Masters 2026 - Rory McIlroy schreibt erneut Major-Geschichte

Masters 2026 Rory McIlroy schreibt erneut Major-Geschichte

11.04.2026 | Von Rüdiger Meyer, Foto(s): Imago Images

Der Masters-Freitag wurde zu einer Machtdemonstration von Rory McIlroy. Der Titelverteidiger setzte sich mit einer 65 so sehr vom Rest des Feldes ab, dass eines bereits zur Halbzeit klar ist: der Nordire schreibt Geschichte

Als Rory McIlroy im vergangenen Jahr bei einem der spannendsten Masters-Finale aller Zeiten seinen Fluch besiegte und das Grüne Jackett sowie den Karriere-Grand-Slam einfuhr, war bereits auf dem Grün zu sehen, wie viel Last von ihm abgefallen ist. Doch wohl keiner der Zuschauer oder Konkurrenten ahnte so richtig, was das bedeutet. Denn an den ersten zwei Tagen des Masters 2026 ist klar geworden, wie ein befreit aufspielender Rory McIlroy in Augusta National wirkt: unschlagbar.

Bereits am Donnerstag war der Weltranglisten-Zweite mit einer 67 gut in der Spur, doch zahlreiche Konkurrenten waren noch in Schlagdistanz. Doch als 24 Stunden später die Letzten von der Anlage gingen, war klar, dass McIlroy nicht einmal mehr in Sichtweite ist. Was für alle anderen die Alarmglocken sogar noch mehr schrillen lassen sollte, ist Folgendes: Rory war bisher noch nicht einmal in Bestform, denn ausgerechnet seinen Driver hatte er an den ersten beiden Tagen nicht im Griff. Von den 91 Spielern im Feld traf lediglich Davis Riley weniger Fairways. Der Amerikaner liegt mit 18 über Par auf dem letzten Platz, Rory mit 12 unter Par in Führung. Da Augusta National nicht nur sprachlich kein Rough hat (hier spricht man vom Second Cut), sondern man selbst bei deutlich verfehlten Fairways immer noch die Chance hat, mit einem brillanten Recovery-Cut zwischen oder unter den Kiefern zu entkommen, hat dies in der Regel weniger Folgen - besonders, wenn man mit einem so brillanten Allround-Spiel gesegnet ist wie McIlroy. Den zweiten Tag in Folge etwa fand sein Drive an der 2 den Fairwaybunker - und zum zweiten Mal ging Rory mit einem Birdie vom Loch. Als er auch noch an der 3 und besonders an der 4, dem schwierigsten Loch des Turniers, Birdies nachlegte, schien sich bereits Historisches anzudeuten. Sein Bogey an der 5 stoppte diesen Lauf nicht, er verschob ihn nur, denn was der fünffache Major-Sieger ab der 12 produzierte, hatte Augusta National in 92 Jahren noch nicht gesehen.

Mit Ausnahme von Loch 14 notierte Rory an jedem Loch ein Birdie. Obwohl er an der 13 und der 15 aus den Kiefernnadeln pitchen musste, hatte er dabei keinen Putt, der länger als 2,5 Meter war, und chippte auf dem einzigen Grün, das er in Regulation verfehlte, mal eben aus 25 Metern ein. Das Ergebnis: Mit 12 unter Par geht McIlroy mit 6 Schlägen Vorsprung auf Sam Burns und Patrick Reed in die letzten beiden Tage. Man muss schon lange in den Geschichtsbüchern von Augusta National suchen, um etwas Vergleichbares zu finden. Und manches findet man auch gar nicht. McIlroy ist der Einzige, der jemals vier Runden unter 66 Schlägen auf dem heiligen Rasen von Augusta ins Clubhaus gebracht hat. Noch nie zuvor ist ein Titelverteidiger beim Masters mit einem besseren Score ins Turnier gestartet. Und seitdem das Masters existiert, hatte niemand einen größeren Vorsprung als der amtierende Champion.

Diese Ausgangslage bedeutet automatisch, dass Rory McIlroy am Wochenende Geschichte schreiben wird. Sollte er, was man sich kaum vorstellen kann, den Vorsprung noch verspielen, wäre es ein Kollaps historischen Ausmaßes, vergleichbar mit Greg Normans Desaster 1996. Doch auch wenn McIlroy gewinnt, was die Buchmacher aktuell mit 74 % Wahrscheinlichkeit beziffern, ist es historisch. Erst dreimal zuvor konnte jemand seinen Masters-Titel erfolgreich verteidigen: Jack Nicklaus 1966, Nick Faldo 1990 und Tiger Woods 2002 - und keiner von ihnen schaffte es dabei, in jeder Runde seiner Titelverteidigung in Führung zu liegen. Sollte McIlroy das halten, würde er sechs Masters-Runden in Folge von der Spitze grüßen. Dies wäre allerdings nicht historisch: Jordan Spieth schaffte 2015/2016 sieben Runden in Folge, bevor er seine Hoffnungen auf eine Titelverteidigung in Rae's Creek versenkte. Wenn Rory McIlroy das vermeidet, stellt sich am Sonntag nur noch eine Frage: Wer zieht Rory das Grüne Jackett an? Schließlich ist es Tradition, dass der Vorjahressieger beim Weg in das begehrte Kleidungsstück hilft. Diese Ehre würde in diesem Fall Masters-Chairman Fred Ridley zufallen, dessen Vorgänger Clifford Roberts, Hord Hardin und Hootie Johnson bereits Nicklaus, Faldo und Woods den richtigen Weg in die Ärmel wiesen.

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