Amundi German Masters 2026 - Deutsches Sextett erlegt das Grüne Monster

Amundi German Masters 2026 Deutsches Sextett erlegt das Grüne Monster

14.05.2026 | Von Rüdiger Meyer, Foto(s): Tristan Jones / LET

Die Auftaktrunde des Amundi German Masters stand ganz im Zeichen von Schwarz-Rot-Gold. Leonie Harm und Esther Henseleit setzten sich mit brillanten Runden vom Feld ab, aber auch Helen Briem, Alexandra Försterling und Chiara Noja sind mit Top-10-Resultaten in Schlagdistanz.

Als Turnierdirektor Dirk Glittenberg einige Wochen vor Turnierstart seine Hoffnungen für das Amundi German Masters 2026 zum Ausdruck brachte, stand ein Wunsch ganz oben auf seiner Agenda: eine deutsche Spielerin mit Siegchancen zu haben, um am Wochenende begeisterte Zuschauer und Zuschauerinnen auf den Nordkurs von Green Eagle locken zu können. Nach den ersten 18 Löchern sieht es ganz so aus, als könne sein Wunsch Realität werden. Dabei begann der Donnerstag im wahrsten Sinne des Wortes trüb. Ein kräftiger Regenschauer ließ nicht nur viele Vatertagstouren ins Wasser fallen, auch der eine oder andere Golffan überlegte es sich zweimal, ob sich die Fahrt nach Winsen/Luhe lohnt. Wer sich dagegen entschied, wird sich doppelt ärgern, denn nicht nur klarte das Wetter auf, selten hat man so geschlossen hochklassige Leistungen der deutschen Golferinnen zu sehen bekommen.
Dazu trugen auch die äußeren Bedingungen bei. Der Regen weichte die Grüns so auf, dass man die meisten Fahnenpositionen angreifen konnte, und da gleichzeitig der starke Wind ausblieb, war es einer der wenigen Tage, an denen das Grüne Monster tatsächlich verwundbar war. Die erste, die dies ausnutzte, war Leonie Harm. Mit einer lupenreinen 65 setzte die in der ersten Gruppe des Tages gestartete 28-Jährige eine Bestmarke, die bis zum Ende des Tages Bestand hatte und niedriger war als jede Runde, die bei der vergangenen Austragung gespielt wurde. Nur zwei Gruppen hinter Harm legte Lokalmatadorin Esther Henseleit los wie die Feuerwehr. Die Silbermedaillengewinnerin von Paris startete auf den leichteren Back 9 mit vier Birdies in Folge und hatte nach neun Löchern gerade einmal 32 Schläge auf der Scorekarte. Selbst ein Bogey an der 1 warf die LPGA-Spielerin nicht aus der Bahn, die mit einer 66 in aussichtsreicher Position liegt. Den deutschen Ausnahmetag komplettierte Laura Fünfstück, die sich als beste Spielerin der Nachmittagsgruppe mit einer 68 noch schlaggleich mit Sofie Kibsgaard auf Platz 3 schob. Die Dänin hatte beim Pro-Am am Mittwoch noch mit ihrem Schwung gehadert, aber glücklicherweise ihren Trainer vor Ort, der am Nachmittag die richtigen Worte und Übungen fand, um sie wieder in die Spur zu bringen.
Nur einen Schlag dahinter findet sich mit Helen Briem der nächste deutsche Star wieder. Die 20-jährige Longhitterin, die seit diesem Jahr in den USA spielt, leistete sich zwar ausgerechnet an einem Par 5 das einzige Bogey des Tages, scheint aber auf bestem Weg, ihren zweiten Platz aus dem Vorjahr bestätigen zu können. Schlaggleich mit Briem bestätigt Casandra Alexander ihre überragende Form. Die Südafrikanerin beendete sechs ihrer acht Starts in diesem Jahr mit einem Top-6-Resultat und scheint diese unglaubliche Serie auch in Green Eagle fortsetzen zu können. Und auch bei 3 unter Par findet sich die deutsche Flagge auf dem Leaderboard - sogar gleich doppelt. Während für Alexandra Försterling die 70 das wohl schlechtmöglichste Ergebnis war, da nahezu jeder Birdie-Putt das Loch nur um Zentimeter verfehlte, geht Chiara Noja mit einem guten Gefühl in den zweiten Tag: Die 20-Jährige spielte auf ihren letzten vier Löchern drei Birdies und katapultierte sich so von Rang 40 noch in die Top 10.
Allerdings sind die starken Ergebnisse kein Polster, auf dem sich die deutschen Spielerinnen ausruhen sollten, denn auch am Freitag soll es nicht nur sonnig, sondern auch weiterhin weitestgehend windstill bleiben. Die Chancen stehen daher gut, dass die LET-Spielerinnen das Grüne Monster erneut verwunden und richtig niedrige Ergebnisse schießen können. Gut möglich also, dass die 9 unter Par, mit denen die aktuell auf Platz 18 liegende Shannon Tan im Vorjahr gewinnen konnte, 2026 nicht mal für einen Platz in den Top 10 reichen werden. Für das Turnier ein Segen, denn so ist für das Wochenende ein hochklassiges Golfspektakel garantiert, in das sicherlich auch etliche der deutschen Golfstars involviert sein werden.