GRAND SLAM
1935 GENE SARAZEN, 1953 BEN HOGAN, 1965 GARY PLAYER, 1966 JACK NICKLAUS, 2000 TIGER WOODS, 2025 RORY MC ILROYGäbe es eine Richter-Skala für kollektives Aufatmen im Golf, hätte sie am 13. April 2025 einen neuen Höchstwert gemessen. Als Rory McIlroy am ersten Extraloch des Masters seinen Putt zum Birdie lochte, setzte er nicht nur den Schlusspunkt hinter ein an Aufregung kaum zu überbietendes Turnier. Er entkam endlich auch seiner persönlichen Sisyphos-Aufgabe. Immer wieder hatte McIlroy schon fast einen Arm im Grünen Jackett und immer wieder ist es ihm entglitten. Dem aus vollem Hals jubelnden Publikum, das seit 16 Jahren bei jedem dieser Fehlschläge mitgelitten hatte, war die Erleichterung regelrecht von den Gesichtern abzulesen. Doch die verblasste gegen die Freude des Nordiren. McIlroy warf seinen Putter nach hinten, schlug die Hände vor das Gesicht, sank auf die Knie und begann, unter "Rory, Rory"-Sprechchören hemmungslos zu weinen. "Das, was auf dem letzten Grün aus mir herausgebrochen ist, waren mindestens elf Jahre, wenn nicht sogar 14 Jahre an aufgestauten Emotionen", erklärte er im Anschluss in der Pressekonferenz. "Ich habe diese Last seit August 2014 mit mir herumgetragen. Es ging ja nicht nur darum, mein nächstes Major gewinnen zu wollen, sondern auch den Karriere-Grand-Slam - und damit einer Gruppe von nur fünf Spielern beizutreten, denen es bisher gelungen ist."


»IN AUGUSTA MUSSTE MAN AUF ZEHENSPITZEN GEHEN, WENN MAN DORT WAR. ICH BIN NICHT DER TYP, DER AUF ZEHENSPITZEN LÄUFT.
- Lee Trevino -«
Jedoch setzte der Name schnell Staub an, denn außer Bobby Jones schaffte es niemand, alle vier Majors in einem Jahr zu gewinnen. Dies lag vor allen Dingen an zwei Umständen: Viele Spieler scheuten die anstrengende Reise nach Übersee und terminliche Überschneidungen der Open und der PGA Championship machten es unmöglich, alle vier Turniere zu gewinnen. Bestes Beispiel war Ben Hogan, der 1950 das Masters und die US Open gewann, sich aber dann zwischen den anderen beiden entscheiden musste, weil die Open-Qualifikation mit dem Schlusstag der PGA kollidierte. Populär wurde der Begriff Grand Slam dann ironischerweise durch Arnold Palmer, der 1960 nach Siegen in den ersten beiden Majors des Jahres auf dem Flug zur Open mit Reporter Bob Drum seinen Traum vom modernen Grand Slam formulierte - allerdings immer noch bezogen auf vier Siege im selbern Kalenderjahr.
MASTERS FEHLT
JIM BARNES, TOMMY ARMOUR, WALTER HAGEN, LEE TREVINOSelbst als Gary Player und Jack Nicklaus 1965 beziehungsweise 1966 ihr Major-Quartett komplett machten, gab es noch keinen festen Begriff. Der "Glasgow Herald" sprach vom "modernen Viereck" und "The Register-Guard" nutzte mit "Cycle" einen Baseball-Begriff, um die Leistung zu beschreiben. Erst in den 1970ern setzte sich vom Tennis ausgehend der Begriff Karriere-Grand-Slam durch und Sarazen, Hogan, Player und Nicklaus wurden retrospektiv Gründungsmitglieder dieses elitären Clubs. Dass jedoch erst 2000 mit Tiger Woods ein Quintett daraus wurde, lag vielleicht auch daran, dass die Entstehung dieser neuen golferischen Königsklasse auch zusätzlichen Druck bedeutete, an dem viele Stars scheiterten.

PGA FEHLT
JORDAN SPIETH, TOM WATSON, ARNOLD PALMERDiese Verteidigung können die drei Spieler, denen die PGA Championship durch die Finger geglitten ist, nicht vorbringen. Besonders bitter war es für Jordan Spieth. Der damals 22-Jährige hatte 2015 ein Jahr für die Ewigkeit, gewann das Masters und die US Open, verpasste bei der Open nur durch ein Bogey am Road Hole das Play-off und legte bei der PGA Championship mit 17 unter Par einen Score hin, der bei 288 der bisherigen 295 Major-Turniere für den Sieg gereicht hätte - in genau jenem Jahr aber noch von Jason Day übertroffen wurde.
Noch knapper war Tom Watson 1978 an der Wanamaker Trophy vorbeigeschrammt, als er erst am zweiten Play-off-Loch den Kürzeren gegen John Mahaffey zog. Auch wenn Watson sieben weitere Top-Ten-Platzierungen erzielte, kam er dem Sieg nie wieder so nah. Am tiefsten saß der Stachel aber bei Arnold Palmer. Ausgerechnet der Mann, dem wir die Schöpfung des modernen Grand Slam verdanken, biss sich daran die Zähne aus. Dreimal gleich musste er als Zweiter einem anderen applaudieren. 1964 ging ihm in der Schlussrunde die Luft aus, 1968 wurde er das gesamte Turnier über von seinem Putter im Stich gelassen und verschob einen Zweieinhalbmeter-Putt zum Stechen. Und 1970 konnte selbst "Arnie's Army", Palmers fanatische Fans, mit ihren "Shank it"-Zwischenrufen Spielpartner Dave Stockton nicht aus der Ruhe bringen. Jahre später erklärte Palmer dieses Major zu dem einen Event, das er gerne in seinen Briefkopf geschrieben hätte: "Ich bedaure, dass ich die PGA Championship nie gewonnen habe. Das hätte mich sehr gefreut."



