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Moortown

Die Wiege des Ryder Cup

Von Rudi Schaarschmidt

Auf den Spuren von Alister MacKenzie und dem ersten Ryder Cup auf europäischem Boden wird jede Runde im Moortown Golf Club zur Zeitreise - und jeder Schlag zu einem Duell mit der eigenen Fantasie.

Es gibt Golfreisen. Und es gibt Reisen, die sich eher wie Pilgerfahrten anfühlen. Yorkshire, eine von ihren Bewohnern liebevoll (völlig zu Recht) "God's Own County" genannte Grafschaft im Norden Englands, gehört zur zweiten Kategorie. Yorkshire ist Golf. Yorkshire ist Alister MacKenzie. Yorkshire ist Ryder Cup. Diese perfekte Trias mit über 200 Golfplätzen ist in vielerlei Hinsicht ein Paradies für Golfer. Zwischen den an Leeds angrenzenden Heideflächen liegen einige der bedeutendsten Golfplätze der Welt - entworfen von einem Mann, dessen Ideen das Spiel bis heute prägen.

Für Golf-Freaks ist Alister MacKenzie der Claude Monet unter den Golfplatzarchitekten. Er "malte" Golfkurse in die Landschaft und arbeitete dabei wie der französische Impressionist mit Licht, Schatten und der perfekten Platzierung von Elementen, um eine natürliche, emotionale Wirkung zu erzielen. 1905 gründete er in Leeds den Alwoodley Golf Club und wurde dessen Clubsekretär.

Moortown: Wo ist Walter? Links hinter der britischen Fahne
Wo ist Walter? Links hinter der britischen Fahne

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FÜR GOLFFREAKS IST ALISTER MACKENZIE DER CLAUDE MONET UNTER DEN GOLFPLATZARCHITEKTEN.
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Seine Ideen zum Umbau der Anlage wurden von den Mitgliedern aber erst durch die Einbeziehung des Golfplatzarchitekten Harry Colt goutiert. Alwoodley zählt heute noch zu den besten Inlandkursen Englands. Sein erstes komplett eigenes Werk schuf MacKenzie 1909 nur wenige Kilometer entfernt mit dem Moortown Golf Club auf einem Heidegebiet namens Black Moor. Einige Jahre später baute er, wieder nur wenige Drive-Längen entfernt, den Sand Moor Golf Club. Drei Clubs, die beinahe aneinandergrenzen und attraktive Stay-and-play-Pakete anbieten - allesamt aus der Feder von MacKenzie, der später mit Augusta National, Cypress Point oder Royal Melbourne Weltruhm erlangen sollte. Wenn das keine Wallfahrt ist!

Doch auch der Moortown Golf Club selber schrieb 1929 Geschichte als erster europäischer Austragungsort des Ryder Cup. Im Clubhaus, an dessen Eingang eine blaue Plakette auf dieses historische Ereignis verweist, umarmen mich die Musen der Erinnerungen in Form von Devotionalien, die einem historisch interessierten Golfer die Tränen in die Augen treiben. Die Wände in der "Samuel Ryder Lounge" und der "MacKenzie Bar" sind geschmückt mit Golf-Memorabilien vom historischen Sieg Großbritanniens: die originalen Nationalflaggen, die bei der Präsentation der Teams eingesetzt wurden, Zeitungsausschnitte, Urkunden und zahlreiche Fotografien mit Unterschriften. Und in der Umkleide prangen sogar noch die Namensplaketten von Walter Hagen und Alister MacKenzie an ihren Spinden. Stärker kann einen Golfgeschichte nicht umwabern.

Moortown: Moortown:
Schon vor meinem ersten Abschlag denke ich daran, wie ich gleich verändert diesen Platz verlassen werde. Viele von MacKenzies Prinzipien, die er später in Augusta oder Cypress Point verwirklichte, lassen sich bereits auf diesem Heathland-Kurs erkennen. Große bewegte Grüns, die den Stil von Küstenplätzen aufnehmen und oft schräg zum Anspielwinkel liegen. Asymmetrische Bunker mit ausgeprägt unregelmäßigen Formen, die natürliche Meeresküstenkonturen nachahmen, visuell beeindrucken und spieltechnisch fordern. Heidekraut, Ginster und Kiefern verengen strategisch manch scheinbar breites Fairway und verleihen den Bahnen ihre charakteristische Kulisse. Künstliche Hügel sind harmonisch ins Gelände integriert. Und dann der Höhepunkt, die zehnte Bahn, das Signature Hole namens "Gibraltar"! Nicht einfach ein Par 3, sondern vielmehr eine Idee - Monets "Sonnenaufgang" auf 145 Metern. Es ist zu einem Sinnbild für MacKenzies Kreativität geworden. Wer hier abschlägt, spielt nicht einfach nur Golf. Er spielt gegen die Fantasie eines Mannes. Es fordert einen präzisen Schlag auf ein leicht erhöhtes Grün auf einem felsigen Plateau, dessen Konturen ungenaue Schläge in die umliegenden Bunker lenken. Durch viele verschiedene Fahnenpositionen lässt sich die Spielstrategie täglich verändern. Es war das erste Loch, das MacKenzie baute, und es verschlang bereits das Budget für den gesamten Platz. MacKenzie schwor, dass diese Bahn seine originäre Idee war und er das berühmte Par 3 "Redan" aus dem 1832 eröffneten North Berwick Golf Club, mit dem es gerne verglichen wird, zuvor nie gesehen hatte.

Der größte Teil von Moortown ist immer noch im Originalzustand, auch wenn sich das Routing mittlerweile ein wenig verändert hat. 2014 hat Ken Moodie die Grüns und Bunker einer Renovierung unterzogen, ein modernes Bewässerungssystem installiert und einige Bäume gefällt und so an den richtigen Stellen das Heathland-Feeling verstärkt. Aber tauchen wir ein in eine Zeit, in der es noch kein Fernsehen gab, und stellen uns vor, wie hier erstmals das faszinierendste Sportereignis auf europäischem Boden stattfindet. Nach der 9,5 : 2,5-Klatsche für die Briten bei der ersten Austragung 1927 in Massachusetts wird im Dezember 1928 überraschend Moortown den renommierteren Clubs aus Surrey oder Schottland vorgezogen, um am 26. und 27. April 1929 Gastgeber für den Ryder Cup zu sein. Vier Monate Vorbereitungszeit! Der Austragungsort für 2027, Adare Manor, wurde acht Jahre zuvor bestimmt. Weil Alister MacKenzie in den USA weilt, wird sein Bruder Charles gebeten, die notwendigen Änderungen am Platz vorzunehmen, insbesondere die Verlängerung durch Zurücksetzen einiger Backtees, wodurch rund 300 Meter gewonnen werden.

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Die USA werden angeführt von ihrem charismatischen Kapitän Walter Hagen, der großen Triebfeder für die Professionalisierung des Golfsports. Die Presse zeigt sich vom Auftreten der Amerikaner beeindruckt. Zum einen präsentieren sich diese wie aus dem Ei gepellt in Teamanzügen aus feinstem Zwirn und mit Golfbags, die ihren Namen und das Ryder-Cup-Emblem tragen. Dass die Briten anziehen, was sie wollen, rechtfertigt ihr Captain George Duncan mit der Bemerkung "Es ist ein Golf-Wettkampf und keine Mannequin-Parade." Während das amerikanische Team auf der Driving Range praktisch Schulter an Schulter mit jeweils 20 Schlägern (die Limitierung auf 14 folgte erst deutlich später) gemeinsam trainiert und das "Klackklackklack" stundenlang wie ein Maschinengewehrfeuer über die Anlage hallt, lässt Duncan seine Jungs trainieren, wann und wie sie wollen.

Zwei Tage vor dem Beginn des Wettkampfs hätte man sich in Yorkshire gewünscht, der Frühling hätte sich ein bisschen mehr beeilt. Ein Blizzard fegt über die Anlage und überzieht den Platz mit einer amtlichen Schneedecke. Die sonnenverwöhnten Amis trainieren trotzig weiter, obwohl Putten nicht mehr möglich ist. Auf dem Parkplatz vor dem Clubhaus spricht der 16-jährige Lehrling Ernest Hargreaves, der für die Clubmitglieder gelegentlich die Taschen trägt, Walter Hagen an und offeriert ihm seine Caddie-Dienste. Hagen akzeptiert. Nach dem Ryder Cup bittet ihn "The Haig", auch bei der Open und einem weiteren Turnier in Leeds für ihn zu arbeiten. Für den jungen Hargreaves ein Wendepunkt in seinem Leben, wird er doch nach abgeschlossener Lehre Kammerdiener und Caddie bei Henry Cotton, der später drei Major-Titel gewinnt.

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