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Par-Therapie

Montgomerie Golf Club Dubai

Von Rüdiger Meyer

Colin Montgomerie hat die viertmeisten Turniere in der Geschichte der European Tour gewonnen. Doch in Erinnerung bleibt der Schotte vor allem wegen seiner Major-Enttäuschungen.

LOCH 18 • PAR 5 • 600 METER (SCHWARZ) • HCP 1


MONTIZUMAS RACHE


ORT
DUBAI, VEREINIGTE ARABISCHE EMIRATE
ERBAUT
2002
DESIGN
COLIN MONTGOMERIE UND
DESMOND MUIRHEAD
PAR
72
LÄNGE
6.822 METER
PLATZART
ÖFFENTLICH/LINKS-STIL
Die Schlussbahn des Montgomerie Golf Club in Dubai wirkt, als hätte "Monti" all seine aufgestauten Frustrationen in dieses Loch gepackt - frei nach dem Motto "Geteiltes Leid ist halbes Leid".

Aus psychologischer Sicht ist es nicht clever, das schwierigste Loch eines Platzes ans Ende zu setzen. Wer als Club möchte, dass die Greenfee zahlenden Gäste noch einmal zurückkehren, fährt in der Regel besser, wenn sie mit einem Glücksgefühl als mit Wut vom Platz gehen. Niemand sollte das besser wissen als Colin Montgomerie, der 2006 bei der US Open in Winged Foot mit einem Doppel-Bogey am letzten Loch seine beste Chance auf einen Major-Titel wegwarf. Die Schlussbahn des Montgomerie Golf Club in Dubai wirkt, als hätte der Schotte 13 Jahre später das Ganze in etwas verwandelt, was der Psychologe Affektverschiebung nennt: die Umleitung des eigenen Frusts auf ein anderes, schwächeres Ziel - in diesem Fall den Durchschnittsgolfer, der nur eine entspannte Golfrunde in der begrünten Wüste Dubais spielen will. Es fängt bereits bei der Länge an. Gut, die wenigsten werden die ganzen 600 Meter von hinten spielen, aber auch von den vorderen Tees misst das Par 5 noch ordentliche 511 Meter - an einem Ort, an dem oft mal eine steife Brise wehen kann. Zudem haben sich Montgomerie und sein 2002 verstorbener Co-Designer Desmond Muirhead nicht mit Lappalien wie einem Inselgrün aufgehalten. Sie haben gleich ein ganzes Inselloch gebaut, an dem sich lediglich die Teeboxen auf Festland befinden. Noch bizarrer als das Fairway, dessen Form an einen Rorschach-Test erinnert, ist das Grün. Als gäbe es auf dem Loch nicht schon genug Wasser, wurde auch noch ein Teich vor dem schlauchförmigen Grün ausgehoben. Wenn die Fahne zentral gesteckt ist, dürfte es selbst einem Profi schwerfallen, den Ball zum Halten zu bringen, denn dort ist das Grün gerade einmal zehn Meter tief. Oder um in der Sprache von Montgomerie zu bleiben: nur ein Drittel so tief wie das Grün in Winged Foot, das er aus 156 Metern Entfernung rechts verfehlt hat.

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