 2027 zu sichern, doch mit einer 80 stürzte er vom 6. Rang auf den 38. Platz ab. Und nahezu alles davon geschah auf zwei Löchern. Auf der 12 fand Li zweimal Rae's Creek und ging mit einem Triple-Bogey vom Loch. Direkt danach haute er seinen zweiten Schlag in die Botanik, grub mehrere Schläge lang die Blumen um, puttete vom Grün in Rae's Creek und ging mit einer 10 vom Loch.

Teilen: