Nun stehe ich selber an der gleichen Stelle und erleide die identische Reizüberflutung. Das kristallblaue Wasser schlägt in sanften Wellen gegen das Ufer, der weiße Kirchturm wirkt im Sonnenlicht wie ein Leuchtturm, die traditionellen Holzboote, mit denen Touristen zur Bleder Insel übersetzen, schaukeln wie Papierschiffchen und über allem thront auf einem Felsen die Burg von Bled. Doch wer glaubt, dass der Blick vom Holzsteg unübertreffbar sei, irrt: Ein Wanderweg führt zum 210 Meter erhöhten Aussichtspunkt Mala Osojnica. Eine Wanderung, die nicht ganz ungefährlich ist. Nicht weil der Weg steil, rutschig und aufgeweicht ist und an einigen Stellen sogar eine Aufstiegshilfe in Form von Stahlseilen erfordert. Die größte Gefahr ist, dass der Auf- und Abstieg laut Reiseführer jeweils 30 bis 45 Minuten dauert, die Straßen um den Bleder See mehr Staugefahr bergen als das Ruhrgebiet während der Rush Hour und ich in knapp zwei Stunden eine Tee Time auf dem exklusiven Royal Bled Golf Course habe. Also krame ich den kümmerlichen Rest meiner körperlichen Fitness zusammen und eile den Berg hinauf. Als ich nach 22 Minuten das Ziel erreiche, werde ich mit einem Ausblick belohnt, mit dem sich auf der Welt nur ganz wenige messen können. Einzig die Gleitschirmflieger, die vom Pokljuka-Hochplateau hinunterschweben, haben einen noch besseren Blick auf den Bleder See und die umliegenden Gebirgsketten. Es verwundert nicht, dass Bled bereits im frühen 20. Jahrhundert zum Anziehungspunkt für die Reichen und Schönen wurde, die eine Auszeit vom Leben in ihren Villen und Schlössern brauchten. Es kostet ja nun mal Energie, Menschen herumzukommandieren und auszubeuten.


»EINZIG DIE GLEITSCHIRMFLIEGER, DIE VOM POKLJUKA-HOCHPLATEAU HINUNTERSCHWEBEN, HABEN EINEN NOCH BESSEREN BLICK AUF DEN BLEDER SEE UND DIE UMLIEGENDEN GEBIRGSKETTEN.«
Kaum ein Golfplatz in Kontinentaleuropa kann eine spektakulärere Lage vorweisen. Gleich der erste Abschlag spielt in Richtung des Hochstuhls, mit 2.238 Metern der höchste Gipfel der Karawanken. Das Par 4 bildet eine seltene Ausnahme auf den ersten neun Löchern: Es verläuft flach. Gleich hinter dem Grün geht es steil zum zweiten Tee hinauf, das eine wunderbare Aussicht auf die Julischen Alpen in der Ferne ermöglicht. Den schönsten Ort zum Verweilen bildet allerdings die dritte Bahn. Das 171 Meter lange Par 3 liegt am nordwestlichsten Punkt der Anlage direkt neben dem mit Wald bewachsenen Tal der Save und ist ein Quell der Ruhe und Entspannung - zumindest bis man zum Grün kommt. Das von drei frontalen Bunkern geschützte Ziel ist ein echter Test für das kurze Spiel. Etwas, was sich durch das gesamte Layout zieht. Sämtliche Grünkomplexe sind entweder von Bunkern oder steilen Auslaufzonen verteidigt und tückisch onduliert. Doch nicht nur deshalb ist der King's Course ein anspruchsvoller Test. Mit mehr als 6.500 Metern von den Backtees ist er nicht gerade kurz und insbesondere auf den Back Nine lauern zahlreiche Wasserhindernisse. Nirgends mehr als auf der 10.

Auch wenn Golf in Royal Bled mittlerweile 90 Jahre Tradition hat, blieb es in Slowenien bis zum Fall des Eisernen Vorhangs ein Exotensport und hat dieses Label bis heute nicht abgelegt. Slowenien hat mit Tadej Pogacar einen vierfachen Tour-de-France-Sieger und mit der Prevc-Familie eine Skisprung-Dynastie hervorgebracht, aber die besten Golfer des Landes, das Geschwisterduo Babnik, haben bisher nur wenige Erfolge feiern können. Das alles will Dejan Podgorsek ändern. Der gelernte Hotelier hat vor Kurzem das nahe der Hauptstadt Ljubljana gelegene Cubo Golf übernommen und ehrgeizige Pläne, den Platz, den Club und Golf in Slowenien in ein neues Zeitalter zu katapultieren. 2007 baute Architekt Peter Skofic die 18 Löcher in Sichtweite der mittelalterlichen Burg Flödnig. Jeweils neun Löcher befinden sich auf jeder Seite einer viel befahrenen Straße, wobei das Routing im Verlauf der 18 Jahre immer mal wieder gedreht wurde.

WOHNEN
HOTEL GRAD OTOCEC
Das zum Golfplatz gehörende Boutique-Luxushotel ist das einzige Wasserschloss Sloweniens und daher auch seit Jahren Anziehungspunkt für die Reichen, Schönen und Autokraten, wie man an der Promi-Fotowand sehen kann. Das Kleinste an den 16 Zimmern und Suiten ist die historische Eingangstür. Geht man durch, fühlt man sich wie in der TARDIS von "Doctor Who", denn die Zimmer sind fast so luxuriös wie das herausragende Essen im Hotelrestaurant.
KING'S HOUSE
Das Clubhaus von Royal Bled stammt aus dem Jahr 1938 und wurde nach einer aufwendigen Restauration in ein Viersternehotel umfunktioniert. Die Zimmer mit Blick auf den Golfplatz und die Karawanken verkörpern das Sprichwort "Leben wie ein König" ebenso wie das Restaurant, in dem man bis zu Sieben-Gänge-Menüs verkosten kann. Zwar ist auch der Preis königlich, einige Packages mit Golf- und Dinner-Optionen verbessern aber das Preis-Leistungs-Verhältnis noch einmal.
HOTEL NOX
Das im Nordwesten Ljubljanas gelegene Boutiquehotel bietet sich dank verkehrsgünstiger Lage als Basis für den Golftrip oder eine Stadtbesichtigung an. Die 34 Zimmer sind schick, individuell und effizient eingerichtet. Kombiniert mit dem exzellenten Frühstück erhält man viel Leistung zu einem sehr fairen Preis.
Golfplätze in der Region

ROYAL BLED
KING'S COURSE18 Löcher, Par 72, 6.563 Meter
LAKE'S COURSE
9 Löcher, Par 36, 3.047 Meter
Adresse
Vrba 37a, 4248, Lesce
Tel. +386 (0)1 2009901
royalbled.com
Greenfee
KING'S COURSE: 220 Euro (15.03.-14.05. und 01.10.- 30.11.), 280 Euro (15.05.- 30.09.), 150 Euro (für unter 25-Jährige)
LAKE'S COURSE: 55 Euro (15.03.-14.05. und 01.10.- 30.11.), 70 Euro (15.05.- 30.09.)
Obwohl der Platz bereits 1937 auf Wunsch von Prinzregent Paul von Jugoslawien gebaut wurde, erhielt er erst 80 Jahre später nach einer Restaurierung den Beinamen Royal. 1972 erweiterte Donald Harradine den Platz auf 18 Löcher, die die landschaftlichen Vorzüge des ondulierten Geländes herausarbeiteten. Bis heute bieten die Front Nine wie die Back Nine für jeden etwas: Der Auftakt ist landschaftlich reizvoller, die zweite Hälfte mit vielen Wasserhindernissen sportlich anspruchsvoller.
Killerloch
Jedes Loch, das auf die Karawanken zuspielt, ist ein Augenschmaus und auch die Wasserlöcher auf den Back Nine bilden eine schöne Kulisse. Die spektakulärste Bahn ist aber wie so oft eine der kürzeren: Die 294 Meter lange 8 spielt über einen Fluss auf ein erhöhtes Fairway, das vom Tee aufgrund der Bäume wirkt, als müsse man einen Lkw durch eine schmale Gasse manövrieren. Ganz so eng ist die Landezone dann nicht, schwieriger ist der Schlag in das von zwei Bunkern verteidigte Grün, von dem man einen herrlichen Blick auf die Anlage und die Julischen Alpen hat.
www.royalbled.com

CUBO GOLF LJUBLJANA
18 Löcher, Par 72, 5.857 MeterAdresse
Smlednik 200, 1216 Smlednik
Tel. +386 (0)41 903555
cubogroup.si
Greenfee
105 Euro
Seit diesem Jahr hat die Anlage einen neuen Eigentümer, der gerade dabei ist, den etwas vernachlässigten Club fit für das 21. Jahrhundert zu machen. Das Layout von Peter Skofic besteht aus zwei Neunlochschleifen auf je einer Seite einer Schnellstraße und ist ein wenig eigentümlich: Es besteht aus je sechs Par-3-, Par-4- und Par-5-Bahnen. Auch die Tatsache, dass Par 3 den Auftakt und das Ende bilden, ist nicht gerade klassische Golfarchitektur. Doch vor allem die One-Shotter sind sehr erinnerungswürdig, gekrönt von der bergab über einen kleinen See führenden 16. Wenn in diesem Jahr wie geplant die Fairway-Bunker restauriert werden, können die längeren Bahnen vielleicht etwas aufholen.
Killerloch
Man könnte meinen, Bahn 6 habe Ozempic genommen, so schmal wie das Fairway ist. Das 489 Meter lange Par 5 zwängt sich in einer leichten S-Kurve zwischen Baumreihen durch, sodass das Risiko eines Strafschlags beim Drive massiv ist. Und selbst wer den Ball wiederfindet, muss eine perfekte Position haben, damit man den zweiten Schlag nicht kunstvoll um oder unter Bäume kurven muss. Ein Green in Regulation hier ist bemerkenswerter als auf anderen Plätzen ein Birdie oder gar ein Eagle.
www.cubogroup.si

GOLF GRAD OTOCEC
18 Löcher, Par 72, 6.189 MeterAdresse
Grajska cesta 2, 8222 Otocec
Tel. +386 (0)41 304444
golf-otocec.si
Greenfee
80 Euro
Der Brite Howard Swan hinterließ neben der Restauration von Royal Bled mit Golf Grad Otocec seinen zweiten Schaufelabdruck in Slowenien. Das auf einem hügeligen, mit Wald bewachsenen Gelände angelegte Layout ist nichts für Klaustrophobiker. Wer die Herausforderung aber nicht scheut, bekommt einen wunderschönen Platz geboten, der gekonnt zwischen, durch und über Schluchten manövriert, den Golfer für seine Mühen aber mit weniger herausfordernden Grüns belohnt. Die Front Nine spielen sich wie aus einem Guss, die Back Nine sind etwas wechselhafter, bieten jedoch von Bahn 13 bis 16 vier spektakuläre Löcher. Unglücklicherweise ging danach das Gelände aus, sodass die beiden Schlussbahnen eher enttäuschen.
Killerloch
Ein 342 Meter langes Par 4 wirkt auf der Scorekarte nicht gerade angsteinflößend, aber wenn man am Tee steht, sieht es anders aus. Der atemberaubende Drive wird über eine bewucherte Senke auf ein steil nach oben zeigendes Fairway gespielt. Wer also nicht 220 Meter carry schlägt, sieht seinen Ball wieder zurückrollen. Die Folge ist ein blinder Schlag in ein Grün, das auf einem Plateau liegt, von zwei Bunkern verteidigt wird und von hinten nach vorne fällt. Brutal.
www.golf-otocec.si

LIPICA GOLF
9 Löcher, Par 36, 3.110 MeterAdresse
Lipica 5, 6210 Sezana
Tel. +386 (0)5 7391724
lipica.org
Greenfee
39 Euro (Mo.-Fr.), 44 Euro (Sa.+So.), 18 Löcher: 48 Euro/59 Euro
Die Pläne für den 1989 eröffneten Platz stammen von Donald Harradine - eine Formulierung, die nahelegt, dass der Engländer beim Bau nicht zugegen war. Der Meister des Bauens auf engem Raum hatte für seine neun Bahnen ein vergleichsweise großes Gelände zur Verfügung und legte seine neun Bahnen in einer Linksschleife idyllisch in die leicht hügelige Karst-Landschaft. Da die Löcher in den Wald geschnitten wurden, ist Präzision hier meist wichtiger als Länge. Der Nachteil dieses engen Korridors ist, dass das zweite Set an Abschlägen für die 18-Loch-Runde den Charakter der Bahnen so gut wie nie verändert.
Killerloch
Die schönste Aussicht genießt man von Loch 4, dessen erhöhtes Tee den Blick auf ein Bergdorf ermöglicht, doch das spielerische Highlight folgt danach. Das 377 Meter lange Par 4 führt in einem 90-Grad-Dogleg an einer Steinmauer entlang und verlangt vom Spieler entweder Länge oder eine genaue Kontrolle der Flugbahn, um dem Wald zu entgehen. Die größte Herausforderung wartet aber erst auf dem mehrstufigen Grün, das von einem tückischen Bunker verteidigt wird.
www.lipica.org



