Solche Probleme lassen sich leicht ignorieren, wenn man so viel Geld erhält, dass man für den Rest des Lebens ausgesorgt hat. Doch was, wenn dieses Gleichgewicht aus den Fugen gerät? Zwar versiegen die Ölquellen in Saudi-Arabien noch lange nicht, aber die Geldquellen möglicherweise schon jetzt. Als der saudische Staatsfond PIF 2022 im großen Maß auf Sport setzte, um sein verschmutztes Image reinzuwaschen, kostete ein Barrel Crude Oil noch deutlich über 100 US-Dollar, aktuell liegt er um 60 US-Dollar. Die fehlenden Einnahmen haben bereits dazu geführt, dass Saudi-Arabien Mammutprojekte wie das Siedlungsprojekt Neom zurückstufte, die Austragungsrechte an den Asian Winter Games 2029 zurückgab, die Bewerbung für die Handball-WM zurückzog und die Ausgaben für das Fußball-Projekt Saudi Pro League einschränkte. Entsprechend große Sorge herrscht bei LIV, das Geld verbrennt, als sei es eine Gasfackel.

»DIE NEUE STRATEGIE IST, SICH AN JUNGE MÄNNER HERANZUMACHEN UND SIE MIT GELD ZU KÖDERN.«
Die Folge der Finanzprobleme ist, dass es LIV seit 2024 nicht gelungen ist, auch nur einen hochkarätigen Namen zu verpflichten. Die neue Strategie ist stattdessen, sich an junge Männer heranzumachen und sie mit Geld zu ködern. Die Spanier David Puig, Josele Ballester und Eugenio Chacarra sowie die Amerikaner James Piot, Caleb Surratt und zuletzt Michael La Sasso erlagen der Verlockung des Geldes und wechselten direkt vom College in den Nahen Osten. Auf den ersten Blick verständlich: Der Weg ins Profilager ist gepflastert mit Spitzen-Amateuren, die ihr Talent nicht in Preisgelder umwandeln konnten. Doch die neue Strategie ist für beide Seiten unattraktiv. Das Produkt LIV erhält wenig Strahlkraft und für die Spieler selber ist es das erste Alarmsignal für die Karriere. Wer den Weg des geringsten Widerstands geht, traut sich sportlich wenig zu.

Dass LIV beispielsweise Down Under ein so großer Hit ist, liegt daran, dass die Golfnation Australien jahrzehntelang von den großen Touren und besten Spielern kläglich vernachlässigt wurde. Wenn dann auch noch Cinderella-Geschichten wie Anthony Kims Sensationssieg vor mehr als 100.000 Zuschauern dabei herausspringen, gibt es ausnahmsweise einmal wieder positive Schlagzeilen für die Liga. Doch Adelaide ist wie Mallorca: nur einmal im Jahr.


Der größte Verlierer steht auch schon fest. Jon Rahm ist 2024 zu LIV gewechselt, weil er spekulierte, er könne so den letzten Stein zur Wiedervereinigung der Profitouren anstoßen. Doch weil die PGA Tour nicht wankte, ist der spanische Superstar jetzt derjenige mit der längsten Vertragsdauer - und könnte so der sprichwörtlich Letzte werden, der das LIV-Licht ausmacht.



