New Faces - One Direction Unangenehm: der Moment, bevor das Alien aus dem Brustkorb springt
Unangenehm: der Moment, bevor das Alien aus dem Brustkorb springt

New Faces One Direction

01.01.1995 | Von Rüdiger Meyer, Foto(s): Getty Images

Vor zwei Jahren noch ohne Tourkarte, heute ganz vorne im Race to Dubai: die Karriere des jungen Südafrikaners Jayden Schaper kennt in dieser Saison nur eine Richtung: nach oben.

Niall Horan weiß, wie man Talente findet. Der Ire nahm 2010 an der Casting-Show "The X Factor" teil und wurde dort für die Boyband One Direction gecastet. Nebenbei ist Horan aber auch begeisterter Golfer und trug 2015 beim Masters im Par-3-Wettbewerb das Bag von Kumpel Rory McIlroy. Im gleichen Jahr gründete der Sänger mit Modest! Golf eine PR-Agentur und nahm Stars wie Tyrrell Hatton, Thorbjørn Olesen oder Leona Maguire unter Vertrag. Doch Horans wahres Können liegt im Formen von Talenten. Bei drei Auftritten als "The Voice"-Juror siegten Kandidaten aus seinem Team und auch im Golf bewies er den richtigen Riecher, als er dem frischgebackenen Profi Jayden Schaper einen Platz in seiner "Boyband" anbot.

Der 2001 in der Johannesburger Vorstadt Benoni geborene Schaper spielt im Bunker, während andere Kinder Sandburgen bauen. "Sobald ich laufen konnte, drückte mir mein Vater einen Schläger in die Hand", erinnert sich Schaper an die Anfänge im San Lameer Country Club. Sein Talent kombiniert er mit harter Arbeit, sodass er als Kid sogar größere Jugendliche in Südafrika dominiert: Mit elf Jahren gewinnt er die U13- und U15-Meisterschaften, mit 14 sackt er die U17-Championship ein und mit 16 schafft er als erster Südafrikaner den Nomads SA Boys Grand Slam, als er dazu noch die U19-Trophäe gen Himmel reckt. Dass er auch gegen internationale Konkurrenz bestehen kann, zeigt Schaper 2019, als er die Junior Players Championship im TPC Sawgrass gewinnt und als Amateur auf der Challenge Tour den Cut schafft.

New Faces: Wie bei der Nationalelf: im Hintergrund nur Leute, die es besser wissen
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Steckbrief

NAME
JAYDEN SCHAPER
NICKNAME
THE SHAPER & CLUTCH
JAHRGANG
2001
WOHNORT
JOHANNESBURG, SÜDAFRIKA
PROFI SEIT
2020
WELTRANGLISTE
51. PLATZ (FEB. '26)
RACE TO DUBAI
2. PLATZ (FEB. '26)

ERFOLGE
2025
3. PLATZ - KLM OPEN
SIEGER - AFRASIA BANK MAURITIUS OPEN
SIEGER - ALFRED DUNHILL CHAMPIONSHIP
2. PLATZ - NEDBANK GOLF CHALLENGE IN HONOUR OF GARY PLAYER
2026
4. PLATZ - HERO DUBAI DESERT CLASSIC
Vier Monate später ist jedem klar, dass Jayden Profi werden muss: Bei der South African Open liegt er nach 36 Löchern nur einen Schlag zurück und belegt am Ende den sechsten Platz hinter den nationalen Größen Branden Grace und Louis Oosthuizen. Open-Champion Oosthuizen, der die ersten beiden Runden mit Schaper spielt, ist sichtlich beeindruckt: "Jayden spielt vom Tee einen wunderbaren kleinen Cut. Viele der Jungs schlagen Draws, um mehr Länge zu gewinnen, aber was Jayden hat, ist lupenreine Klasse. Wir werden ihn in Zukunft noch öfter oben sehen." Wahre Worte, denn im November wird der Jungprofi geteilter Zweiter bei der Alfred Dunhill Championship. Der Sprung auf die European Tour erweist sich dennoch als großes Hindernis. Weder über die HotelPlanner Tour noch über die Q School gelingt ihm der nächste Schritt. Also wählt Schaper den härtesten Weg.

Ohne volle Spielberechtigung sichert sich Jayden Ende 2022 durch gute Ergebnisse in Südafrika weitere Einladungen auf der DP World Tour, verpasst bei 22 Starts nur siebenmal den Cut und wird als 104. im Race to Dubai Vollmitglied der Tour. Ohne diese Last auf den Schultern dreht er 2024 auf, beginnt die Saison mit vier Top Tens und qualifiziert sich für die DP World Tour Play-offs. Dass es für einen Sieg nicht reicht, liegt am schwachen Putten. Doch als er Ende 2025 den Spider Tour Z Putter ins Bag nimmt, ist er wie ausgewechselt. Von Platz 125 bei den Strokes Gained Putting katapultiert er sich dieses Jahr auf Platz zwei und läuft heiß wie Frittenfett, wie es Frank Buschmann formulieren würde.

Zum Saisonstart verpasst er bei der Nedbank Challenge nur um einen Schlag das Play-off mit Kristoffer Reitan und zeigt sich danach mehr motiviert als desillusioniert: "Ich weiß, dass mein Sieg kommt, ich kann es fühlen." Und tatsächlich, eine Woche später kämpft er sich bei der Alfred Dunhill Championship mit drei Birdies auf den letzten fünf Löchern ins Play-off gegen Landsmann Shaun Norris, nagelt den Ball aus dem Fairway-Bunker aufs Vorgrün und locht zum Eagle. "Das war einer der Schläge meines Lebens", schwärmt er im Anschluss, nur um eine Woche darauf einen noch spektakuläreren aus dem Ärmel zu zaubern. Bei der Mauritius Open spielt er sich mit zwei 64er-Runden ins Play-off gegen den Amerikaner Ryan Gerard und locht am zweiten Extraloch aus 50 Metern zum Eagle. Sollte es Schaper bis Ende März in die Top 50 der Weltrangliste schaffen, winkt eine Einladung zum Masters. Und wie Südafrikaner in Augusta National zurechtkommen, ist hinlänglich bekannt.

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