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Troy Mullins

'Männern kratze ich das Ego an'

Von Fritz Lüders, Fotos: J.Lindeberg, Troy Mullins

Was Jamie Sadlowski für die Herren, ist Troy Mullins für die Damen. Im Juli 2017 schoss sie die Kugel so weit wie keine andere und gewann den Mile High Showdown. Doch neben der Long-Drive-Karriere hat sie noch ein weiteres Ziel: die LPGA-Tour.

Wie reagieren alte Männer im Country Club, wenn du als Frau neben ihnen auf der Range den Ball doppelt so weit schlägst?
Es ist echt witzig: Wenn manche Männer mich sehen, geht plötzlich das Ego mit ihnen durch. Sie schlagen dann mit aller Kraft auf ihren Ball und fliegen fast aus den Schuhen. Ich finde das absurd. [lacht] Manchmal verhaue ich auch Bälle - ich bin schließlich keine Maschine -, und dann freuen die sich richtig über meinen Fehlschlag, echt komisch. Meine erste Mitgliedschaft war in einem Country Club. Und obwohl ich meinen Beitrag zahlte, war dort eine Frau, die so aussieht wie ich, nicht willkommen. Ich habe aber das Gefühl, dass sich Golf verändert. Die nächste Generation wird es einfacher haben.

Wie wurdest du überhaupt zur Profi-Golferin?
Ich habe in meiner Kindheit und Jugend wirklich alle Sportarten gemacht: Schwimmen, Volleyball, Leichtathletik und mehr. Nach dem College habe ich dann Golf ausprobiert, ging ab und zu auf die Driving Range - da war ich schon 22. Schnell merkte ich, dass ich den Ball ganz gut treffe und fasste den Plan, es als Profi zu probieren. Als ich das meiner Familie erzählte, dachten die, ich sei verrückt geworden. [lacht] Sie fragten nicht ganz zu Unrecht: 'Du hast nie Golf gespielt und jetzt willst du Profi werden?' Drei Jahre nachdem ich meinen ersten Ball schlug, nahm ich dann an großen Turnieren teil.

War dein Auftritt bei einem großen Turnier nach so kurzer Zeit nicht ein Desaster?
Nicht aus sportlicher Sicht, aber es ging trotzdem drunter und drüber. Bei meinem ersten großen Turnier musste jeder Spieler einen Caddie haben. Aber ich kam alleine, also stellten mir die Veranstalter einen älteren Herrn als Caddie zur Seite. Mitten auf dem Grün klingelte auf einmal sein Telefon und er ging seelenruhig ran, telefonierte während wir putteten. Die anderen Mädels wurden extrem wütend und gaben mir die Schuld. Aber ich kannte ihn ja gar nicht und konnte nichts dafür. Zum Glück bekam ich einen neuen Caddie und wurde nicht disqualifiziert.

Troy Mullins: Troy Mullins:

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WENN MICH MANCHE MÄNNER SEHEN, SCHLAGEN SIE MIT ALLER KRAFT AUF IHREN BALL UND FLIEGEN FAST AUS DEN SCHUHEN. ICH FINDE DAS ABSURF.
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War das der Grund, warum du zum Long Drive wechseltest? Schließlich braucht man da ja keine Caddies
Nein, haha! Ich habe in den Anfangsjahren immer mit meinem Opa auf der Range trainiert. Er sagte mir, dass ich extrem weit schlagen würde, was mir gar nicht so klar war. Ich rief die World Long Drive Organization an, die mich ermutigte, einfach mal mitzumachen. Dann nahmen die Dinge ihren Lauf.


Erzähl uns bitte von deinem längsten Schlag, den du je gemacht hast.
Letzten Sommer schlug ich 402 Yards und stellte den neuen Weltrekord auf. Doch mein Glück hielt nur fünf Stunden. Ein anderes Mädchen haute ihren Ball dann 406 Yards. Und ich fragte mich: Das kann doch nun wirklich nicht wahr sein?! [lacht]

Du bist weder besonders groß noch besonders kräftig. Wie kannst du so weit schlagen?
Mein Geheimnis ist, dass ich beim Take-away den Schläger nicht mit den Armen, sondern mit meinem Rumpf bewege. Die ganze Drehung mache ich nur aus dem Rumpf, nicht aus den Schultern oder Armen. Ich tue so, als wäre alles ein steifes Körperteil.

Was braucht es sonst noch, um den Ball weiter zu schlagen als alle anderen?
Kraft ist für Long Drive nicht ausschlaggebend. Vielmehr macht die Mischung aus Beweglichkeit, Geschwindigkeit und natürlich auch Power einen langen Schlag. Die Verbindung mit dem Boden und eine gute Standfestigkeit ist auch ausschlaggebend. Bei meiner Technik sind die Beine und der Rumpf die wichtigsten Körperteile.



Was für Übungen abseits des Platzes eignen sich, um Driver weiter zu hauen?
Ich mache viel Spinning, um meine Beinmuskulatur zu trainieren - Laufen zählt da natürlich auch zu. Mit Pilates und Yoga kräftige ich meinen Körper und hole mir die Beweglichkeit, die ich so dringend brauche. In letzter Zeit habe ich auch mit Boxen angefangen, um meinen Oberkörper ebenfalls etwas zu trainieren. Da weiß ich aber noch nicht, ob mir das am Ende hilft. [lacht]

Obwohl du zuletzt beim Long Drive für Furore gesorgt hast, willst du es auch auf die LPGA-Tour schaffen. Hilft es dir auf dem normalen Platz, dass du so weit schlagen kannst?
Es sind zwei sehr verschiedene Sportarten. Wenn man zum Long Drive geht, schreien und jubeln die Leute die ganze Zeit wie bei einem Rock-Konzert. Beim normalen Golfturnier ist es eher wie auf einer Beerdigung. Cool ist, dass ich nach dem Driver meistens zum Pitching Wedge greifen kann, während die anderen Mädels noch ein langes Eisen spielen. Aber zum Golf gehört so viel mehr.

Worauf liegt dein Fokus?
Ich habe verschiedene Ziele: In beiden Disziplinen will ich soweit kommen, wie es geht. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich es eines Tages auf die Ladys Tour schaffe, auch wenn der Weg hart wird. Andererseits ist aber auch mein Ziel, mehr Frauen für Golf zu begeistern. Dafür stehe ich jeden Tag auf. Zurzeit arbeite ich noch als Lehrerin, kümmere mich um meinen Hund und trainiere verschiedene Sportarten den ganzen Tag. Es wäre schön, wenn ich mich irgendwann insgesamt mehr auf Golf fokussieren könnte.

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