Während die Liga beim Start 2022 damit Schlagzeilen machte, Major-Sieger und große Namen wie Phil Mickelson, Dustin Johnson, Sergio García, Ian Poulter oder Martin Kaymer mit neunstelligen Dollar-Schecks zu verpflichten, ist seit der 2023er-Stellenoffensive mit Verträgen für Jon Rahm oder Tyrrell Hatton kein Superstar mehr hinzugekommen. Im Gegenteil: Kaum dass die ersten Verträge ausgelaufen sind, sagen sich einige Stars der ersten Stunde, dass sie nicht noch weitere Nullen auf dem Konto brauchen, sondern lieber wieder sportlich relevant sein wollen.

»VOR ALLEN DINGEN ABER ZEIGTE DAS STATEMENT, DASS KEINER BEI LIV VERSTEHT, WIE DIE WELTRANGLISTE FUNKTIONIERT.«
Wie er zwischen den Zeilen in der Netflix-Doku "Full Swing" andeutete, hatte sein Wechsel mehr mit finanzieller Sicherheit aufgrund seiner unsicheren Gesundheitslage zu tun als mit Überzeugung. Doch als wenige Wochen später auch Patrick Reed LIV in die Wüste schickte, schrillten bei den Saudis die Alarmglocken. Kurz zuvor hieß es noch, Reed sei in neuen Vertragsverhandlungen und LIV habe all seine Bedingungen erfüllt. Und obwohl der Masters-Sieger von 2018 noch bis Herbst auf der PGA Tour gesperrt ist, verzichtete er auf garantiertes Geld und erkämpfte sein Salär mit drei überragenden Auftritten auf der DP World Tour auf sportliche Art. Schwerstarbeit für die Spin-Doktoren von LIV, die kurzerhand eine Pressekonferenz einberaumten, in der Jon Rahm, Bryson DeChambeau und Cameron Smith wie nordkoreanische Funktionäre ihre Loyalität zum Dear Leader LIV bekunden mussten. Das Problem dabei: Die Mimik war so überzeugend wie die von Til Schweiger. Der Australier Cam Smith, der zuletzt fünf Major-Cuts in Folge verpasste, schlug sich noch am besten, als er sagte: "Ich bin glücklich, wo ich bin." Jon Rahm versprach mit leerem Gesichtsausdruck: "Ich plane nicht, irgendwo hinzugehen." Und De-Chambeau stellte schlicht fest: "Ich habe bis 2026 einen Vertrag, also freue ich mich auf dieses Jahr", wirkte dabei aber, als hätte ihm gerade jemand erzählt, sein Hund sei überfahren worden.


Allerdings hat der zusätzliche Arbeitstag bei nahezu vollem Lohnausgleich (das Preisgeld pro Turnier steigt von 25 auf 30 Millionen Dollar) für die Öl-Botschafter auch einen positiven Nebeneffekt. Am 03. Februar verkündete Trevor Immelman als Chairman des Official World Golf Ranking, dass LIV-Turniere ab sofort mit Punkten für die Weltrangliste ausgestattet werden. Während die PGA Tour knapp, kleinlaut und arrogant kommentierte: "Wir respektieren die heutige Entscheidung", fühlte sich LIV Golf wieder einmal unfair behandelt. Weil nur 57 Spieler antreten, beschloss das OWGR-Komitee, lediglich den Top Ten Punkten zu geben und das Ganze als Small Field Tournament einzuordnen, wodurch nur 70 Prozent der eigentlich zustehenden Punkte verteilt werden. "Nach diesen Regeln wird ein Spieler, der den elften Platz belegt, genauso behandelt wie ein Spieler, der den 57. Platz belegt. Die Beschränkung der Punkte auf die ersten zehn Plätze benachteiligt unverhältnismäßig stark Spieler, die konstant hohe Leistungen erbringen, aber knapp unterhalb dieser Schwelle landen", echauffierte sich LIV in einer schnell zusammengeschusterten Pressemitteilung.

Seit dem Start von LIV im Jahr 2022 gab es 16 Major-Turniere. Spieler, die zu irgendeinem Zeitpunkt für LIV gespielt haben, kamen bei 359 Starts auf lediglich 34 Top-Ten-Ergebnisse, darunter aber immerhin vier Siege. Allerdings ist dies in etwa so, als hätte man im Februar 2025 SAP-Aktien gekauft und würde sich für die vorherigen Kursgewinne feiern, schließlich holten Cameron Smith und Jon Rahm ihre Major-Siege noch vor dem Wechsel. Dank Brooks Koepka und Bryson DeChambeau gingen dennoch zwei der 16 letzten Majors an aktive LIV-Spieler. Beachtlich, aber in der Breite sieht es anders aus. Offenbar haben sich zu viele bereits daran gewöhnt, sonntags nicht zu spielen, denn bei 276 Starts von LIV-Aktivisten endeten 112 vor dem Wochenende. Und von den 32 Spielern, die in den letzten vier Jahren mehr als eine Top-Ten-Platzierung bei Majors sammelten, kamen gerade einmal sieben von LIV - und mit Patrick Reed und Brooks Koepka haben zwei von ihnen der Tour jetzt den Rücken zugekehrt.



