In der Anfangszeit des Ryder Cup werden am ersten Tag vier Foursomes und an Tag zwei acht Einzel ausgetragen. Jedoch geht jedes Duell über 36 Löcher: eine 18-Loch-Runde am Vormittag und eine am Nachmittag. Die Amerikaner haben deutlich mehr Major-Titel vorzuweisen und sind klarer Favorit. Ihr Küken, der 20-jährige Horton Smith, ist einer der Ersten, die mit Stahlschäften spielen. Da dies in England erst später erlaubt wird, muss er sich für die "Battle of the Moor" wieder an Hickoryschäfte gewöhnen.
Schon am ersten Turniertag kommt es zu chaotischen Verhältnissen auf der Anlage. Man hatte bei mancher Open zuvor bereits größere Zuschauermassen erlebt, allerdings war der Eintritt zu diesen Turnieren frei. Daher berichten die Tageszeitungen von "den größten Zuschauerzahlen bei einer Golf-Veranstaltung mit Eintrittsgeldern". Lochgewinne der Amerikaner werden mit höflichem Applaus goutiert, doch das ist ein Flüstern im Vergleich zu den Jubelstürmen bei Lochgewinnen der Briten. Dennoch liegt das Team USA nach den Foursomes wie erwartet mit 2,5: 1,5 in Führung. Für den einzigen Sieg der Briten sorgen Fred Robson und Abe Mitchell. Jener Mitchell, den Samuel Ryder als Privatcoach angestellt hat und protegiert, damit dieser Turniere spielen kann. Das erklärt, warum eine Figur von Abe Mitchell die Spitze der Ryder-Cup-Trophäe ziert.
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DER RYDER CUP WAR IDENTIFIKATIONSSTIFTEND FÜR DEN CLUB. JEDES MITGLIED KENNT JEMANDEN, DER EINEN KENNT, DER LIVE DABEI WAR.
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Um den Ryder Cup zu gewinnen, müssen die Briten von den acht Einzeln am Samstag nun also fünf für sich entscheiden. 15.000 Golf-Fans strömen bei herrlichem Sonnenschein auf die Anlage. Die Stewards haben ihre Lektion vom Vortag gelernt; hastig errichtete Absperrungen schützen die Spieler vor den Zuschauermassen, die keine großen Hoffnungen auf einen britischen Sieg hegen. Schließlich sind sieben der letzten acht Open-Titel in US-Hände übergeben worden und im Walker Cup, dem seit 1922 ausgetragenen Amateur-Pendant des Ryder Cup, warten die Briten immer noch auf ihren ersten Sieg. Die beiden Kapitäne verabreden heimlich, sich jeweils an Position vier zu setzen, um gegeneinander spielen zu können. Kurz vor Spielbeginn hört Duncan unbemerkt aus einer Toilettenkabine heraus, wie Hagen in der Umkleide einem seiner Teamkollegen von der Übereinkunft erzählt und er zugestimmt habe, weil es ja ein sicherer Punkt für die USA wäre. Duncan ist darüber not amused und strotzt nur so vor Motivation, es seinem alten Rivalen zu zeigen. Eine bessere Antwort als eine 10&8-Abreibung hätte er sich nicht ausdenken können.
Tatsächlich wachsen die Briten an diesem Tag über sich hinaus. Auch die ersten beiden Einzel haben bereits klare Siege gebracht. Dazwischen war Abe Mitchell gegen Leo Diegel, den besten Amerikaner, mit 9&8 untergegangen. Dafür beeindruckt Aubrey Boomer. An einem 536 Meter langen Par 5 hat er nach zwei Schlägen nur noch einen kurzen Eagle-Putt. 1929, wohlgemerkt - mit Schlägern der damaligen Zeit! Am Ende sorgt er für einen weiteren britischen Punktgewinn. Fred Robson verliert sein Match gegen Horton Smith, aber Ernest Whitcombe steuert einen halben Punkt bei und so steht es 6:5 für Großbritannien. Der ultimative Showdown im letzten Match: Mit einem Sieg über Henry Cotton könnte Al Watrous zum 6:6 ausgleichen und den Amerikanern den Ryder Cup sichern. Henry Cotton, damals mit 22 Jahren Jüngster bei den Gastgebern, verliert prompt die ersten beiden Löcher, behält aber die Nerven.
Gemein: Das Bogey wird schon am Abschlag angezeigt (r.)
Cotton erzählt anschließend, wie er mitbekommen hat, dass die Zuschauer, als die Spannung auf dem Siedepunkt war, über die ganze Anlage liefen und jedem - auch Menschen, die sie gar nicht kannten - erzählten, wie es gerade an den jeweiligen Löchern in diesem Duell steht. Wer den Film "Die Legende von Bagger Vance" gesehen hat, kann sich das Szenario in etwa vorstellen. Einige klopfen Cotton beim Vorbeigehen auf die Schulter und machen ihm klar, dass Britannien siegt, wenn er gewinnt. Trotz dieses immensen Drucks triumphiert Cotton nach 33 Löchern mit 4&3. Die Eroberung des Ryder Cup ist mehr als ein sportlicher Erfolg. Tatsächlich lindert dieses Turnier den aufkommenden Minderwertigkeitskomplex der Briten gegenüber den Amerikanern, die das Golf-Training und -Material in den 1920ern deutlich wissenschaftlicher angehen. Es ist auch der Startschuss dafür, dass der Ryder Cup werden konnte, was er heute ist.
Bei der Pokalübergabe durch Samuel Ryder jubiliert George Duncan: "Wir haben die Hochburg des amerikanischen Golfsports gestürmt. Ich bin glücklicher als je zuvor in meinem Leben." Beim abschließenden gemeinsamen Dinner beeindruckt Walter Hagen mit einer äußerst fairen Ansprache und attestiert den Briten, besseres Golf gespielt zu haben und dass Duncan ihn übertrumpft habe. Duncan kann sich eine kleine Spitze nicht verkneifen: "Ich danke Walter. Er war Sportsmann genug, nichts von unserer Übereinkunft zu erzählen, auch wenn er dadurch einen Punkt für sein Team geopfert hat." Auch Samuel Ryder ist selig: "Dieser Ryder Cup hat alle Erwartungen übertroffen."
Ein '(Gibr)Altar' der Golfarchitektur
Das Gleiche lässt sich über Moortown sagen, was auch an seinen Mitgliedern liegt. An der Clubbar nach der Runde habe ich mich erfolgreich an die Weisheit gehalten, nach welcher der Satz "Die erste Runde geht auf mich" immer das Eis bricht. Der Ryder Cup war identifikationsstiftend für den Club. Jedes Mitglied kennt jemanden, der einen kennt, der live dabei gewesen ist oder seine eigene interessante Geschichte dazu hat, die man noch nie gehört oder gelesen hat. Auf dem Weg zurück zum Flughafen sehe ich die Bilder dieses legendären Wettkampfs - jetzt in Kenntnis des atemberaubenden Platzes - noch einmal vor meinem geistigen Auge ablaufen. Auch wenn England sich kulinarisch so gar nicht an mich richtet und der berühmte Yorkshire Pudding (eine Beilage zu Fleischgerichten) mich noch weniger erreicht: Solange sie mir solche Golfplätze wie in Yorkshire anbieten, wo mit Ganton und Lindrick noch zwei weitere fantastische Ryder-Cup-Plätze liegen, können sie ihren Tee meinetwegen auch mit Fischfond verfeinern.