Tran spielt in München das Golf seines Lebens. Trotz eines einstelligen Handicaps gelingen ihm 41 Nettopunkte. Was an normalen Tagen für Jubelstürme sorgen würde, endet dieses Mal auf einer etwas getrübten Note. Denn auch Marcel Hemmer ist in Hochform und hat am Ende sogar noch drei Nettopunkte mehr auf der Habenseite. Für Van Hai Tran gilt am Ende der Leitsatz aller Leistungssportler: Der Zweite ist der erste Verlierer. Marcel Hemmer erhält die unbezahlbare Einladung nach Südafrika, Van Hai Tran nur einen der opulenten Trostpreise.

Vor 40 Jahren hätte sich der heutige Berliner kaum vorstellen können, einmal in Südafrika Golf zu spielen. Ende der 1980er ging Tran aus Saigon nach Ost-Berlin und goss beim VEB Werkstoffbau in Oberschöneweide Fertigteile für den Hausbau. Nach dem Mauerfall wechselte er auf die andere Seite des Brandenburger Tors und trat in die Fußstapfen seiner Mutter, die in Saigon ein kleines Lokal betrieb. Van Hai Tran gelang danach ein buchstäblicher Klischee-Aufstieg: vom Tellerwäscher zum Restaurantbesitzer. 2000 eröffnete er mit dem "Kabuki" am Olivaer Platz seine erste Sushi-Bar, die jetzt "mrhai Shabuki" heißt. Einen Kilometer entfernt am Savignyplatz verwöhnt er seine Gäste zudem im "mrhai Noon".
9.000 Kilometer entfernt an der Garden Route ist er es, der sich dieses Mal verwöhnen lassen darf. Jeder Spieler bekommt einen eigenen Caddie mit dem persönlichen Namensschild auf der Schürze zur Seite gestellt. Und auch die Gestaltung der Teeboxen ist so aufgebaut, dass man das Gefühl haben könnte, man sei nicht beim World Final der Amateure, sondern bei der BMW PGA Championship. Zumal es auch an Prominenz nicht mangelt: Die schwedische Caddie-Legende Fanny Sunesson gibt Tipps und Gary Player empfängt die Teilnehmer in seinem Heimatland persönlich.


Nach dem Opening-Abend und dem Einmarsch der 93 Teilnehmer aus 31 Nationen ist nicht nur Van Hai Tran klar: In den kommenden drei Tagen wird hier in drei Einzelklassen Wettkampfgolf auf Topniveau gespielt. Doch wie bei Olympia tritt man nicht nur für sich selber, sondern in der Nationenwertung auch für das eigene Land an. Van Hai Tran geht gemeinsam mit Klara Gebhard vom Golf Resort Sonnenalp-Oberallgäu und Maximilian Brüdern vom GC Oldenburger Land für Team Germany an den Start. Sie müssen sich nicht nur mit den besten BMW-Amateuren aus dem Rest der Welt, sondern auch mit dem herausfordernden Montagu Course von Fancourt messen.
Das Design von Gary Player und dem gefeierten Architekten David McLay Kidd begründete 1994 den Erfolg des Resorts, das heute drei hochklassige Plätze zählt. Auf eine noch längere Tradition blickt der BMW Cup zurück. Seit 1987 organisiert der Münchner Autobauer die Amateurserie, bei der weltweit mehr als 800 Turniere ausgetragen werden. Südafrika hat für die Weiß-Blauen eine besondere Bedeutung: 1973 entstand in der Nähe von Johannesburg der erste außerdeutsche BMW-Produktionsstandort. Die Verbindung zur Region wird auch beim Besuch einer von BMW und UNICEF geförderten Township-Schule für über 1.500 Schüler deutlich.

Anders als in München läuft bei Tran dieses Mal wenig zusammen und selbst die Putts wollen nicht wie gewohnt fallen. Am Ende stehen 69 Nettopunkte in drei Wettkampfrunden zu Buche. Dank guter Leistungen von Klara Gebhard (98 Punkte) und Maxmilian Brüdern (89 Punkte) landet Team Germany am Ende mit Platz 14 immerhin im Mittelfeld während an der Spitze das mexikanische Team die Verfolger aus Indien und China in Schach hält. Dass Van Hai Tran am Ende dennoch nicht ohne Preis nach Hause geht, verdankt er seiner Frau. Quynh Mai Nguyen gewinnt am zweiten Tag die Nettowertung im Begleitpersonenturnier und nimmt am Abend ihren Preis von keinem Geringeren als Gary Player entgegen. Eine einmalige Erinnerung, denn am World Final darf jeder Spieler nur einmal im Leben teilnehmen. 2027 werden also neue Teilnehmer die deutschen Farben vertreten, denn die weltweite Amateurserie wird natürlich fortgesetzt. Wo das Finale stattfindet, hält BMW noch geheim. Es wird aber sicher wieder spektakulär.



