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Slowenien – Teil 2

Green Peace

Von Rüdiger Meyer

Aktuell beginnt man auf der anderen Straßenseite des Clubhauses, wo sechs Bahnen auf sehr weitem und offenem Terrain angelegt sind. Die anderen drei sind zwei sehr coole, kurze Par 3, die bergab über Wasser gespielt werden, sowie ein s-förmiges Par 5, dessen Abschlag absolute Kontrolle über den Driver verlangt. Jede Bahn hat dabei als Markenzeichen eine unterschiedlich lackierte Metallbank am Tee, auf der sich bei Stau im Schatten eines Baums vortrefflich chillen und auf die Häuser am Ende des Platzes gucken lässt - in der Hoffnung, vielleicht einen Star auszumachen. Schließlich gehört eine der angrenzenden Villen keinem Geringeren als Basketball-Superstar Luka Doncic von den Los Angeles Lakers.

Die zweiten neun sind weiter auseinandergezogen und spielerisch deutlich interessanter. Insbesondere die Bahnen 11 bis 13, die der Burg Flödnig am nächsten kommen, können sich sehen lassen. Die 11 ist ein s-förmiges Par 5, das man strategisch klug um einen Wald herumspielen muss, die 12 ist ein langes, anspruchsvolles Par 3 und die 13 ein kurzes Par 4, das man auf unterschiedlichste Arten spielen kann. Und für Nachteulen haben drei Bahnen, darunter zwei Par 3, Flutlichtbeleuchtung. Die Umgebung des beeindruckenden Clubhauses ist der erste Schritt der Modernisierung des Clubs, für 2026 sind unter anderem eine Neugestaltung der in die Jahre gekommenen Bunker geplant. Die größten Modernisierungsschritte sind jedoch mit bloßem Auge nicht sichtbar. Dejan Podgorsek, der die von ihm konzipierte Turnierreihe After Job 9 mit großem Erfolg international lizenziert hat, hat eine groß angelegte Mitglieder-Gewinnungsaktion gestartet. Mehr als 400 Golfanfänger, eine Zahl, nach der sich jeder deutsche Golfclub die Finger lecken würde, sind in einer WhatsApp-Gruppe registriert. Jeden Dienstag sind neun Löcher für die Rookies reserviert, die ohne Angst, sich vor erfahrenen Golfern zu blamieren, auf die Runde gehen. Zugleich wird Cliquenbildung verhindert, indem die Flights vom Head Pro immer neu zusammengestellt werden. Wenn man bedenkt, dass es in ganz Slowenien weniger als 10.000 Golfer gibt, eine lobenswerte Aktion zur Popularisierung des Sports.

Slowenien:

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NICHT EINMAL EIN ,FORE!' SCHALLT DURCH DIE KARSTLANDSCHAFT, DENN LEDIGLICH AN BAHN 7 GIBT ES DIE THEORETISCHE GEFAHR EINES QUERSCHLÄGERS.
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189 Golfbahnen, die sich auf 13 Clubs verteilen, finden sich in dem Land, das die Größe Hessens und so viele Einwohner wie Hamburg hat. Dass es trotz der geringen Bevölkerungsdichte nur wenig Golfplätze gibt, liegt vor allem daran, dass Slowenien das vielleicht grünste Land Europas ist. Viele Flächen sind als Schutzräume deklariert und mehr als 60 Prozent der Fläche werden von Wäldern eingenommen. Insofern dürfte es nicht überraschen, dass sämtliche Golfplätze klassische Parkland-Layouts sind und ein Gros der Clubs lediglich über eine Neunlochanlage verfügt wie etwa der Lipica Golf Club. Der kurz vor der italienischen Grenze gelegene Platz ist dank seiner Lage nahe der Adria der einzige in Slowenien, der garantiert das ganze Jahr über geöffnet ist. Jedoch ist das vielleicht Schönste an dem Layout von David Harradine die automatisch gesicherte Begeisterung der Kinder, schließlich ist der Platz Teil des 300 Hektar großen Lipizzaner-Gestüts. Jahrzehntelang gab es einen Streit darum, welches Land sich offiziell die Heimat der weißen Warmblüter nennen darf, die seit dem 16. Jahrhundert die Attraktion der Spanischen Hofreitschule in Wien sind, doch seit 2002 ist das namensgebende Lipica als Verwalter des Lipizzanerzuchtbuchs anerkannt. Jeden Morgen und Abend rennen die Pferde aus den Ställen auf die Weiden beziehungsweise wieder zurück und nur wenige Hundert Meter entfernt ziehen sich die neun Bahnen durch das Gelände.

Zwar lässt sich der Platz durch ein zweites Set Abschläge auch als 18-Loch-Runde spielen, allerdings sind die Unterschiede dabei marginal. Doch egal ob man eine oder zwei Runden spielt, der Entspannungsfaktor ist unübertroffen. Abgesehen von Besuchern des Gestüts, die ganz langsam die Auffahrt hochkommen, ist weit und breit kein Autoverkehr zu hören, sodass die größte Lärmbelästigung von zwitschernden Vögeln und summenden Bienen kommt. Nicht einmal ein "Fore!" schallt durch die Karstlandschaft, denn lediglich an der 7 gibt es die theoretische Gefahr eines Querschlägers von einer anderen Bahn.

Ansonsten bewegt sich das Par 36 in isolierten Waldschneisen, doch zahlreiche Höhenunterschiede sorgen dafür, dass die einzelnen Löcher allesamt ihren eigenen Charakter erhalten - auch wenn das zwischen zwei Driving Ranges entlangführende Auftaktloch zur Marke notwendiges Übel gehört. Dass Golf an diesem Ort aber wirklich nur die schönste Nebensache der Welt ist, merkt man am Pflegezustand. Insbesondere die Abschläge wirken manchmal, als hätten die Lipizzaner hier stundenlang Piaffen geübt.

Slowenien:
Der Vorteil einer Neunlochrunde ist, dass danach noch viel Zeit bis zum Sonnenuntergang bleibt. Was also tun? Die cleverste Variante wäre, mit dem Auto die 20 Minuten nach Triest zu fahren und einen Sundowner am Mittelmeer zu genießen. Ich entscheide mich stattdessen, eine Stunde gen Norden in die Hauptstadt Ljubljana zu fahren, um durch die Altstadt zu flanieren. Bereits am Anreisetag wollte ich mir die pittoresken Häuser am Fluss Ljubljanica anschauen, jedoch hielt mich eine dichte Nebelwand davon ab. Und auch dieses Mal macht mir der Wettergott einen Strich durch die Rechnung. Obwohl in Lipica noch strahlender Sonnenschein und blauer Himmel herrschten, hängt über Ljubljana mehr Nebel als bei einem Rammstein-Konzert. Wie ich später erfahre, ist die Großstadt besonders im Herbst und Winter berüchtigt dafür, tagelang in einer Nebelglocke zu stecken. Also beschließe ich, einfach weiterzufahren und das Land komplett zu durchqueren, was lediglich weitere 50 Minuten kostet. Kurz vor der kroatischen Grenze erreiche ich Otocec. Das gerade mal 867 Einwohner zählende Dorf hat eine Attraktion, die jeden tschechischen Märchenfilm neidisch werden lässt. Grad Otocec - oder im Deutschen Burg Wördl - ist das einzige Wasserschloss Sloweniens und wird an beiden Seiten von der Gurk umflossen. Heute beheimatet das Schloss ein unbeschreibliches Boutique-Luxushotel, in dem schon Sportstars wie NFL-Größe Larry Fitzgerald, die Autokraten Tito und Chruschtschow, die Crew der "Apollo 15" und die Bond-Darsteller Moore und Brosnan genächtigt haben. Die größte Überraschung ist, dass Sean Connery nicht dabei ist, denn Otocec wäre ganz nach seinem Geschmack gewesen.

Das Wasserschloss mit seinen großzügigen und zugleich historischen und modernen Zimmern weckt Erinnerungen an Schottland, und wer über die Holzbrücke vor dem Hotel und noch einen Kilometer weiter fährt, landet bei Golf Grad Otocec. Howard Swan und Peter Skofic schnitten die 18 Löcher im wahrsten Sinne des Wortes aus einem Wald und entdeckten darunter unglaublich welliges Terrain, das heute die Grundlage für ein spektakuläres Routing bildet. Immer wieder schneiden sich Schluchten durch die Fairways, die so eingesetzt werden, dass sie zwar Forced Carrys bilden, aber immer so angelegt sind, dass auch Normal-Golfer und sogar Anfänger davor verschont werden, ganze Sleeves an Bällen zu verlieren. Insbesondere die Back Nine bieten unvergessliche Löcher, die man wieder und wieder spielen möchte. Leider ging Swan und Skofic nach Loch 16 das schöne Gelände aus, und weil sie irgendwie den Weg nach Hause finden mussten, wirken ausgerechnet die Schlussbahnen ernüchternd. Dies soll jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Otocec nicht nur einen Abstecher wert, sondern einer der Muss-Stopps auf einem Golftrip nach Slowenien ist. Und obwohl der erste Instinkt die Buchung eines Carts ist, sollte man versuchen, den Platz zu Fuß zu bewältigen. Zum einen ist er trotz einiger Steigungen so gut zu absolvieren, dass man auf der 18 nicht nach einem Sauerstoffzelt zu rufen braucht, zum anderen kann man danach im Restaurant des "Hotel Grad Otocec" ohne schlechtes Gewissen ein Vier-Gänge-Menü ordern, das einen ebenso nach den richtigen Adjektiven suchen lässt wie der Blick auf den Bleder See.

 

Golfplätze in der Region

ROYAL BLED

ROYAL BLED

KING'S COURSE
18 Löcher, Par 72, 6.563 Meter

LAKE'S COURSE
9 Löcher, Par 36, 3.047 Meter

Adresse
Vrba 37a, 4248, Lesce
Tel. +386 (0)1 2009901
royalbled.com

Greenfee
KING'S COURSE: 220 Euro (15.03.-14.05. und 01.10.- 30.11.), 280 Euro (15.05.- 30.09.), 150 Euro (für unter 25-Jährige)
LAKE'S COURSE: 55 Euro (15.03.-14.05. und 01.10.- 30.11.), 70 Euro (15.05.- 30.09.)

Obwohl der Platz bereits 1937 auf Wunsch von Prinzregent Paul von Jugoslawien gebaut wurde, erhielt er erst 80 Jahre später nach einer Restaurierung den Beinamen Royal. 1972 erweiterte Donald Harradine den Platz auf 18 Löcher, die die landschaftlichen Vorzüge des ondulierten Geländes herausarbeiteten. Bis heute bieten die Front Nine wie die Back Nine für jeden etwas: Der Auftakt ist landschaftlich reizvoller, die zweite Hälfte mit vielen Wasserhindernissen sportlich anspruchsvoller.

Killerloch
Jedes Loch, das auf die Karawanken zuspielt, ist ein Augenschmaus und auch die Wasserlöcher auf den Back Nine bilden eine schöne Kulisse. Die spektakulärste Bahn ist aber wie so oft eine der kürzeren: Die 294 Meter lange 8 spielt über einen Fluss auf ein erhöhtes Fairway, das vom Tee aufgrund der Bäume wirkt, als müsse man einen Lkw durch eine schmale Gasse manövrieren. Ganz so eng ist die Landezone dann nicht, schwieriger ist der Schlag in das von zwei Bunkern verteidigte Grün, von dem man einen herrlichen Blick auf die Anlage und die Julischen Alpen hat.
www.royalbled.com

CUBO GOLF LJUBLJANA

CUBO GOLF LJUBLJANA

18 Löcher, Par 72, 5.857 Meter

Adresse
Smlednik 200, 1216 Smlednik
Tel. +386 (0)41 903555
cubogroup.si

Greenfee
105 Euro

Seit diesem Jahr hat die Anlage einen neuen Eigentümer, der gerade dabei ist, den etwas vernachlässigten Club fit für das 21. Jahrhundert zu machen. Das Layout von Peter Skofic besteht aus zwei Neunlochschleifen auf je einer Seite einer Schnellstraße und ist ein wenig eigentümlich: Es besteht aus je sechs Par-3-, Par-4- und Par-5-Bahnen. Auch die Tatsache, dass Par 3 den Auftakt und das Ende bilden, ist nicht gerade klassische Golfarchitektur. Doch vor allem die One-Shotter sind sehr erinnerungswürdig, gekrönt von der bergab über einen kleinen See führenden 16. Wenn in diesem Jahr wie geplant die Fairway-Bunker restauriert werden, können die längeren Bahnen vielleicht etwas aufholen.

Killerloch
Man könnte meinen, Bahn 6 habe Ozempic genommen, so schmal wie das Fairway ist. Das 489 Meter lange Par 5 zwängt sich in einer leichten S-Kurve zwischen Baumreihen durch, sodass das Risiko eines Strafschlags beim Drive massiv ist. Und selbst wer den Ball wiederfindet, muss eine perfekte Position haben, damit man den zweiten Schlag nicht kunstvoll um oder unter Bäume kurven muss. Ein Green in Regulation hier ist bemerkenswerter als auf anderen Plätzen ein Birdie oder gar ein Eagle.
www.cubogroup.si

GOLF GRAD OTOCEC

GOLF GRAD OTOCEC

18 Löcher, Par 72, 6.189 Meter

Adresse
Grajska cesta 2, 8222 Otocec
Tel. +386 (0)41 304444
golf-otocec.si

Greenfee
80 Euro

Der Brite Howard Swan hinterließ neben der Restauration von Royal Bled mit Golf Grad Otocec seinen zweiten Schaufelabdruck in Slowenien. Das auf einem hügeligen, mit Wald bewachsenen Gelände angelegte Layout ist nichts für Klaustrophobiker. Wer die Herausforderung aber nicht scheut, bekommt einen wunderschönen Platz geboten, der gekonnt zwischen, durch und über Schluchten manövriert, den Golfer für seine Mühen aber mit weniger herausfordernden Grüns belohnt. Die Front Nine spielen sich wie aus einem Guss, die Back Nine sind etwas wechselhafter, bieten jedoch von Bahn 13 bis 16 vier spektakuläre Löcher. Unglücklicherweise ging danach das Gelände aus, sodass die beiden Schlussbahnen eher enttäuschen.

Killerloch
Ein 342 Meter langes Par 4 wirkt auf der Scorekarte nicht gerade angsteinflößend, aber wenn man am Tee steht, sieht es anders aus. Der atemberaubende Drive wird über eine bewucherte Senke auf ein steil nach oben zeigendes Fairway gespielt. Wer also nicht 220 Meter carry schlägt, sieht seinen Ball wieder zurückrollen. Die Folge ist ein blinder Schlag in ein Grün, das auf einem Plateau liegt, von zwei Bunkern verteidigt wird und von hinten nach vorne fällt. Brutal.
www.golf-otocec.si

GOLF GRAD OTOCEC

LIPICA GOLF

9 Löcher, Par 36, 3.110 Meter

Adresse
Lipica 5, 6210 Sezana
Tel. +386 (0)5 7391724
lipica.org

Greenfee
39 Euro (Mo.-Fr.), 44 Euro (Sa.+So.), 18 Löcher: 48 Euro/59 Euro

Die Pläne für den 1989 eröffneten Platz stammen von Donald Harradine - eine Formulierung, die nahelegt, dass der Engländer beim Bau nicht zugegen war. Der Meister des Bauens auf engem Raum hatte für seine neun Bahnen ein vergleichsweise großes Gelände zur Verfügung und legte seine neun Bahnen in einer Linksschleife idyllisch in die leicht hügelige Karst-Landschaft. Da die Löcher in den Wald geschnitten wurden, ist Präzision hier meist wichtiger als Länge. Der Nachteil dieses engen Korridors ist, dass das zweite Set an Abschlägen für die 18-Loch-Runde den Charakter der Bahnen so gut wie nie verändert.

Killerloch
Die schönste Aussicht genießt man von Loch 4, dessen erhöhtes Tee den Blick auf ein Bergdorf ermöglicht, doch das spielerische Highlight folgt danach. Das 377 Meter lange Par 4 führt in einem 90-Grad-Dogleg an einer Steinmauer entlang und verlangt vom Spieler entweder Länge oder eine genaue Kontrolle der Flugbahn, um dem Wald zu entgehen. Die größte Herausforderung wartet aber erst auf dem mehrstufigen Grün, das von einem tückischen Bunker verteidigt wird.
www.lipica.org

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