Am ersten Abschlag - Weiblich, ledig, jung sucht ...

Am ersten Abschlag Weiblich, ledig, jung sucht ...

24.08.2026 | Von Rüdiger Meyer, Foto(s): Getty Images

Während in den USA Millionen junge Frauen den Golfsport für sich entdecken, hängt ausgerechnet Deutschland, das jahrelang als Vorreiter in Sachen Frauengolf galt, noch deutlich hinterher.

Seit der Corona-Pandemie hat Golf weltweit einen noch nie da gewesenen Boom erlebt. Doch schaut man sich die Zahlen genauer an, hat unser Sport diesen Popularitätsschub vor allem einer Gruppe zu verdanken: Frauen. Die jüngsten Daten der National Golf Foundation (NGF) weisen für die Staaten 8,1 Millionen aktive Golferinnen aus - eine Zahl, die es dort letztmals Anfang der 2000er gab. Damit machen Frauen in den USA noch nie da gewesene 28 Prozent aller Golfspieler aus, vor 14 Jahren lag die Marke noch bei mickrigen 20 Prozent.

Über diese Werte kann man in Deutschland eigentlich nur lachen. Laut DGV belegt Deutschland auch 2025 mit einem weiblichen Anteil von 34,7 Prozent sowohl in absoluten als auch in relativen Zahlen in Europa einen Spitzenplatz. Doch taucht man etwas tiefer in die Zahlen ein, bekommt das deutsche "Fräuleinwunder" einige Risse, denn anders als in den USA ist der Corona-Boom hierzulande schon längst wieder abgeflaut.

In den USA wurden in den letzten sieben Jahren 60 Prozent des Wachstums im Golfbereich von Frauen angetrieben - und dabei vor allem von den Jüngsten. Im Juniorenbereich etwa hat sich der Mädchenanteil seit 2000 mehr als verdoppelt. Damals machten Juniorinnen lediglich 15 Prozent aus, heute beträgt ihr Anteil 35 Prozent. In Deutschland sieht es bei jüngeren Spielerinnen dagegen alles andere als rosig aus, wie die DGV-Daten zeigen. Blickt man nur auf die Altersgruppen bis 40, macht der Frauenanteil in Deutschland gerade einmal 26 Prozent aus. Offenbar entdecken noch mehr Frauen als Männer den Golfsport erst in ihrer zweiten Lebenshälfte. Schlimmer noch: Seit 2023 ist die absolute Zahl von Golferinnen unter 20 Jahren anders als bei Jungs sogar wieder gesunken.

In den USA wird der Erfolg bei jüngeren Mädchen vor allem von zwei Faktoren getrieben: der Omnipräsenz von Golf im Social-Media-Bereich sowie der Möglichkeit, den Sport just for fun auszuüben, etwa bei Topgolf, wo laut Firmenangaben 40 Prozent der Golf-Einsteiger weiblich sind. Beides ist in Deutschland nicht gegeben, weil der deutsche Golf-Creator-Markt noch in den Kinderschuhen steckt und Anlagen wie Topgolf oder die Golf Lounge Hamburg immer noch viel zu rar gesät sind. Gleichzeitig sind aber auch die USA nicht das Land, in dem Milch und Honig um die Inselgrüns fließen. Den Sprung von der golfinteressierten zur aktiven Spielerin machen auch dort aktuell noch zu wenige mit. Nicht einmal die Hälfte konvertiert von der Range auf den Golfplatz. Ihre Begründung laut National Golf Foundation: Der Einstieg sei "wenig motivierend" gewesen. Der Vorschlag der NGF: Par-3-Plätze und - sowohl was Distanz als auch Zeit betrifft - kürzere Golfangebote seien der Schlüssel, um Frauen langfristig im Golfsport zu halten. Ein weiterer Punkt, an dem es in Deutschland aktuell noch ein wenig mangelt.