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Dominik Grass

Die erste Links!

Von Dominik Grass, Fotos: Kai Weise, Location: Golfclub Budersand

Egal ob in Schottland oder auf Sylt, Links-Golf ist ein Riesenspaß. Doch wer das ganze Jahr auf Parkland-Plätzen zubringt, kommt zwischen den Dünen schnell an seine Grenzen. Dominik Grass weiß, welche Schläge du trainieren solltest, damit der Golfurlaub an der Küste keine irreparablen Egoschäden hinterlässt.

Dominik Grass: Die erste Links!Dominik Grass: Die erste Links!
Topfbunker

Das visuell auffälligste Merkmal eines Links-Platzes treibt den meisten Hobbygolfern Angstschweiß auf die Stirn. Doch eine Lage im Topfbunker rund ums Grün ist oft halb so schlimm, denn normalerweise rollen Bälle in Richtung Bunkermitte. Somit ist sichergestellt, dass die hohe Wand vor deinen Augen mehr ein psychologisches als ein reales Hindernis darstellt.

Das Wichtigste im Topfbunker ist ganz klar: Du musst deine Schlagfläche weit aufdrehen - und damit meine ich nicht zwei oder drei Grad, sondern so weit, dass sie gen Himmel zeigt. So stellst du sicher, dass sich das Wedge nicht im Sand eingräbt. Nicht jedem Golfer ist jedoch klar, was "Schlagfläche öffnen" bedeutet. Es gibt Spieler, die den Griff lassen, wie er ist, und lediglich die Hände samt Schläger nach rechts drehen (Rot). Das öffnet im Set-up zwar die Schlagfläche, im Treffmoment kommt sie dann jedoch wieder square oder sogar geschlossen an den Ball. Bei einer geöffneten Schlagfläche ändert sich dein Griff nicht, lediglich der Schläger wird im Griff aufgedreht (Grün).

Um den Ball sicher auf das Grün zu befördern, musst du sicherstellen, hinter dem Ball in den Sand zu schlagen. Dazu kann es helfen, das Gewicht in der Ansprechposition etwas - allerdings wirklich nur ein bisschen - nach links zu verlagern.
Nun bist du bereit zu schwingen und musst nur noch darauf achten, die Schwunggeschwindigkeit etwas zu erhöhen, da der Schläger durch den Sand abgebremst wird und somit weniger Kraft am Ball ankommt. Schlagfläche auf, erst Sand treffen und durchziehen!

Dominik Grass: Die erste Links!Dominik Grass: Die erste Links!
Putten aus allen Lagen

Während einer Runde Links-Golf wirst du öfter zum Putter greifen als sonst. Daher ist es wichtig, dass du dich vorher um die Längenkontrolle deiner Putts kümmerst. Generell sind die Grüns auf Links-Plätzen oft schneller als gewohnt. Dadurch wird mangelnde Distanzkontrolle teilweise hart bestraft. Um mich an das neue Tempo zu gewöhnen, suche ich mir daher einen Putt ohne Break auf dem Übungsgrün und markiere mit Tees die Startpositionen jeweils 1,5 Meter länger werdender Putts, von denen ich jeweils einen Ball in Richtung Loch spiele, der entweder fallen oder zwischen Loch und einer Fahne, die etwa 70 Zentimeter hinter dem Loch platziert wurde, zum Liegen kommen sollte. Nach jedem Putt sollte die Startposition gewechselt werden. Am meisten profitierst du von dieser Übung, wenn du nach jedem Putt nicht einfach zum nächstgelegenen Tee, sondern zu einem ganz anderen wechselt.

Was auf "normalen" Golfplätzen kaum trainiert wird, bei einer Putting-Session vor einer Links-Runde aber unbedingt Beachtung finden sollte, sind Putts vom Vorgrün. Die oft sehr kurz gemähten Zonen zwischen Fairways und Grüns auf Links-Plätzen eignen sich hervorragend zum Putten, und da die meisten Golfer sicherer putten als chippen, sollte ein Putt aus dieser Situation deine erste Wahl sein. Allerdings bremst der Untergrund vor dem Grün stärker und das solltest du testen. Auch hier gilt: nie mehr als einen Ball von ein und derselben Position spielen. Das Training der Distanzkontrolle soll variabel sein!

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Game over?

Ist dein Ball im schlimmsten Rough auf der gesamten Anlage gelandet, dann erst einmal herzlichen Glückwunsch, dass du ihn überhaupt wiedergefunden hast. Um nun vom Vorhof nicht in die tatsächliche Golfhölle weitergereicht zu werden, gilt es, jede Form von Ego oder Heldeninstinkt herunterzuschlucken. Es kommt nun darauf an, den Ball zurück ins Spiel zu bringen. Suche dir also das nächstgelegene Stück Fairway, egal wo es auch liegen mag, und hacke deinen Ball mit dem maximalen Loft zurück ins Spiel. Ein breiter Stand, ein steiler Eintreffwinkel (Ballposition rechts) und Mut zu hacken sind die einzigen Tipps, die ich dir für diese Extremsituation geben kann.

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Rollen statt fliegen

In einer vergleichbaren Situation - etwa 50 Meter zur Fahne und kein Hindernis im Weg - würden bessere Spieler meist mit viel Loft versuchen, den Ball hoch in Richtung Loch zu spielen und ihn erst kurz vor der Fahne landen zu lassen. Das ist absolut in Ordnung. Doch gerade für Amateure mit höheren Handicaps bieten die kurz gemähten Flächen rund um die Grüns auf Links-Plätzen eine einfachere Alternative. Flache Chips können nämlich auch deutlich vor dem Grün landen und einen Großteil der Strecke in Richtung Fahne rollen. Um auf Nummer sicher zu gehen, solltest du daher darauf achten, den Ball nur so weit fliegen zu lassen wie nötig. Die Technik entspricht der des klassischen Chips: Der Ball liegt etwas rechts der Mitte, während dein Gewicht stärker auf dem linken Fuß lastet. Die Schwungbewegung gleicht einem Pendel aus den Schultern ohne Handgelenkseinsatz.

Such dir einen Landepunkt aus, der sicherstellt, dass dein Ball den Rest der Strecke zum Loch rollen kann, und wähle den Schläger mit möglichst wenig Loft für diese Aufgabe aus. Vor jeder Annäherung solltest du dich fragen: "Wie weit muss der Ball fliegen?" Mit ein bisschen Übung und Gefühl für die Geschwindigkeit wirst du schnell merken, wie diese ekligen Distanzen augenblicklich ihren Schrecken verlieren. Auch hier empfiehlt sich variables Training mit verschiedenen Schlägern.

Dominik Grass: Die erste Links!
Mach dir das Leben schwer!

Harte Fairways und wilde Konturen werden garantiert dafür sorgen, dass Drives ins tiefere Rough springen. Wahrscheinlich trainierst du zu Hause selten volle Wedge-Schläge aus knöcheltiefem Rough, doch vor einer Runde Links-Golf solltest du das tun. Wie du an meinem Übungsaufbau sehen kannst, habe ich mir einige Bälle auf dem Fairway in etwa 80 Metern vom Ziel entfernt platziert. Nachdem ich einige davon in Richtung Fahne geschlagen habe, versuche ich denselben Schlag aus gleicher Entfernung aus dem Rough, um einschätzen zu können, wie viel Länge diese missliche Balllage kosten wird. Aus einer solchen Lage hilft es, den Schläger ein bisschen kürzer zu greifen und den Ball weiter vom rechten Fuß zu spielen, um einen steileren Eintreffwinkel zu erreichen. Alles, was du nun tun musst, ist, mit Autorität durch den Ball zu schwingen, dann wird er den Weg zum Grün sicher finden. Das hohe Gras nimmt Spin, sodass der Ball weiter ausrollt. In solch eine Situation kommt man meistens nur unfreiwillig auf dem Golfplatz. Wer solche Schläge jedoch freiwillig übt, lässt sich nicht mehr so leicht aus der Ruhe bringen.

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Den Ball flach halten

Wind ist stets ein Faktor beim Links-Golf, du musst also in der Lage sein, längere Eisen flach unter dem Wind hindurchzuschlagen. Mit einer solchen Flugbahn stellst du sicher, dass sich Gegenwind nicht zu sehr auf die Länge auswirkt und Seitenwind deinem Ball nicht viel anhaben kann. Um eine flachere Flugbahn zu spielen, musst du dein Eisen kürzer greifen und die Schwunggeschwindigkeit etwas bremsen. Die Ballposition sollte etwas weiter rechts im Stand als üblich liegen, doch Vorsicht: Übertreibt man dies, wird der Eintreffwinkel zu steil, was mehr Spin erzeugt und den Ball viel zu hoch steigen lässt. Auf ein ausgeprägtes Divot solltest du aus genau diesem Grund ebenfalls verzichten und versuchen, den Ball förmlich vom Fairway zu wischen (Bild 2).

Außerdem hilft es, den Loft des Schlägers im Treffmoment zu vermindern, indem man die Hände im Treffmoment weiter vor den Ball bringt. Dazu muss sich der Körper im Abschwung aktiv in Richtung Ziel bewegen, denn ein langsamer Körper sorgt für schnelle Hände und die gilt es zu vermeiden.

Charakteristisch für diesen Punch Shot ist das kurze Finish. Der Schlag sieht gut aus, macht Spaß und kann Schläge und Bälle sparen. Er benötigt jedoch Übung! Fortgeschrittene Golf können sich dann am sogenannten Stinger versuchen. Dieser extrem flach geschlagene Ball ähnelt dem gerade beschriebenen Punch Shot sehr, wird allerdings mit deutlich mehr Power gespielt. Der kompakte Rückschwung ist ein Merkmal beider Schläge (Bild 1).

 
Dominik Grass

Dominik Grass

Jahrgang: 1991
Wohnort: Grainau
Profi seit: 2018
Lieblingsverein: FC Bayern München
Referenzen:
B-Trainerlizenz seit 2018
Bachelor of Science in Wissenschaftliche Grundlagen des Sports an der TU München

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