Was auf den ersten Blick wirkt, als würden sich drei Männer nur eine weitere Oase für die Reichen und Schönen erschaffen und damit Wasser auf die Mühlen aller "Golf ist nur für Eliten"-Kritiker gießen, ist in Wirklichkeit eine knallharte Business-Kalkulation. "Ich bin seit 25 Jahren in der schwedischen Golfbranche tätig. Ich weiß, was funktioniert und was nicht. Leider sind aus finanzieller Sicht nur schuldenfreie Clubs erfolgreich, deren Bau nicht Millionen gekostet hat", rechnet Lundin vor. "Die Jahresbeiträge in Schweden liegen zwischen 500 und 1.400 Euro. Damit kann man keine Rendite erzielen." Insbesondere wenn man wie das Investoren-Trio nicht einen Club wie alle anderen bauen will. "Wir wussten, dass wir wenigstens fünf und vielleicht sogar zehn Millionen Euro investieren müssen, wenn wir einen Platz und ein Clubhaus haben wollen, auf die wir stolz sind."
Also nahmen sie sich einige europäische Privatclubs wie Les Bordes oder Hogs Head im irischen Waterville zum Vorbild, in dem auch Lundin Mitglied ist. Während dort täglich die Privatjets und Helikopter einschweben, als wäre es die Bilderberg-Konferenz, wollten Lundin, Stenson und Karlsen eine dezentere Version. Natürlich träumen auch sie davon, eine internationale Klientel anzulocken, die mehr Golfclub-Mitgliedschaften als Unterhosen ihr Eigen nennt. Aber was, wenn das "Feld der Träume"-Mantra "Wenn du es baust, wird er kommen" nicht funktioniert? "Wir mussten ein Mitgliedschaftsmodell entwickeln, das nicht nur für einen internationalen, sondern auch für einen regionalen Markt funktioniert, also Oslo, Stockholm, Helsinki und Kopenhagen." Das Resultat ist ein Konzept, bei dem alle denselben Betrag zahlen. Möglich wird dies, indem ein Großteil des Mitgliedsbeitrags als Guthaben verbucht wird, von dem sämtliche Ausgaben bezahlt werden. Lokale Mitglieder, die 40 Runden im Jahr spielen, bekommen davon für jede Runde das Greenfee abgezogen. Internationale Mitglieder, die nur zwei- oder dreimal im Jahr für einen Kurztrip vorbeikommen, zahlen von dieser Pauschale ihre Unterkunft, das Essen im Restaurant und andere Annehmlichkeiten. Doch nicht nur das Beitragsmodell ist ungewöhnlich für einen Privatclub, auch die Beitragshöhe. Bei den europäischen Vorbildern Les Bordes, Vidauban, Hogs Head oder Castiglion del Bosco liegt die Aufnahmegebühr im niedrigen bis mittleren sechsstelligen Bereich. Crownwood verlangt aktuell 4.000 Euro. Und die Jahresgebühr von 7.000 Euro, davon 5.000 Euro als Guthaben, reicht anderswo gerade einmal für die Trinkgelder.


»FÜR EINEN GOLFBEGEISTERTEN IST DAS DIE PERFEKTE VORAUSSETZUNG: WIR HABEN KIEFERN, WIR HABEN REINEN SAND UND NUR EIN PAAR HUNDERT METER ENTFERNT DAS KATTEGAT.«
Für Lundin war Crownwood eine einmalige Chance. "Vor 500 Jahren war hier die Altstadt von Ängelholm. Aber weil der Sandboden so instabil war, verlegte man die Stadt ins Landesinnere und pflanzte Kiefern als Schutz gegen das Meer. Für einen Golfverrückten ist das die perfekte Voraussetzung: Wir haben Kiefern, wir haben reinen Sand und nur ein paar Hundert Meter entfernt das Kattegat." Allerdings war der Zustand eher so, dass man es in Autoanzeigen als "Liebhaberstück" inseriert hätte. "Die Vorbesitzer hatten durch die Forstwirtschaft die gesamte Bodenstruktur verändert. Statt zehn Zentimeter guten Mutterbodens hatten wir bis zu einem Meter, dazu es gab viele Baumstümpfe. Deshalb haben wir früh beschlossen, dass wir all das entfernen müssen, um den sauberen Sand freizulegen", erinnert sich Lundin. Als die Erdbewegungen erledigt waren, hatte er eine brettebene Fläche: für einen Golfplatzarchitekten Fluch und Segen zugleich. Einerseits war es wie eine weiße Leinwand für einen Maler, ein Spielplatz der unbegrenzten Möglichkeiten. Andererseits hat es seinen Grund, warum die besten Golfplätze der Welt selten zweidimensional sind. "Tom Doak oder Coore/Crenshaw können sich normalerweise Land auswählen, das Sand, aber auch Erdbewegungen bietet, und haben so moderne Klassiker erschaffen. Wir dagegen mussten kreativ werden", erklärt Christian Lundin. Zudem legte er sich mit seinem Konzept ein wenig selbst die Fesseln an. Um den künftigen Mitgliedern das höchste Maß an Flexibilität zu bieten, sollte das Routing nach 3, 6, 9 und 18 Löchern zurück zum Clubhaus führen, "damit man nach der Arbeit herkommen und so viel spielen kann, wie man möchte".
Der größte Test für das Projekt kam, als die Baumaschinen anrollten. Normalerweise herrscht beim Bau eines Golfplatzes die gleiche Gewaltenteilung wie in einem Staat. Der Besitzer ist die Legislative, die den Rahmen vorgibt, wie alles zu laufen hat. Der Architekt ist die Judikative, die einerseits innerhalb dieser Vorgaben operieren muss, andererseits aber das letzte Wort darüber hat, wie die genaue Umsetzung aussieht. Und die Exekutive wird von den Shapern verkörpert, die zwar einen gewissen Interpretationsspielraum oder künstlerische Freiheit haben, aber letztlich dem Architekten Rede und Antwort stehen müssen. Durch die besondere Konstellation in Crownwood war der Bau des Platzes aber eher Monarchie als Demokratie, wie König Christian I. bestätigt: "Für alle anderen war es wahrscheinlich schwierig, weil sie wussten, dass es nur einen Machthaber gibt. Und sie wussten, wenn Christian etwas nicht gefällt, mussten sie es überarbeiten. Wir haben den Shapern wahrscheinlich weniger Freiheit gegeben als sonst, weil wir genau wussten, wie es aussehen soll. Deswegen habe ich mich auch selbst auf die SandPros gesetzt, um die Grüns fertigzustellen."

"Unser Ziel mit dem Blick auf den US-Markt waren superschnelle Grüns. Im ersten Jahr waren sie nie unter 11,5 auf dem Stimpmeter und auf lange Sicht wollen wir sie sogar bei 12,5 haben", zeigt sich Lundin, der einst selbst als Greenkeeper gearbeitet hat, stolz. Die großen Grüns wiederum ermöglichen es ihm, auch bei den Fairways mit viel Breite zu arbeiten. Dennoch erwehrt sich Lundin der Behauptung, der Drive wäre in Crownwood unwichtig. "Ich hasse es, wenn Leute so etwas sagen, denn wenn man nach dem Abschlag an der falschen Stelle landet, hat man keinen zweiten Schlag mehr. Wer nicht in einer Position ist, um anzugreifen, sollte auch nicht angreifen, das habe ich letztes Jahr selbst erfahren müssen. Ich lag nach zwölf Löchern 2 oder 3 unter Par, habe an der 13, einem relativ simplen Par 5, keinen perfekten Drive gehabt und trotzdem angegriffen. Ich bin mit einem Doppel- oder Triple-Bogey vom Loch gegangen und war mächtig geladen."
Obwohl Lundin mit einem niedrigen einstelligen Handicap wahrlich kein schlechter Golfer ist, verblasst er neben seinem Designpartner. Henrik Stenson ist Major-Sieger, Ryder-Cup-Held und Schwedens erfolgreichster männlicher Golfer aller Zeiten. Allerdings ist dies noch lange keine Garantie dafür, dass man ein talentierter Golfplatzarchitekt wird. Kaum einer weiß dies besser als Christian Lundin: "Ich habe schon mit vielen großen Sportlern für ihre sogenannten Signature Collections gearbeitet und die Zusammenarbeit war immer enttäuschend." Umso erfreuter war er, dass Stenson von Anfang an wusste, wie dessen Rolle in dem ganzen Prozess auszusehen hat. "Ihm war klar, dass er der Golfer ist und aus genau dieser Perspektive seinen Beitrag leistet."


Dies kann einem in Crownwood ab April nicht nur 18-, sondern gleich 29-mal passieren, wenn der nächste Schritt in der Clubgeschichte gegangen wird - oder "Phase II", wie es die Webseite nennt: Henrik's Playground. Der aus neun Par 3 und zwei Par 4 bestehende Kurzplatz hat die gleichen Ansprüche, was Design und Platzzustand angeht, ist jedoch Lundins und Stensons Versuch, etwas an die Community zurückzugeben. Anders als der private Crownwood Club wird Henrik's Playground für die Öffentlichkeit zugänglich sein - und vielleicht auch ein kleiner Appetithappen für lokale Golfer und ausländische Besucher, um sich vom Flair und von der Qualität der Anlage zu einer echten Mitgliedschaft überzeugen zu lassen. "Dieser Ort wurde von drei Menschen geschaffen, die Golf lieben, im Golfsport arbeiten und Golf atmen", erklärt Lundin sein Herzensprojekt. "Was wir vermitteln möchten, ist die Leidenschaft für Golf. Und wir möchten, dass unsere Mitglieder dieses Gefühl ebenfalls bekommen."

Fakten
DER PLATZ
ADRESSE: SIBIRIENVÄGEN 19, 26294 ÄNGELHOLMLÄNGE: 6.850 METER
ARCHITEKT: CHRISTIAN LUNDIN



