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Der Blick des Architekten

Golf und Nachhaltigkeit - alles andere als ein Widerspruch

Von Tony Ristola, Fotos: Tony Ristola

Zu Beginn der neuen Saison widmet sich unser Architektur-Kolumnist einmal nicht Routing, Doglegs und Bunker-Formationen, sondern erklärt, warum Golfer und Umweltschützer eigentlich an einem Strang ziehen sollten. Amen, Bruder!

Bild oben: ÖKOLOGISCH OPTIMIERT
Der GC Emstal, Deutschlands erster mit der "Golf & Natur"- Goldmedaille ausgezeichneter Golfplatz, verdeutlicht den ökologischen Wert des Golfsports. Das ehemals flache Ackerland wurde mit geringem Kostenaufwand in eine sanft hügelige Fluss-Dünen-Landschaft umgewandelt, die dem Charakter der Region entspricht. Abgesehen von einigen Waldstücken besteht sie nun aus offenem Sand, Heidekraut, Gräsern, Bäumen, Sträuchern und fast 600 Metern naturbelassenen Gräben, die in ein großes, künstlich angelegtes Feuchtgebiet münden.


Nachhaltigkeit" ist heutzutage einer der am häufigsten verwendeten Kampfbegriffe im Golfsport - und gleichzeitig einer der problematischsten. Er impliziert, dass Golf aktuell nicht wirklich nachhaltig sei und verbessert werden müsse. Dies wirft nicht nur ein negatives Licht auf unseren Sport, es hemmt auch gleichzeitig sein Wachstum. Meiner Meinung nach hat Golf absolut kein Nachhaltigkeitsproblem. Was jedoch ohne Zweifel herrscht, sind Verständnisprobleme und ein mangelnder Transfer an fundiertem Wissen über den Golfsport und seine ökonomischen wie ökologischen Zusammenhänge. Viel zu wenige Menschen, egal ob Golfer, Manager, Funktionäre, aber auch die Öffentlichkeit, verfügen über echtes Verständnis darüber, was den Golfsport eigentlich ausmacht und antreibt und wie dessen wissenschaftlich fundierte Realität in der Gesellschaft überhaupt aussieht.

Um maximale Wirkung zu erzielen, sollten sich die Golfer daher selbst dieses Wissen aneignen und verbreiten. Wir als Gruppe haben ein enormes Potenzial, die Botschaft, wie viel der Golfsport zum verantwortungsvollen Umgang mit Land, Wasser und Wildtieren beitragen kann, zu verbreiten. Aber auf welcher Grundlage können wir vermitteln, welchen positiven Beitrag der Golfsport leisten kann? Was genau ist Golf im Kern?

Zunächst einmal bieten Golfplätze wichtige Lebensräume für Wildtiere und eine hohe Artenvielfalt. Sie sind Orte der Regenwasserfiltration und Grundwasseranreicherung, schaffen und erhalten Grünflächen, fördern die Kühlung des Mikroklimas in städtischen Gebieten und bieten Orte für gesunde Erholung und sportliche Aktivität. Ganz davon abgesehen schaffen Golfanlage Arbeitsplätze, generieren Steuereinnahmen und fördern in vielen Gegenden der Welt den Tourismus.

EINE VERÄNDERTE WAHRNEHMUNG


Als vor etwa 30 Jahren mit dem Bau eines meiner Designs begonnen wurde, rief ein regionaler Vertreter des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) umgehend die Polizei auf den Plan und versuchte, die Arbeiten am Golfplatz zu stoppen. Er scheiterte, aber bemerkenswerterweise schrieb dieselbe Person nach Abschluss der Bauarbeiten über den nun fertigen Golfplatz den folgenden Artikel in ihrem Jahresmagazin: "Wir geben es gerne zu: Wir haben uns geirrt. Entstanden ist letztendlich ein Golfplatz, der hervorragend und harmonisch in die Landschaft des Emstals eingebunden ist. Dort, wo bis vor einem Jahr auf einer Fläche von 50 Hektar trostlose, intensivst bewirtschaftete Maisäcker dominierten, ist innerhalb weniger Monate ein Gelände entstanden, das Vorbildcharakter für die Integration einer Freizeitanlage in eine schutzwürdige Landschaft hat."

Er hätte leicht ein halbherziges Mea culpa schreiben können, aber er ging noch weiter und bot mir großzügig seine Unterstützung bei künftigen Projekten an. Diese frühe Berufserfahrung bestärkte mich in der Überzeugung, dass selbst die engagiertesten Umweltschützer die ökologischen und landschaftlichen Vorteile durchdacht gestalteter Golfplätze zu schätzen wissen. Man muss ihnen nur einmal die Vorzüge vor Augen führten.

NACHHALTIGKEIT EINFACH ERKLÄRT


Im Kern geht es bei Nachhaltigkeit darum, Ressourcen sinnvoll zu nutzen und Entscheidungen zu treffen, die den langfristigen Fortbestand sichern. Der Begriff ist aber subjektiv, denn was ein Club als "nachhaltig" betrachtet, kann anderswo einen gegenteiligen Effekt haben. Letztendlich sind ein Golfclub und seine Anlagen besonders dann nachhaltig, wenn ihre Entstehung und ihr Betrieb Mitgliedern, Gästen, den umliegenden Gemeinden und der Umwelt einen erkennbaren Mehrwert bieten.

Obwohl ich bei Design und Pflege hohe ästhetische Ansprüche habe, sind diese bei der Betrachtung von Nachhaltigkeit zweitrangig. Schließlich haben Gras, Bäume und Pflanzen keine Meinung zu architektonischer Brillanz oder ästhetischen Mängeln; sie erfüllen schlicht die ihnen von der Natur zugewiesene Rolle und reagieren nur auf Sonnenlicht, Wasser, Boden und Pflege.

DIE MATHEMATIK DER NACHHALTIGKEIT: FLÄCHENNUTZUNG UND INVESTITIONEN


Laut 2021 veröffentlichtem "Golf Course Environmental Profile" der Golf Course Superintendents Association of America (GCSAA) werden nur etwa zwischen 35 und 40 Prozent eines Golfplatzes regelmäßig gepflegt. Die restlichen 60 bis 65 Prozent erfahren nur eine geringfügige oder gar keine Pflege.

Ein Golfplatz ist somit weit weniger Kulturlandschaft, als es landwirtschaftlich genutzte Flächen sind, und bildet somit eine vielfältige Landschaft und einen Lebensraum für Wildtiere, der gleichzeitig Vögel, Insekten und andere Arten anzieht. Bei fachgerechter Pflege verschönern sie das Gelände, spiegeln die einheimische Fauna wider und fügen sich harmonisch in die gegebene Landschaft ein.

Der Blick des Architekten:

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VIELE SUBSTANZEN, DIE IN DEN USA VERWENDET WERDEN, SIND IN EUROPA FÜR DIE ANWENDUNG AUF GOLFPLÄTZEN GÄNZLICH VERBOTEN. IN DER EUROPÄISCHEN LANDWIRTSCHAFT SIND EINIGE DIESER CHEMIKALIEN ALLERDINGS ZUGELASSEN.
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Bild oben: DICHT BEWACHSEN
Auf einem Quadratmeter wachsen im Schnitt gerade einmal sieben Maispflanzen, bei Weizen sind es zwischen 200 und 350. Rasen hingegen hat auf jedem Quadratmeter mehr Pflanzen, als auf einem Maisfeld pro Hektar wachsen!


DIE BEDROHUNG DURCH GRUNDWASSERVERSCHMUTZUNG


Eine 2010 in der Fachzeitschrift "Environmental Toxicology and Chemistry" veröffentlichte Peer-Review-Studie, die sich über 20 Jahre erstreckte, untersuchte 80 Golfplätze in den USA und wertete 38.827 Datensätze zu Pestiziden, Metaboliten, Nitrat und Phosphor in Oberflächen- und Grundwasser aus. Die zentrale Schlussfolgerung lautete: "An den untersuchten Standorten traten keine flächendeckenden und/oder wiederholten Beeinträchtigungen der Wasserqualität durch Golfplätze auf."

In Mitteleuropa unterliegen Golfplätze noch einmal deutlich strengeren Vorschriften als in Nordamerika, insbesondere hinsichtlich Pestiziden und Fungiziden. Viele Substanzen, die in den USA verwendet werden, sind in Europa für die Anwendung auf Golfplätzen gänzlich verboten. In der europäischen Landwirtschaft sind einige dieser Chemikalien jedoch zugelassen.

WASSERVERBRAUCH


18-Loch-Golfplätze in Mitteleuropa, die Abschläge, Grüns und Fairways bewässern, verbrauchen jährlich so viel Wasser wie 500 bis 900 Haushalte. Bei Plätzen, die nur Abschläge und Grüns bewässern, sinkt der Verbrauch auf 20 bis 85 Haushalte. In Mitteleuropa deckt der Niederschlag oft einen Großteil des Wasserbedarfs des Rasens. Zusätzliches Wasser stammt fast ausschließlich aus nicht trinkbaren Quellen wie gesammeltem Regenwasser, Teichen auf dem Gelände, Oberflächenabfluss oder Grundwasser. Trinkwasser ist in verantwortungsvoll geführten Anlagen selten oder gar nicht vorhanden. Für Golfplätze, die Fairways bewässern, wo die genannten Quellen möglicherweise nicht ausreichen, kann in begrenztem Umfang Trinkwasser aus dem öffentlichen Netz verwendet werden, dies ist allerdings unüblich.

Diese Praktiken verdeutlichen, wie gering mitteleuropäische Golfplätze ihren ökologischen Fußabdruck halten, indem sie deutlich weniger Trinkwasser verbrauchen, als allgemein angenommen wird, und sich hauptsächlich auf nachhaltige, nicht trinkbare Quellen stützen.

GOLFPLÄTZE VS. LANDWIRTSCHAFTLICHE NUTZFLÄCHEN


Für den Neubau von Golfplätzen werden hierzulande häufig landwirtschaftliche Ackerflächen genutzt. Die Vorteile für die Umwelt liegen auf der Hand: Nur rund 35 bis 40 Prozent der Golfanlage (Grüns, Abschläge, Fairways) werden mit Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln behandelt, während Roughs, Naturflächen und Pufferzonen in der Regel unbehandelt bleiben.

Golfplätze versuchen, übermäßiges Wachstum zu vermeiden, da es die Mähkosten erhöht. Aus diesem Grund ist der Düngemitteleinsatz auf Fairways und Roughs im Allgemeinen geringer als bei intensiv bewirtschafteten Kulturen wie Weizen, Mais oder Ölsaaten. Lediglich die Grüns, die etwa ein bis zwei Prozent der Gesamtfläche ausmachen, werden in vergleichbarem Umfang gedüngt.

Der Gesamtdüngemittelverbrauch auf gut gepflegten Golfplätzen ist in der Regel deutlich geringer als auf vergleichbaren Flächen typisch bewirtschafteter, intensiver Landwirtschaft. Die genauen Einsparungen variieren natürlich je nach Standortbedingungen und Bewirtschaftungsmethoden.

Auch der Einsatz von Pestiziden ist auf Golfplätzen deutlich geringer als in der Landwirtschaft, er liegt bei etwa 5 bis 20 Prozent oder darunter. Dies ist auf gezielte Anwendungen, die hohen Produktkosten und die strengen europäischen Vorschriften für die Anwendung auf Golfplätzen zurückzuführen.

Der Blick des Architekten:
Bild oben: RASENPROFIL
Eine faserige Matte hält, filtert und reinigt das Wasser, wenn es über sie hinweg und durch ihre Strohschicht und ihr dichtes Wurzelsystem fließt.


NATÜRLICHE FILTERUNG UND EROSIONSSCHUTZ


In unseren Breiten liegt Ackerland oft monatelang brach oder ist nur spärlich bewachsen und daher anfällig für Erosion. Golfplätze hingegen bietet einen außergewöhnlichen Erosionsschutz und vieles mehr. Pro Quadratmeter wachsen etwa 5 bis 10 Maispflanzen, 30 bis 80 Rapspflanzen und 250 bis 300 Weizenpflanzen. Zwischen diesen Pflanzen befindet sich sehr viel Boden, der nicht von Wurzeln gesichert und somit erosionsgefährdet ist.

Auf einem Quadratmeter Fairway wachsen eine Vielzahl unterschiedlicher Pflanzen. Ihre winzigen Triebe, Zehntausende und Hunderttausende pro Quadratmeter, bilden eine dichte, stabile und faserige Spielfläche. Es ist daher nicht das oberirdisch Sichtbare, was Golfplätze ökologisch so wertvoll macht, sondern das, was unter der Vegetationsdecke verborgen liegt. Dort befindet sich die Filzschicht gefolgt von dichten Wurzelsystemen, die üblicherweise 20 bis 40 Zentimeter tief reichen und unter günstigen Bedingungen sogar noch tiefere Schichten erreichen.

Abschläge, Fairways und Grüns sorgen dank der geschlossenen Vegetationsdecke, der dichten Wurzelsysteme und der biologisch aktiven Filz- und Bodenschichten für eine effektive Oberflächen- und Untergrundfiltration des Wassers. Diese Eigenschaften verlangsamen die Wasserbewegung im Boden und verlängern so gleichzeitig die Kontaktzeit für mikrobielle Prozesse, die Nährstoffe und organische Verbindungen abbauen, während das Wasser durch das Bodenprofil sickert. Unter normalen Bedingungen bieten Golfplätze daher eine bessere Wasseraufbereitungskapazität als nahezu alle konventionellen landwirtschaftlichen Nutzflächen.

UNSER MOTTO SOLLTE SEIN: TUE GUTES UND REDE DARÜBER


Golf ist eine Erfolgsgeschichte, ein Vorbild für verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt, darüber sollte sich jeder Golfer im Klaren sein. Indem wir als Golfgemeinschaft diese Geschichte weitererzählen, können wir weitverbreiteten Missverständnissen entgegenwirken, die dem Ruf und dem Wachstum des Golfsports schaden. Wenn nicht die vielen Golfer selbst die positiven Auswirkungen des Golfsports auf Freizeit und Umwelt vermitteln, frage ich noch einmal, wer dann?

 
DER AUTOR

DER AUTOR

Tony Ristola, ein Amerikaner mit finnischen Wurzeln, kann nicht nur Golf spielen - er war als Teaching- sowie Playing-Pro aktiv -, sondern fand in der Golfplatzarchitektur seine wahre Bestimmung. Zusammen mit Arbeitern, von denen die meisten noch nie einen Golfplatz gesehen hatten, schuf er mit Sand Valley in Polen sein erstes, international gefeiertes 18-Loch-Layout. Als einziger Golfplatzarchitekt garantiert er, jeden einzelnen Tag der Planungs- und Bauphase einer neuen Anlage vor Ort zu sein. www.tonyristola.com

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